Kann Bitcoin eine Rolle bei den Protesten in den USA spielen?

Bitcoin Protest
Fotograf: Bruce Emmerling | Symbolbild

Lesedauer für den Artikel: 3 Minuten

Kompakt:

  • Die Proteste in den USA schlugen an vielen Orten in Gewalt um. Dabei geht es den meisten Menschen jedoch um einen friedlichen Protest.
  • Auch Bitcoin könnte als Protestmittel dienen, sofern man es dafür nutzt, um nicht mehr Teil des Geldsystems zu sein.
  • Die Verwendung als Protestmittel wird kontrovers diskutiert.

Die Bilder aus den USA erschütterten die Welt. Der Afroamerikaner George Floyd kam bei seiner Festnahme zu Tode und umherstehende Passanten filmten die letzten Minuten seines Lebens. Die Umstände, unter denen Floyd starb, sorgten international für große Empörung.

In den USA kam es an vielen Orten zu friedlichen Protesten, die jedoch gleichzeitig von einer Welle der Gewalt begleitet wurden. Brennende Autos und Häuser, geplünderte Ladengeschäfte und massive Gewalt, die von Passanten, aber auch von der Polizei ausgeübt wird, prägen die Bilder auf Social Media und sind an manchen Stellen kaum erträglich.

Was sich hier zeigt, sind keine Proteste, sondern soziale Unruhen, die bisher noch nicht beendet sind. Angesichts der geschichtlich tief verwurzelten Problematik, die den Rassismus und die Gewalt gegen Afroamerikaner bis heute begünstigt, dürfte die Gesamtsituation auch nur schwerlich schnell aufzulösen sein.

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Bitcoin und der Protest

Aber auch ein weiteres Bild machte die Runde. Ein einsamer Demonstrant, der ein Schild mit der Aufschrift „Bitcoin wird uns retten“ trug. Auch auf Twitter wurde Bitcoin als Protestmittel diskutiert. Das Bitcoin in Protestbewegungen eine Rolle spielt, ist kein neues Phänomen.

Auch bei den Protesten der Gelbwesten in Frankreich wurde Bitcoin zu einem Thema, wenn auch nur am Rande. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass alternative Medien, die eine tendenziöse und abweichende Meinung vertreten zunehmend auf eine Finanzierung durch Bitcoin-Spenden bauen.

Allen voran KenFM. Ein Blick auf die Adresse verrät, dass sich das Magazin von Ken Jebsen bisher über mehr als 3,5 BTC an Spenden freuen durfte. Das Beispiel beweist, dass Bitcoin den Protest einfach und schnell finanzieren könnte.

Aber kann Bitcoin jenseits des Crowdfundings auch eine rettende Wirkung entfalten?

Ausstieg aus der Gesellschaft

Die Finanzierung einzelner Organisationen oder Personen ist relativ leicht. Letztlich hängt die Effizienz von der Reichweite des jeweiligen Spendenaufrufs ab. Um allerdings ein Protestmittel zu sein, welches tatsächlich eine Wirkung entfaltet, bräuchte es wesentlich mehr.

Zwar könnten Protestler eine Art Ansturm auf die Banken starten, indem sie ihre Mittel komplett in Bitcoin umwandeln, aber dieser Schritt braucht mehr als nur die Bereitschaft weniger Überzeugungstäter. Besteht keine lokale Infrastruktur, die Bitcoin akzeptiert, dann wechselt man Bitcoin schneller wieder gegen US-Dollar als gedacht.

Letztlich kann Bitcoin als Protestmittel nur dann effektiv sein, wenn man sich wirklich aus dem Wirtschaftskreislauf entfernt. Dies dürfte aber nur für Menschen machbar sein, die auch eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit besitzen. Der ärmere Teil einer Bevölkerung, der in vielen Fällen im Zentrum von Protesten steht, hat diese Möglichkeit nicht.

Eine Absage an das System kann eben nur der erteilen, der auch ein geschätzter Bestandteil davon ist.