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Tornado Cash: Bringen US-Sanktionen Open Source in Gefahr?

Kanone im Sonnenuntergang
Bildquelle: skeeze, pixapay.com
  • Gestern Abend hat das US-Finanzministerium Sanktionen gegen Tornado Cash erlassen.
  • Mit GitHub und Circle reagierten bereits zwei Unternehmen auf diesen Schritt.
  • Die Reaktion aus der Krypto-Industrie fallen gemischt aus, viele sehen darin einen Angriff auf quelloffene Software.

Die Nachricht schlug gestern Abend wie eine Bombe ein: Die USA verhängen Sanktionen gegen Tornado Cash. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen typischen Tumbler wie etwa bei einem Bitcoin-Mixer. Stattdessen ist der Service als Smart Contract konzipiert, der quelloffen ist und daher von jedermann kopiert bzw. geforkt werden kann.

Das scheint auch GitHub klar zu sein und so löschte die Plattform kurzerhand das komplette Repository. Außerdem wurde der Account von Roman Semenov gelöscht. Semenov ist der Erfinder von Tornado Cash, hat aber nicht die Kontrolle über den Dienst. Stattdessen wurden die notwendigen Keys nach Erstellung gelöscht und die Geschicke von Tornado Cash in die Hände einer DAO gelegt.

Damit ist der Code zwar nicht für immer verloren, die Verfügbarkeit ist jedoch dadurch eingeschränkt. Doch dies war nicht die einzige Reaktion auf die verhängten US-Sanktionen.

Circle blockiert Adressen

Der Stablecoin Anbieter Cricle sperrte kurzerhand die auf der Sanktionsliste stehenden Adressen. Damit ist eine Interaktion zwischen dem USD Coin (USDC) und dem Mixer also ausgeschlossen. Auch ein vorhandener Pool wurde damit eingefroren, obgleich die Summe relativ gering ist.

Die Website von Tornado Cash ging ebenfalls offline. Da es sich aber um einen Smart Contract handelt, kann man ihn immer noch direkt aufrufen, muss dafür aber technisch versiert genug sein.

Doch die von Circle und GitHub ergriffenen Maßnahmen heizen eine andere Debatte an. Viele prominente Stimmen sehen darin einen Angriff auf Open-Source-Technologie, die sich neutral verhält. Daher kann man einen Dienst wie Tornado Cash zum Guten wie zum Schlechten einsetzen.

Ist das ein Angriff auf Open-Source?

Die Frage, ob solche Eingriffe durch den Staat hinnehmbar sind, ist alt. Nicht nur in Hinblick auf Mixer, sondern auch im Kontext mit Kryptowährungen wird sie immer wieder gestellt. Dabei ist der Streit relativ unergiebig, denn das disruptive Potenzial der Technologie setzt dem Staat effektive Grenzen.

Tornado Cash ließe sich jederzeit rekreieren und selbst der jetzt existierende Dienst ist nicht vollständig angreifbar. Für Personen, die sich an der Entwicklung beteiligen wollen, sieht das jedoch anders aus. Damit handelt es sich weniger um einen Angriff auf die Technologie, als einen Angriff auf ihre Macher. Für die nordkoreanischen Hacker, die man mit der Maßnahme treffen wollte, machen die US-Sanktionen jedoch keinen Unterschied.