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Strive kauft Bitcoin, während Strategy verkauft: Wer erbt Saylors Thron?

Bitcoin brennt
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Der Bitcoin-Markt schreibt dieser Tage Geschichte, und zwar gleich an zwei Fronten. Während der Kurs der wichtigsten Kryptowährung unter erheblichem Druck steht, vollzieht sich hinter den Kulissen ein stilles Machtvakuum im Segment der institutionellen Bitcoin-Treasuries.

Zunächst zum Marktumfeld: Bitcoin ist am 2. Juni erstmals seit April unter die Marke von 69.000 US-Dollar gesunken und erreichte ein Tagestief bei rund 68.920 US-Dollar. Im 24-Stunden-Vergleich büßte der Kurs rund vier Prozent ein. Schuld daran sind wachsende geopolitische Spannungen im Nahostkonflikt, die die Unsicherheit der Anleger erheblich antreiben. Der Crypto Fear and Greed Index fiel auf lediglich 23 Punkte, was eine ausgeprägte Angststimmung am Markt signalisiert. Bereits am 1. Juni hatte ein Kurssturz von 73.500 auf 71.500 US-Dollar eingesetzt, nachdem Berichte über US-iranische Angriffe die Märkte erreichten. Innerhalb von vier Stunden wurden gehebelte Long-Positionen im Wert von über 400 Millionen US-Dollar liquidiert.

In dieses Bild der Nervosität platzt nun eine Meldung, die für erhebliche Symbolik sorgt: Strategy, das Unternehmen, das Michael Saylor über Jahre als den kompromisslosesten Bitcoin-Akkumulator der Unternehmensgeschichte positioniert hatte, trennte sich zwischen dem 26. und 31. Mai von 32 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von 77.135 US-Dollar je Coin. Erlös: rund 2,5 Millionen US-Dollar. Es ist der erste Verkauf seit Dezember 2022. Laut SEC-Einreichung sollen die Erlöse dazu genutzt werden, Ausschüttungen auf Vorzugsaktien zu finanzieren.

Finanziell ist der Vorgang marginal. Strategy hielt Ende Mai noch über 843.700 BTC, womit der Verkauf rund 0,004 Prozent des Gesamtbestands ausmacht. Symbolisch hingegen ist er von erheblicher Tragweite. Der durchschnittliche Einstandspreis der gesamten Bitcoin-Bestände liegt bei 75.699 US-Dollar je Coin. Mit dem aktuellen Kurs unter 71.000 US-Dollar befindet sich Strategy rechnerisch im Buchverlust. Strategy verwaltet inzwischen eine komplexe Kapitalstruktur aus Wandelanleihen, Aktienemissionsprogrammen und mehreren Vorzugsaktienangeboten, und Bitcoin-Verkäufe sind innerhalb dieses Betriebsmodells nicht mehr undenkbar.

Genau in diesen Moment tritt Strive, Inc. mit einem klaren Signal auf den Plan. Laut dem heute veröffentlichten SEC-Filing hat das an der Nasdaq unter dem Ticker ASST gehandelte Unternehmen zwischen dem 23. Mai und dem 1. Juni 2.500 Bitcoin zu einem Durchschnittspreis von rund 74.092 US-Dollar erworben. Der Gesamtbestand stieg damit von 16.500 auf 19.000 BTC. Und das ist keineswegs der Endpunkt einer langen Reise, sondern allenfalls deren Mitte.

Strive verfolgt eine klare Konsolidierungsstrategie im Bitcoin-Treasury-Sektor. Nachdem Semler Scientific-Aktionäre im Januar die Übernahme durch Strive in einem reinen Aktientausch genehmigt hatten, übernahm Strive dabei 5.048 Bitcoin von Semler Scientific. Nach der Fusion und dem Rückkauf von Altschulden meldete Strive zum 12. Mai einen Bestand von 15.009 Bitcoin und keinerlei kurz- oder langfristige Verbindlichkeiten mehr. Das ist eine Bilanz, von der viele Konkurrenten im Treasury-Sektor derzeit nur träumen können.

Die strukturellen Unterschiede zu Strategy sind aufschlussreich. Während Saylors Konzern eine gigantische, fremdfinanzierte Wette auf Bitcoin fährt und nun beginnt, einzelne Coins zur Dividendenfinanzierung zu veräußern, präsentiert sich Strive als schuldenfreies, auf Akkumulation ausgerichtetes Vehikel. CEO Matt Cole hat das Modell klar formuliert: Ziel ist nicht die schiere Bestandsgröße, sondern die Steigerung des Bitcoin-Wertes je Aktie über den direkten Besitz hinaus.

Da Strategy seine Akkumulationsserie durchbricht, verengt sich die Liste der aktiven institutionellen Käufer erheblich. Das schafft Raum für Unternehmen wie Strive, die sich in einem Marktumfeld voller Angst konsequent auf der Käuferseite positionieren. Mit 19.000 BTC ist Strive freilich noch weit von Strategys 843.000 Bitcoin entfernt. Der Vergleich ist im absoluten Sinne kaum sinnvoll.

Doch darum geht es nicht. Es geht um das Narrativ. Und das Narrativ dreht sich gerade um: Wer kauft, wenn andere verkaufen? Wer bleibt standhaft, wenn der Markt in Panik verfällt und geopolitische Schocks die Liquidationen treiben? Strive setzt mit dem Filing ein unmissverständliches Zeichen. Das Unternehmen kauft nicht trotz des fallenden Kurses. Es kauft wegen ihm.

Ob Strive dauerhaft den Platz von Strategy als Leitstern der institutionellen Bitcoin-Akkumulation einnehmen kann, bleibt offen. Die Kapitalstruktur ist kleiner, die Bekanntheit geringer, die Hebelwirkung bescheidener. Doch in einem Markt, der gerade Verlässlichkeit sucht, ist die Botschaft des heutigen Kaufs in einem 68.000-Dollar-Umfeld stärker als jede Chartanalyse.

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