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Bitcoin startet mit Verlusten in den September, den statistisch schwächsten Monat des Jahres

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Bitcoin rutscht zum Monatsauftakt um rund ein Prozent ab und notiert knapp unter 78.000 US-Dollar. Der September ist seit 2013 der schwächste Monat in der Kursstatistik, doch der eigentliche Druck kommt diesmal von der US-Notenbank. Die Terminmärkte preisen für den 16. September eine Zinserhöhung mit etwa 66 Prozent Wahrscheinlichkeit ein.

Damit endet vorerst eine starke Serie. Im August legte der Bitcoin-Kurs um rund 25 Prozent zu, das beste Monatsergebnis seit November 2024. Am Dienstagvormittag fiel BTC von einem Eröffnungskurs bei etwa 78.560 US-Dollar auf knapp unter 78.000 US-Dollar zurück. Belastet wird der Markt von einem globalen Ausverkauf bei Staatsanleihen, steigenden Ölpreisen und der Aussicht auf straffere Geldpolitik in den USA. In der Krypto-Community trägt der Monat seit Jahren den Spottnamen „Rektember“.

Was die Statistik über Bitcoin im September sagt

Die Datenlage ist eindeutig. Seit 2013 verlor Bitcoin im September nach Auswertung von Coinglass durchschnittlich 2,87 Prozent, der Median liegt bei minus 2,44 Prozent. Kein anderer Kalendermonat schneidet schlechter ab, und nur fünf Septembermonate schlossen bislang im Plus.

Die Statistik hat allerdings eine zweite Seite. Die letzten drei Septembermonate waren sämtlich positiv, 2023 mit rund vier Prozent, 2024 mit gut sieben Prozent und 2025 mit gut fünf Prozent. Der schwächste September der Historie fiel 2019 mit knapp 14 Prozent Verlust an, die übrigen roten Monate häufen sich in Bärenmärkten und in Phasen, in denen gehebelte Positionen aufgelöst wurden. Saisonalität beschreibt also ein Muster, sie erklärt es nicht. Am Monatsnamen liegt es nicht.

Auch am Aktienmarkt gilt der September als Problemmonat. Seit 1950 verlor der S&P 500 im neunten Monat durchschnittlich 0,7 Prozent, der Dow Jones 0,8 Prozent. Daten der Bank of America bis zurück ins Jahr 1928 zeigen für den S&P 500 ein durchschnittliches Minus von 1,17 Prozent, wobei der Index in 56 Prozent dieser Jahre schwächer schloss. Der August war auch hier stark, das Barometer gewann 2,62 Prozent und markierte am 13. August mit 7.798,99 Punkten das 27. Rekordhoch des Jahres.

Zinserhöhung am 16. September rückt in den Fokus

Den fundamentalen Grund für die aktuelle Schwäche liefert die Fed. Notenbankchef Kevin Warsh erklärte am 28. August in Jackson Hole, die Fed habe bei der Inflation noch „work to do“, falls sich keine klare Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel abzeichne. Der Auftritt fiel deutlich restriktiver aus als erwartet. Vor der Rede lag die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im September laut CME FedWatch Tool bei etwa 35 Prozent, am Freitag zog sie auf über 45 Prozent an, inzwischen liegt sie bei rund 66 Prozent. Für Dezember rechnen die Terminmärkte mit einem weiteren Schritt. Zwei Erhöhungen um jeweils 25 Basispunkte würden das Zielband für den Leitzins zum Jahresende auf 4,00 bis 4,25 Prozent heben.

Die Wirkung zeigt der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen liegt bei rund 4,77 Prozent und damit auf dem höchsten Stand seit Januar 2025. Die 30-jährige Rendite notierte in diesem Jahr bereits an 55 Handelstagen über fünf Prozent, so viele wie seit 2006 nicht mehr. Höhere Renditen und ein festerer Dollar verteuern Kapital und machen zinslose Anlagen unattraktiver. Bitcoin ist damit nicht allein. Gold verlor am Dienstag mehr als ein Prozent auf rund 4.400 US-Dollar und rutschte damit auf ein Zweiwochentief.

Ölpreis und Nahostkonflikt verstärken den Inflationsdruck

Parallel ziehen die Energiepreise an. Nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus und iranischen Attacken auf die Vereinigten Arabischen Emirate und Jordanien stieg Rohöl den zweiten Handelstag in Folge. WTI kostet rund 88 US-Dollar je Barrel, etwa zwei Prozent mehr als 24 Stunden zuvor und so viel wie zuletzt Ende Juli. Für Bitcoin ist das ein indirekter, aber wirksamer Kanal. Teurere Energie hebt die Inflationserwartungen, das erhöht den Druck auf die Fed, und jeder Basispunkt mehr am langen Ende verschlechtert die Bedingungen für Risikoassets.

ETF-Zuflüsse und Strategy stützen die Nachfrageseite

Gegen die Saisonalität steht die Kapitalseite. Die US-Spot-ETFs auf Bitcoin sammelten im August mehr als drei Milliarden US-Dollar netto ein, der stärkste Monat des Jahres 2026 und rund das Doppelte des bisherigen Jahresbestwerts aus dem April mit etwa 1,97 Milliarden US-Dollar. Das verwaltete Nettovermögen erreichte knapp 99 Milliarden US-Dollar. Über das Gesamtjahr stehen die Produkte trotzdem weiter bei etwa 2,26 Milliarden US-Dollar Nettoabflüssen. Der August war also eine Aufholbewegung und noch kein bestätigter Trendwechsel. In der Woche vom 24. bis 28. August kamen netto rund 924 Millionen US-Dollar hinzu.

Auch der größte Unternehmenshalter kauft wieder. Strategy erwarb laut 8-K-Meldung vom 31. August in der Woche zum 30. August 4.603 BTC für 369,7 Millionen US-Dollar, im Schnitt zu 80.318 US-Dollar. Es war der erste Zukauf seit dem 22. Juni. Der Bestand steigt damit auf 845.050 BTC bei durchschnittlichen Anschaffungskosten von 75.412 US-Dollar. Finanziert wurde der Kauf über den Verkauf eigener Aktien am Markt, in der Berichtswoche 4.531.421 MSTR-Anteile mit einem Nettoerlös von 602,8 Millionen US-Dollar. Anfang August hatte das Unternehmen noch in die andere Richtung gehandelt und 1.690 BTC zu durchschnittlich 64.262 US-Dollar verkauft, um mit dem Erlös eigene Vorzugsaktien der Gattung STRC zurückzukaufen.

Für die Einordnung des August-Anstiegs ist der längere Zeitraum wichtig. Vor einem Monat notierte Bitcoin noch bei knapp 63.000 US-Dollar, vor einem Jahr bei rund 109.240 US-Dollar. Der Kurs liegt damit etwa 28 Prozent unter dem Vorjahresniveau und weit unter dem Allzeithoch von 128.198 US-Dollar vom 6. Oktober 2025. Die 25 Prozent im August waren eine Erholung von einem niedrigen Niveau, kein Ausbruch nach oben.

Ausblick, diese Termine bestimmen den September

Kurzfristig entscheidet der Arbeitsmarkt über die Zinsfrage. Am Mittwoch kommt der ADP-Bericht, am Freitag folgen die offiziellen US-Arbeitsmarktdaten. Robuste Zahlen dürften die Erwartung einer Erhöhung am 16. September weiter verfestigen, schwache Zahlen würden sie dämpfen. Am 10. September entscheidet zudem die EZB, wenige Tage vor der Fed.

Damit dürfte für Bitcoin weniger der Kalender als die Rendite am langen Ende den Takt vorgeben. Rückt die zehnjährige US-Rendite in Richtung fünf Prozent, wird die Luft für Risikoassets dünner. Bleiben die ETF-Zuflüsse dagegen stabil und kauft der Unternehmenssektor weiter zu, hat der Markt ein Gegengewicht, das in den klassischen Rektember-Jahren fehlte. Wenn Du den Monat mitverfolgen willst, sind drei Größen aussagekräftiger als jede Saisonalitätstabelle, die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe, die täglichen ETF-Flüsse und der Ölpreis.

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