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Bitcoin Mixer – Anleitung und thematischer Überblick

Bitcoin Mixer

Bitcoin Mixer sind immer noch ein wichtiges Tool. Denn Bitcoin-Transaktion sind entgegen weitverbreiteter Auffassung nicht anonym. Ganz im Gegenteil, es gibt hochintelligente Software, die darauf spezialisiert ist Transaktionen zuzuordnen und wenn möglich die Beteiligten zu enttarnen. Das viele Menschen immer noch von der Anonymität von Bitcoin überzeugt sind, hat mehrere Gründe.

So sorgte zum Beispiel ein Zitat von Barack Obama im Jahr 2016 für viel Wirbel, als er anmerkte, dass Bitcoin wie ein Schweizer Nummernkonto in der eigenen Hosentasche sei. In einiger Hinsicht stimmt das auch, nur erzeugt das den Eindruck einer Vertraulichkeit, die Bitcoin-Transaktionen nicht genießen. Man bedenke, dass die Blockchain ein zusammenhängender Datensatz ist, der sich zu einem beliebigen Zeitpunkt auswerten lässt. Daher kann man im Prinzip noch Jahre in die Vergangenheit zurückgehen, um Transaktionen zu analysieren.

Doch nicht jeder Bitcoin Nutzer möchte sich diesem Risiko aussetzen. Daher wurden im Laufe der Zeit verschiedene Methoden entwickelt, um die Transaktionen zu verschleiern. Im Folgenden wollen wir vorstellen, was Bitcoin Mixer eigentlich sind, welchen Nutzen sie haben und welche Risiken entstehen können, wenn man sie verwendet. Abschließend geben wir einen Überblick zu verschiedenen Anbietern und ihrer Erreichbarkeit.

Was sind Bitcoin Mixer?

Ein Bitcoin Mixer ist ein Drittanbieter Service, der verschiedene Bitcoin-Transaktionen miteinander vermengt und daraus einen Pool an Bitcoin bildet. Im Anschluss werden aus diesem Pool, die entsprechenden Beträge an die eigentlichen Empfänger versandt. Dadurch wird die Verbindung, die sonst zwischen Sender und Empfänger der Transaktion entsteht, gekappt. Im Zusammenhang mit diesen Diensten ist auch der Begriff des Bitcoin Tumblers geläufig. Beide Begriffe sind synonym.

Bitcoin Mixer Schema
Anna schickt Bernd 0,1 Bitcoin. Durch die Verwendung des Mixers wird die direkte Verbindung zwischen den beiden getrennt, weil die Transaktion mit denen von Beate und Anton vermengt wird und aus dem Pool des Mixers erfolgt. Gebühren werden in dem Beispiel nicht berücksichtigt.

Für den Service verlangt der Anbieter in der Regel eine Gebühr. Diese wird zusätzlich zu den Transaktionsgebühren des Bitcoin-Netzwerks erhoben. Sie beträgt zwischen 0,1 und 5 Prozent, kann aber ggf. auch individualisiert werden und damit höher oder niedriger liegen. Obwohl dieses Modell viele Vorteile bezüglich der Vertraulichkeit der Transaktionen bietet, weist es jedoch einige entscheidende Nachteile auf, die in allererster Linie auf Anwenderfehler zurückzuführen sind.

Best Practice mit Bitcoin Mixern

Um den Mixer auch richtig zu bedienen, müssen einige wichtige Punkte beachtet werden. Ansonsten hinterlässt man trotz der Durchmischung der Transaktionen immer noch genügend Hinweise auf den Sender und den Empfänger.

Daher gilt es einige Dinge zu beachten, um keine zusätzlichen Lücken zu bilden.

  • Die eigene IP-Adresse wird dem Anbieter bekannt, wenn seine Website besucht wird. Es empfiehlt sich, den eigenen Traffic über Tor zu verschleiern. Viele Anbieter sind auch direkt über eine eigene Onion-Adresse zu erreichen.
  • Wenn möglich sollte der Betrag gestückelt werden. Angenommen sie wollen 1 BTC versenden und 20 Minuten später taucht eine Transaktion aus dem Pool des Anbieters auf, die exakt 1 BTC entspricht, dann ist es ein Leichtes Rückschlüsse zu ziehen. Viele Anbieter offerieren die Möglichkeit einen Betrag auf mehrere Empfängeradressen zu stückeln. Diese können auch dem gleichen Empfänger zugeordnet sein, vorausgesetzt er stellt mehr als eine Empfangsadresse zur Verfügung.
  • Mit dem Zeitpunkt der Transaktion verhält es sich sehr ähnlich. Angenommen Sie verschicken 1 BTC um 13:00 Uhr und der Empfänger erhält die Transaktion um 13:20 Uhr, dann ist eine Verbindung naheliegend. Viele Anbieter offerieren die Möglichkeit, entweder eine festgelegte Zeitverzögerung oder sogar eine zufällige zu nutzen. Damit verzögert sich zwar die Transaktion, aber der Zusammenhang zwischen Ein- und Auszahlung wird gelockert.
  • Sollten Sie in Kontakt mit dem Anbieter treten müssen, dann empfiehlt sich immer verschlüsselte Kommunikation, so zum Beispiel PGP. Außerdem sollten keine E-Mail Konten verwendet werden, die sich der eigenen Person zuordnenen lassen.

Allgemeine Risken von Bitcoin Mixern

Neben der Möglichkeit, die Risiken zu minimieren, gibt es auch solche, die sich nicht verringern lassen. Ein Mixer ist per Definition ein Drittanbieter und wird damit zum „Single Point of Failure“. Folgende Nachteile müssen bei der Verwendung immer hingenommen werden:

  • Der Anbieter hat im Prinzip den vollen Einblick in alle Transaktionen. Er kann sie enttarnen. Wie der Fall von Bestmixer zeigt, können somit auch Behörden Zugriff auf dieses Material bekommen, wenn sie Zugriff auf die Server erlangen.
  • Es besteht ebenfalls die Möglichkeit, dass der Anbieter bösartig ist. Sprich, er will Daten über seine Nutzer sammeln und fungiert als „Honey Pot“. Dann reicht er die Informationen ggf. heimlich an Behörden oder Nachrichtendienste weiter. Oder wird sogar direkt von diesen betrieben.
  • Der Anbieter bekommt die Bitcoins überwiesen. Daher befinden sie sich in seinem Besitz. Er kann entweder betrügen und die Beträge behalten oder er kann sie durch einen technischen Fehler verlieren.
  • Dem Wesen nach operieren die Anbieter so anonym wie möglich. Sollten Probleme entstehen, dann gibt es kaum eine Möglichkeit zur Klärung, wenn der Kundendienst nicht mitspielt.
  • Börsen oder andere Services können ggf. durch Nutzung entsprechender Analysesoftware erkennen, dass es sich um eine Transaktion aus einem Mix handelt. Sie wissen dann zwar nicht wer, wem, was geschickt hat, aber damit können beispielsweise Kontensperrungen einhergehen.

Sind Bitcoin Mixer illegal?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten und alle Angaben dazu erfolgen ohne Gewähr. Das eigentliche Durchmischen von eigenen Bitcoin-Transaktionen ist in Deutschland kein Verbrechen. Handelt es sich jedoch bei den eigenen BTC um Mittel, die im direkten Zusammenhang mit Straftaten stehen, dann kann das Mixen – je nach Ausgangssituation – eine weitere Straftat darstellen oder einen bestehenden Straftatbestand ggf. verschärfen.

Ob das der Fall ist, hängt aber auch davon ab, in welchem Land man sich befindet und wie sich der Einzelfall konkret darstellt. Davon ausgehend, dass man einfach nur seinen eigenen Datenschutz besonders ernst nimmt und die eigenen Transaktionen nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit Straftaten stehen, ist das Nutzen eines Mixers für Privatpersonen in vielen Ländern unschädlich.

Der Fall von Dropbit legt jedoch nahe, dass die US-Behörden den Betrieb eines Bitcoin Mixers als illegal ansehen können, wenn keine Lizenz vorliegt und die Kunden des Dienstes anonym bleiben. Daher schließen viele Dienste Kunden aus den USA per Geoblocking aus, weil durch ein Geschäft mit US-Verbrauchern rechtliche Komplikationen verbunden sind.

In diesem Zusammenhang sind auch die neuen Geldwäscherichtlinien erwähnenswert, die innerhalb der EU seit Januar 2020 von den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Im Zuge dieser Regulierung dürften Betreiber eines Mixers sehr wahrscheinlich gegen die neuen Gesetze verstoßen. Schließlich sammeln sie – sofern ihre Produktversprechen ehrlich sind – nicht die notwendigen Daten über ihre Nutzer und ihre Transaktionen.

Neben diesen grundsätzlichen Überlegungen schließen die meisten Anbieter einen Nutzungsvertrag mit den Kunden ab. Dieser beinhaltet die Zusage, dass der Nutzer keine illegalen Aktivitäten im Zusammenhang mit der Nutzung des Mixers verfolgt. Inwiefern eine solche Vereinbarung Bestandskraft hat, sei einmal dahingestellt. Fakt ist aber, dass die meisten Dienste zumindest ihrem Selbstbekenntnis und ihren Geschäftsbedingungen nach, keine illegalen Aktivitäten befürworten oder unterstützen. 

Warum sollte man einen Bitcoin Mixer nutzen?

Es ist nicht schwer zu erkennen, dass viele Nutzer von Mixern tatsächlich in Transaktionen verwickelt sind, die entweder gesellschaftlich oder gesetzlich geächtet sind. Aber das bedeutet nicht, dass man diese Dienste oder ihre Nutzer pauschal kriminalisieren darf. Folgende Gründe führen häufig zur Nutzung:

  • Die involvierten Parteien wollen einfach nur ihre Privatsphäre schützen. Ohne einen Hintergedanken, einfach, weil es ihr gutes Recht ist.
  • Empfänger oder Sender sind politische Dissidenten und werden in einem oder mehreren Ländern deshalb verfolgt.
  • Es handelt sich um Journalisten, die auf vertrauliche Transaktionen setzen müssen. Hier sind zum Beispiel Zahlungen an Informanten denkbar, um investigativen Journalismus zu ermöglichen.
  • Die involvierten Parteien gehören zu einer Familie, die einen Teil im Ausland unterstützen muss. Dies kann durch mangelnden Zugang zu Bankdienstleistungen oder Embargos erschwert werden.
  • Mit der Transaktion werden erotische Bilder oder Videos bezahlt, weil die jeweilige sexuelle Orientierung unter Strafe gestellt ist. Es gibt viele Länder, in denen Mitglieder der LGBQT Community nicht sicher sind.
  • Es handelt sich um Nachrichtendienste. Obgleich diese zum Teil vermutlich damit beschäftigt sind, sämtliche Kryptowährungen so gut es geht zu überwachen, profitieren solche Dienste durchaus selber davon. Bisher steht nur Nordkorea öffentlich im Verdacht, nachrichtendienstliche Aktivitäten im Zusammenhang mit Bitcoin oder anderen Kryptowährungen aufgenommen zu haben. Das schließt Dienste anderer Länder aber nicht aus.
  • Es handelt sich schlicht um illegalen Güterverkehr im Darknet oder außerhalb davon. Daher wollen die Parteien keine oder zumindest wenige Spuren hinterlassen. Eine Studie aus dem Jahr 2018 belegt, dass nur ca. 16 Prozent aller Transaktionen von Bitcoin Mixern damit im Zusammenhang stehen.

Die Beispiele zeigen, dass nicht alle Anwender illegale Absichten verfolgen. Im Gegenteil, die Mehrheit beabsichtigt keine Verbrechen.

Doch selbst dort wo Menschen dies tun, muss man sich über die naturgemäße Diskrepanz zwischen Gesetz und Moral im Klaren sein.

Sollte man seine Eltern nicht unterstützen, weil ihr Heimatland unter einem Embargo steht? Profitiert die Gesellschaft nicht von Whistleblowern, die untragbares Verhalten von Firmen und Regierungen offenlegen?

Bitcoin ist deshalb disruptiv, weil es genau diese Grenzfälle herausfordert und staatlichen Instanzen die Kontrolle entzieht. Bitcoin Mixer sind also ein weiteres Phänomen, welches immer noch eine große Herausforderung für die Gesellschaft darstellt, weil sie die Frage nach der persönlichen Selbstbestimmung neu formulieren.

Wie man einen Bitcoin Mixer benutzt

Die folgende Anleitung ist allgemein gehalten, dürfte aber auf die meisten Anbieter zutreffen. Beachten Sie neben den folgenden Schritten zur korrekten Verwendung, die bereits geschilderte Best Practice im Umgang mit Mixern.

  1. Stufe einstellen. Einige Anbieter ermöglichen es, den sogenannten Mix stärker oder schwächer einzustellen. Je stärker die Durchmischung, desto länger dauert die Transaktion. Dafür ist sie dann aber auch schwerer zu entdecken.
  2. Die Zieladresse eingeben. Geben Sie die Empfangsadresse ein. Wenn möglich sollten sie mehrere Adressen angeben und den Betrag stückeln.
  3. Notfalladresse eingeben. Sollte es zu einem technischen Fehler kommen, dann gehen die Bitcoins zurück an diese Adresse. Sie sollte nicht zuvor verwendet worden sein und man sollte selber die Private Keys zu dieser Adresse besitzen.
  4. BTC versenden. Man versendet den angeforderten Betrag an den Mixer. Hierzu erhält man in der Regel zusätzlich eine ID für die Transaktion. Notieren Sie diese für den Fall, dass es zu Problemen kommt oder die Transaktion zu einem späteren Zeitpunkt zu überprüfen.
  5. BTC wurden empfangen. Nachdem der Anbieter die Summe erhalten hat, beginnt er sie zu durchmischen.
  6. BTC werden ausgegeben. Im letzten Schritt gibt der Mixer die Summe an die Empfangsadresse/n wieder aus.

Anbieter im Überblick- Wo kann man Bitcoins und Altcoins mixen?

Die folgende Liste ist weder vollständig, noch kann die Qualität oder Seriosität der Anbieter bewertet werden. Es ist Ihre persönliche Entscheidung, ob Sie einem solchen Dienst vertrauen wollen und die Nutzung erfolgt immer auf eigene Gefahr. Das gilt für die Anbieter in unserem Guide, aber auch für alle anderen Mixer, die ihre Dienste öffentlich anbieten.

Tumbler.to

Tumbler.to bietet zusätzliche Features. Neben der Option Bitcoin ganz „gewöhnlich“ zu mixen, bietet Tumbler.to auch einen Service, der Monero involviert. Dabei werden Bitcoins in Monero getauscht und entsprechend wieder für die Auszahlung gewechselt. Auf diesem Weg soll die Transaktionskette noch zuverlässiger unterbrochen werden. Der Service bietet:

  • Unterstützung für Bitcoin
  • Kein Konto oder KYC erforderlich
  • Bietet eine Darknet-Version für zusätzliche Privatsphäre
  • Der Mindesteinzahlungsbetrag beträgt 0,1 BTC
  • Der maximale Einzahlungsbetrag beträgt 999 BTC
  • Es wird eine Bestätigung für die Einzahlung verlangt
  • Das Prozedere dauert mindestens 3 Stunden
  • Nutzt man Monero dauert es bis zu 6 Stunden
  • Die Gebühren betragen 1 – 2,5%. Der Mix mit Monero kostet 5%
  • Alle Aufzeichnungen werden gelöscht, sobald die Transaktion vollständig ist
  • Der Mix kann anhand einer ID geprüft werden
  • Kundensupport per E-Mail, Threema und Live-Chat. PGP unterstützt

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BitMix.biz

BitMix.biz ist ebenfalls direkt über den Tor Browser unter Verwendung der entsprechenden Adresse erreichbar. BitMix unterstützt neben Bitcoin auch Dash und Litecoin und extrem hohe Einzahlungsbeträge von bis zu 1000 BTC. Transaktionen lassen sich nicht mit einer ID zuordnen und überprüfen. Zu den Features gehören:

  • Unterstützt Bitcoin, Dash und Litecoin
  • Kein Konto oder KYC erforderlich
  • Bietet eine Darknet Version für zusätzliche Privatsphäre
  • Die Mindesteinzahlungsbetrag liegt jeweils bei 0,005 BTC / 0,005 DASH / 0,005 LTC
  • Der maximale Einzahlungsbetrag beträgt 1000 BTC
  • Es wird nur eine Bestätigung der eingehenden Transaktion verlangt
  • Bietet zeitverzögerte Auszahlungen
  • Die Gebühren variieren zwischen 0,4 – 4% für Bitcoin und Dash sowie 2 – 20% für Litecoin
  • Alle Aufzeichnungen werden nach zwei Tagen automatisch gelöscht
  • Kundendienst per E-Mail und Jabber erreichbar

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