Bitcoin-Kurier | News zu Bitcoin, Blockchain und Kryptowährungen
Märkte

Bitcoin überholt Gold: Wie realistisch ist CZs Millionen-Prognose?

Bitcoin-Münze und Gold
Bildquelle: © stock.adobe.com

Bitcoin könnte Gold bereits im nächsten Bullenmarkt überholen. Mit dieser These hat Changpeng Zhao, der Gründer der Kryptobörse Binance, eine neue Runde in einer der ältesten Debatten des Krypto-Sektors eröffnet. Sollte Bitcoin den Marktwert von Gold erreichen, ließe sich daraus schließlich ein Kurs von mehreren Hunderttausend oder sogar mehr als einer Million Dollar ableiten.

Der Vergleich klingt zunächst bestechend einfach: Gold ist knapp, Bitcoin ist noch knapper. Gold dient seit Jahrhunderten als Wertspeicher, während Bitcoin viele seiner Eigenschaften in digitaler Form abbildet. Hinzu kommt, dass sich das Bitcoin-Angebot nicht beliebig ausweiten lässt. Wenn immer mehr Anleger und Staaten einen Teil ihrer Reserven in Bitcoin halten wollen, trifft zusätzliche Nachfrage auf ein weitgehend unelastisches Angebot.

Damit besitzt CZs These einen durchaus plausiblen Kern. Trotzdem ist der Weg zur Goldparität deutlich komplizierter, als es ein einfaches Kursziel vermuten lässt.

Welchen Goldmarkt müsste Bitcoin überholen?

Das erste Problem beginnt bereits bei der Frage, was mit dem Marktwert von Gold gemeint ist. Der World Gold Council bezifferte den Wert des physischen Anlagegoldmarktes auf rund 14 Billionen Dollar. Dazu gehören unter anderem Barren, Münzen, physisch besicherte Goldfonds und die Bestände der Zentralbanken.

Teilt man diesen Betrag durch die aktuell im Umlauf befindlichen 20,08 Millionen Bitcoin, ergibt sich ein theoretischer Bitcoin-Preis von knapp 700.000 Dollar. Bei diesem Kurs hätte Bitcoin ungefähr den Marktwert des physischen Anlagegoldes erreicht.

Der gesamte oberirdische Goldbestand ist jedoch wesentlich größer. Bezieht man zusätzlich Schmuck, industrielle Bestände und weitere Goldvorkommen ein, kommt der World Gold Council auf einen Wert von rund 31 Billionen Dollar. Für einen Gleichstand mit diesem Goldbestand müsste ein Bitcoin unter den gleichen Annahmen etwa 1,54 Millionen Dollar kosten.

Die Aussage „Bitcoin überholt Gold“ kann somit zwei völlig unterschiedliche Kursziele beschreiben. Knapp 700.000 Dollar wären ungefähr mit der Bewertung des Anlagegoldmarktes vergleichbar. Für einen Gleichstand mit dem gesamten Goldbestand wäre mehr als das Doppelte notwendig.

Hinzu kommt, dass diese Goldbewertungen auf dem Stand von Ende 2025 beruhen. Es handelt sich deshalb um eine Szenariorechnung und nicht um einen tagesaktuellen Vergleich. Die Rechnung zeigt, welcher Bitcoin-Preis bei einer bestimmten Goldbewertung notwendig wäre. Sie sagt noch nichts darüber aus, wie wahrscheinlich dieses Ergebnis ist.

Das stärkste Argument für Bitcoin

Für Bitcoin spricht vor allem seine monetäre Konstruktion. Das maximale Angebot ist unter den bestehenden Netzwerkregeln auf knapp 21 Millionen Einheiten begrenzt. Steigt der Preis, können Miner die Produktion nicht beliebig ausweiten. Gleichzeitig lässt sich Bitcoin global übertragen, sehr fein teilen und ohne einen zentralen Emittenten verwahren.

Diese Kombination macht Bitcoin als Wertspeicher interessant. Wächst die Nachfrage langfristig weiter, kann ein begrenztes Angebot starke Preisbewegungen begünstigen. Genau dieser Mechanismus hat wesentlich dazu beigetragen, dass aus einem technologischen Experiment innerhalb weniger Jahre eine global gehandelte Anlageklasse geworden ist.

Knappheit allein garantiert jedoch keinen Wert. Entscheidend bleibt, ob Anleger Bitcoin dauerhaft besitzen wollen und welchen Preis sie dafür zu zahlen bereit sind. Auch bereits existierende Bitcoin können bei höheren Kursen wieder auf den Markt gelangen. Aus der Angebotsgrenze lässt sich daher weder ein fester Preis noch ein genauer Zeitpunkt ableiten.

Eine Reserve ist noch kein Kaufprogramm

CZ verbindet seine Erwartung vor allem mit der zunehmenden Akzeptanz von Bitcoin als staatlichem Reserve-Asset. Tatsächlich hat sich die politische Wahrnehmung deutlich verändert. Die USA ordneten bereits im März 2025 die Einrichtung einer strategischen Bitcoin-Reserve an.

Diese Reserve basiert zunächst allerdings auf Bitcoin, die der Staat bereits durch endgültige Einziehungen besitzt. Die Entscheidung, vorhandene Bestände nicht mehr zu verkaufen, kann das künftige Angebot reduzieren. Sie erzeugt aber nicht automatisch neue Nachfrage am Markt.

Dafür wären zusätzliche, tatsächlich ausgeführte Käufe notwendig. Zwar sieht der amerikanische Erlass die Entwicklung budgetneutraler Erwerbsstrategien vor. Aus dem Erlass allein folgt jedoch noch nicht, dass die Regierung anschließend in großem Umfang neue Bitcoin gekauft hat.

Auch andere Beispiele müssen genau eingeordnet werden. Die tschechische Zentralbank stellte 2025 ein Testportfolio für digitale Vermögenswerte im Gesamtwert von einer Million Dollar zusammen. Damit wollte sie unter anderem Erfahrungen mit Verwahrung, Abwicklung und internen Sicherheitsprozessen sammeln. Das Portfolio lag jedoch ausdrücklich außerhalb ihrer internationalen Reserven und enthielt neben Bitcoin weitere digitale Assets.

Das ist ein reales Zeichen für wachsende institutionelle Aufmerksamkeit. Von einer großen strategischen Bitcoin-Allokation ist ein solches Experiment dennoch weit entfernt.

Gold verschwindet nicht aus den Tresoren

Gleichzeitig kaufen Zentralbanken weiterhin erhebliche Mengen Gold. Im zweiten Quartal 2026 lagen ihre Nettokäufe nach Angaben des World Gold Council bei rund 289 Tonnen. Für das gesamte erste Halbjahr wurden nach Revisionen etwa 345 Tonnen ausgewiesen.

Das spricht weder für eine unmittelbar bevorstehende Ablösung von Gold noch gegen eine spätere Bitcoin-Adoption. Staaten könnten ihre Goldbestände behalten und parallel kleinere Bitcoin-Positionen aufbauen. Für Bitcoin könnte selbst eine vergleichsweise geringe globale Reservequote bereits relevant sein. Ein solcher Prozess wäre jedoch etwas anderes als ein schneller Austausch beider Vermögenswerte.

Gold besitzt außerdem mehr als einen historischen Vorsprung. Zentralbanken benötigen liquide Reserven, die sie auch in Krisenzeiten zuverlässig mobilisieren können. Rund um Gold bestehen dafür seit Jahrzehnten etablierte Handelsplätze, Verwahrstrukturen und rechtliche Verfahren. Bitcoin muss dieses Vertrauen erst über verschiedene Marktphasen hinweg aufbauen.

Gold ist ein bewegliches Ziel

Bei allen Kurszielen wird zudem häufig übersehen, dass Gold nicht einfach auf seiner heutigen Bewertung stehen bleibt. Sollte der Wert des gesamten Goldbestands weiter steigen, würde sich die Marktgröße natürlich ebenfalls erhöhen. Bei weiterhin 20,08 Millionen Bitcoin läge die neue Paritätsschwelle entsprechend ebenfalls deutlich höher.

Gerade jene makroökonomischen Entwicklungen, die Bitcoin stärken könnten, können gleichzeitig die Nachfrage nach Gold erhöhen. Sorgen über Staatsverschuldung, Währungsabwertung oder geopolitische Risiken müssen nicht zu einer Umschichtung von Gold in Bitcoin führen. Beide Vermögenswerte können parallel profitieren.

CZs langfristige Grundidee ist deshalb plausibler als sein Zeitplan. Bitcoin kann Gold eines Tages beim Marktwert erreichen. Dafür müssten die Nachfrage und die Akzeptanz als Wertspeicher jedoch noch erheblich wachsen. Dass dieser Prozess bereits im nächsten Bullenmarkt abgeschlossen wird, ist mit den bisherigen Entwicklungen nicht ausreichend belegt.

Anleger sollten ihre Bitcoin-Strategie daher nicht davon abhängig machen, dass Gold zwingend überholt werden muss. Entscheidend ist, welche Rolle Bitcoin im eigenen Portfolio erfüllen soll – und ob die Investmentthese auch dann funktioniert, wenn die staatliche Adoption langsamer verläuft und Gold noch viele Jahre der größere Wertspeicher bleibt.

Denken Sie langfristig!

Reichen 0.1 Bitcoin, um in den nächsten zehn Jahren Millionär zu werden? Diese plakative aber hartnäckig im Krypto-Sektor kursierende Frage im harten Faktencheck finden Sie in der neusten Analyse auf decentralist.

Newsletter abonnieren

Don't miss out!
Invalid email address

Das könnte dich auch interessieren

Zcash-Kurs über 1.000 Dollar: Ist jetzt ein Anstieg auf 3.000 Dollar möglich?

Robert Steinadler

Bitcoin startet mit Verlusten in den September, den statistisch schwächsten Monat des Jahres

Robert Steinadler

Bitcoin: Ist der Sprung in den nächsten langfristigen Aufwärtstrend geschafft?

Alexander Mayer