Der Bitcoin-Kurs konnte mit dem letzten Wochenschluss eine entscheidende charttechnische Unterstützung verteidigen. In der vergangenen Woche ist der Kurs bis auf die Marke von 59.100 Dollar gefallen und hat damit ein neues Jahrestief verzeichnet. Im Zuge dieser Korrektur hat er wichtige charttechnische Marken eingebüßt, darunter den 200-Wochen-Trend, die Unterstützungszone um die Marke von 65.000 Dollar und den langfristigen Aufwärtstrend seit dem Bärenmarkt-Boden aus dem Jahr 2018, der im Februar noch aus Support gehalten hatte.

Den Wochenschluss konnte Bitcoin allerdings deutlich oberhalb der runden Marke von 60.000 Dollar und des 200-Wochentrends markieren, der in vergangenen Zyklen ein wichtiger Indikator für die Bildung eines Bodens in einem Bärenmarkt aufgetreten ist.
Erholung nach neuen Trump-Aussagen
Zur Erholung beigetragen haben neue Aussagen von US-Präsident Donald Trump, wonach eine von den USA vermittelte Einigung mit dem Iran kurz bevorstehen könnte. Das ist nicht das erste Mal, dass Trump Aussagen dieser Art tätigt – der Konflikt geht nun bereits seit Wochen und das kommunikative Hin und Her zwischen beiden Seiten hält die Märkte in Atem. Dennoch sorgen De-Eskalationssignale immer wieder für Hoffnung: Eine Entspannung im Nahen Osten würde die geopolitische Risiko-Prämie im Ölpreis reduzieren. Niedrigere Ölpreise bedeuten geringeren Inflationsdruck, was wiederum den Handlungsspielraum der Federal Reserve erweitern könnte.
Bitcoin reagiert derzeit weniger wie digitales Gold und deutlich stärker wie ein klassisches Makro-Asset. Entspannungssignale führen zu steigender Risikobereitschaft an den Märkten, während Eskalationen vor allem hochvolatile Anlagen unter Druck setzen. Doch geopolitische Hoffnung allein dürfte nicht ausreichen, um einen nachhaltigen Aufwärtstrend zu etablieren. Dafür muss sich auch das technische Bild deutlich verbessern.
Die 60.000-Dollar-Marke wird zur entscheidenden Linie im Sand
Charttechnisch hat sich die Lage zuletzt zugespitzt. Das Tief bei 59.100 Dollar vom 5. Juni markiert aktuell die wichtigste Unterstützungszone. Es handelt sich um den niedrigsten Bitcoin-Kurs seit Februar und gleichzeitig um einen Bereich, in dem mehr als die Hälfte aller Bitcoin im Umlauf zwischenzeitlich im unrealisieren Verlust notierten. Historisch betrachtet traten solche Konstellationen häufig in der Nähe bedeutender Marktböden auf.
Zusätzlich verläuft die langfristig wichtige 200-Wochen-Linie derzeit bei rund 61.880 Dollar. Bereits in den Bärenmärkten 2015, 2018 und 2020 fungierte sie als wichtiger Bodenbildungsbereich. Bitcoin handelt aktuell nur knapp oberhalb dieser Marke.
Die psychologisch wichtige Schwelle von 60.000 Dollar entwickelt sich damit zur entscheidenden Unterstützung. Solange sie verteidigt werden kann, bleibt die Chance auf eine Bodenbildung erhalten. Auf der Oberseite müssen die Bullen zunächst die Zone um 63.000 bis 64.000 Dollar zurückerobern. Erst darüber würde sich das kurzfristige Chartbild merklich aufhellen. Das nächste relevante Erholungsziel läge anschließend im Bereich des 20-Tage-Trends – dem unteren Ende des Bullmarket-Supportbands – bei 70.650 Dollar.
Der Markt ist extrem überverkauft
Gleichzeitig häufen sich die Signale einer möglichen Gegenbewegung. Der Relative-Stärke-Index (RSI) auf Tagesbasis ist zuletzt auf rund 15,5 Punkte gefallen. Das ist der niedrigste Wert seit dem Corona-Crash im März 2020. Bereits Werte unter 30 gelten üblicherweise als überverkauft.

Historisch betrachtet waren ähnlich extreme Werte häufig Vorboten deutlicher Erholungsbewegungen. Im März 2020 folgte auf einen vergleichbaren RSI-Anstieg eine Rally von rund 50 Prozent. Auch im Februar dieses Jahres markierte ein RSI-Wert unter 16 Punkten den Ausgangspunkt für eine Aufwärtsbewegung von fast 30 Prozent. Natürlich garantiert ein überverkaufter Markt keine Trendwende. Er signalisiert jedoch, dass ein erheblicher Teil des Verkaufsdrucks bereits verarbeitet worden sein könnte.
Geldpolitik liefert aktuell keinen Rückenwind
Neben den geopolitischen Unsicherheiten bleibt die Geldpolitik aktuell ein Belastungsfaktor für Bitcoin. Der US-Arbeitsmarkt bleibt überraschend robust. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen, während Ökonomen lediglich mit rund 85.000 gerechnet hatten. Gleichzeitig verharrt die Inflation auf erhöhtem Niveau. Die Verbraucherpreise liegen bei 3,8 Prozent, die Produzentenpreise sogar bei 6 Prozent. Die Folge: Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis zum Jahresende ist innerhalb weniger Tage deutlich gestiegen.
Genau hier kommt der neue Fed-Chef Kevin Warsh ins Spiel. Warsh gilt zwar grundsätzlich als deutlich kryptofreundlicher als viele seiner Vorgänger. Er unterstützt private Stablecoins, steht einer staatlichen Digitalwährung skeptisch gegenüber und äußerte sich in der Vergangenheit mehrfach offen gegenüber digitalen Vermögenswerten. Gleichzeitig könnte seine geldpolitische Haltung restriktiver ausfallen als viele Marktteilnehmer bislang erwartet hatten. Sollte die Fed ihren Fokus weiterhin auf die Inflationsbekämpfung legen, dürfte das Liquiditätsumfeld für Bitcoin kurzfristig schwierig bleiben.
Damit werden die US-Inflationsdaten am 10. Juni sowie die Fed-Sitzung am 17. und 18. Juni zu den wahrscheinlich wichtigsten Terminen für den weiteren Kursverlauf.
Wie geht es weiter?
Aktuell dominieren vier Belastungsfaktoren das Marktgeschehen: die hartnäckige Inflation, steigende Zinserwartungen, geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten und die anhaltende Kapitalrotation in KI-Aktien.
Gleichzeitig mehren sich jedoch die klassischen Anzeichen einer Bodenbildung. Der Markt ist historisch überverkauft. Die Kapitulation kurzfristiger Anleger erreicht Extremwerte. Die 60.000-Dollar-Marke konnte bislang verteidigt werden und Bitcoin handelt weiterhin oberhalb der langfristig wichtigen 200-Wochen-Linie. Die kommenden Wochen dürften daher eine Richtungsentscheidung bringen.
Fallen Inflation und Fed restriktiver aus als erwartet, könnte der Bereich zwischen 59.000 und 60.000 Dollar erneut getestet werden. Enttäuschen die Inflationsdaten hingegen positiv oder signalisiert die Fed mehr Flexibilität, wäre eine technische Erholung in Richtung 70.000 Dollar durchaus realistisch.
Denken Sie langfristig!
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