Strategy hat in der Woche vom 3. bis 9. August 1.690 Bitcoin verkauft und mit dem Erlös in exakt gleicher Höhe eigene Vorzugsaktien vom Markt genommen. Die 653 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf neuer Stammaktien landeten nicht in Bitcoin, sondern in der Dollarreserve. Es ist die siebte Woche in Folge ohne Zukauf, und sie zeigt deutlich, wer die Kapitalallokation inzwischen steuert.
Strategy Inc hat heute am 10. August 2026 ein Formular 8-K bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Für den Zeitraum vom 3. bis 9. August meldet das Unternehmen den Verkauf von 1.690 Bitcoin zu einem Gesamtpreis von 108,6 Millionen US-Dollar, was einem Durchschnittserlös von 64.262 US-Dollar je Coin entspricht. Der Bestand sinkt damit auf 840.447 BTC, angeschafft für 63,36 Milliarden US-Dollar oder 75.385 US-Dollar im Schnitt.
In derselben Woche verkaufte das Unternehmen 6.585.682 Stammaktien der Klasse A über sein At-the-Market-Programm und nahm dabei 653,1 Millionen US-Dollar netto ein, also rund 99,17 US-Dollar je Aktie. Davon gingen 650 Millionen US-Dollar in die sogenannte USD Reserve, lediglich 3,1 Millionen US-Dollar wanderten in die allgemeine Kasse. Über keines der vier Vorzugsprogramme wurde eine einzige Aktie platziert.
Auf der Kaufseite steht nur ein Posten. Strategy erwarb 1.152.020 STRC-Aktien für 108,6 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa 94,27 US-Dollar je Stück und damit rund 5,7 Prozent unter dem Nennwert von 100 US-Dollar. Die Fußnote im Dokument sagt offen, woher das Geld kam, nämlich aus den Bitcoin-Verkäufen. Die Dollarreserve steht damit bei 4,65 Milliarden US-Dollar nach 4,0 Milliarden eine Woche zuvor.
Die Bitcoin-Reserve hat ihren Höchststand hinter sich
Der letzte Zukauf liegt sieben Wochen zurück. In der Woche bis zum 21. Juni erwarb Strategy 520 BTC für rund 35 Millionen US-Dollar zu durchschnittlich 67.068 US-Dollar und hob den Bestand damit auf 847.363 Coins, den bisherigen Höchststand. Seither ging es ausschließlich abwärts. Zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli verkaufte das Unternehmen 3.588 BTC für etwa 216 Millionen US-Dollar, in der Woche vom 27. Juli bis 2. August folgten 1.638 BTC für 104,73 Millionen, nun kommen 1.690 BTC hinzu. Zusammen sind das 6.916 Coins für rund 429 Millionen US-Dollar, ein Rückgang von 0,8 Prozent gegenüber dem Höchststand.
Für die Größenordnung in der Strategy operiert ist das wenig. Für die Richtung, in die es jetzt geht, ist es jedoch viel. Bei einem Bitcoin-Kurs um 64.100 US-Dollar sitzt Strategy auf einem Buchverlust von etwa 9,4 Milliarden US-Dollar, jeder Verkauf realisiert also einen Teil dieses Verlusts. Im zweiten Quartal wies das Unternehmen einen Nettoverlust von 8,22 Milliarden US-Dollar aus, umgerechnet 24,45 US-Dollar je verwässerte Aktie, getrieben von 8,32 Milliarden unrealisierten Abschreibungen auf digitale Vermögenswerte. Die hauseigenen Kennzahlen BTC Yield und BTC Gain sind im laufenden Quartal ins Negative gedreht.
Ein Detail verdient zusätzlich Beachtung. Der durchschnittliche Anschaffungspreis fiel von 75.419 auf 75.385 US-Dollar. Rechnerisch bedeutet das, dass die verkauften Coins deutlich teurer eingekauft worden waren als der Durchschnitt, grob geschätzt im Bereich von 90.000 US-Dollar. Das ist die Signatur einer Verkaufslogik, die zuerst die teuersten Bestände abgibt, um steuerlich verwertbare Verluste zu maximieren und die Kostenbasis des Restbestands zu senken. Bestätigt hat Strategy diese Lesart nicht, sie ergibt sich aus den veröffentlichten Zahlen.
STRC bestimmt inzwischen die Tagesordnung
Der Hebel hinter allem ist die Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock, kurz STRC. Das Papier startete im Juli 2025 mit einer Ausschüttung von 9,00 Prozent und wurde in sieben aufeinanderfolgenden Schritten auf 12,00 Prozent angehoben, gültig seit dem 1. Juli 2026. Rund 104,6 Millionen Stück waren Ende Juli im Umlauf, ein Nennwert von etwa 10,46 Milliarden US-Dollar. Bei 12 Prozent kostet das rund 1,26 Milliarden US-Dollar im Jahr, ausgezahlt zweimal monatlich in Bargeld. Der gesamte Vorzugsstapel summiert sich auf etwa 15,4 Milliarden US-Dollar, dazu kommen rund 6,7 Milliarden US-Dollar Wandelanleihen. Die Dividenden- und Zinslast liegt bei etwa 1,76 Milliarden US-Dollar pro Jahr, der Softwareumsatz von 122,4 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal deckt davon einen Bruchteil.
Der Kurs von STRC ist glasklar der Auslöser für die Entscheidungen. Ende Juni fiel das Papier auf etwa 71 US-Dollar, als Bitcoin unter 60.000 US-Dollar rutschte. Am 31. Juli schloss es bei 89,46 US-Dollar, inzwischen notiert es bei rund 94 US-Dollar und damit über 30 Prozent über dem Juni-Tief. Genau dieser Abstand zum Nennwert erklärt die Rückkäufe. Vorstandschef Phong Le hat die Logik im Juli offengelegt und Rückkäufe unter 100 US-Dollar als attraktive Kapitalverwendung bezeichnet, weil sie künftige Dividendenpflichten mit Abschlag reduzieren. Seit Programmstart hat Strategy rund 215 Millionen US-Dollar für etwa 2,35 Millionen STRC-Aktien ausgegeben und damit rund 28 Millionen US-Dollar künftiger Jahresdividenden dauerhaft eliminiert. Vom Rahmen des Digital Credit Securities Repurchase Program sind noch 785,2 Millionen US-Dollar frei, beim Stammaktienrückkauf liegen unangetastete 1,0 Milliarden US-Dollar.
Der zweite Grund für die Eile liegt im Dividendenmechanismus. Der Satz kann laut Prospekt nur langsam sinken, maximal 25 Basispunkte je Periode plus die Veränderung des Einmonats-SOFR, und Berichten zufolge greift eine Anhebung um 0,5 Prozentpunkte, sobald STRC unter 95 US-Dollar handelt. Das Management hat zudem erklärt, dem Aufsichtsrat keine Senkung vorzuschlagen, solange STRC nicht nachhaltig in der Nähe von 100 US-Dollar handelt. Jede Woche unter par verteuert also potenziell die Verbindlichkeit, und zwar unumkehrbar. Rückkäufe sind der schnellere und billigere Weg als eine weitere Zinsstufe.
Warum das Geld aus Stammaktien und nicht aus Vorzügen kommt
Hier schließt sich der Kreis. Strategy hat sich selbst verpflichtet, keine neuen STRC-Aktien unter 100 US-Dollar auszugeben. Formal stehen 17,51 Milliarden US-Dollar STRC-Kapazität bereit, faktisch ist dieser Hahn zugedreht, solange der Kurs unter par liegt. Dasselbe gilt sinngemäß für die anderen Vorzüge, deren Programme seit Wochen ohne Umsatz gemeldet werden. Bleibt die Stammaktie – sie ist momentan billig – bei einem Kurs um 100 US-Dollar und rund 350 Millionen Aktien, dann liegt die Marktkapitalisierung bei etwa 35 Milliarden US-Dollar gegenüber einem Bitcoin-Bestand von 54,0 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem einfachen mNAV von etwa 0,65.
Strategy selbst hat sein mNAV-Modell Ende Juli überarbeitet und weist nach neuer Methodik einen Wert von 1,07 aus, wobei die Ausgabeschwelle für neue Aktien bei 1,00 bleibt. Der Unterschied erklärt sich durch die Perspektive. Rechnet man die Wandelanleihen und das Vorzugskapital als vorrangige Ansprüche in den Unternehmenswert ein und stellt Bitcoin plus Dollarreserve gegenüber, landet man in der Nähe der Parität. Betrachtet man hingegen nur, wie viel Bitcoin je Stammaktie übrig bleibt, notiert MSTR mit deutlichem Abschlag. Beide Rechnungen sind nachvollziehbar, und die Differenz ist der Kern des Streits zwischen Unternehmen und Kritikern. Wer die zweite Sicht teilt, sieht in der Emission von 6,6 Millionen Aktien zur Finanzierung von Dollarreserven eine Verwässerung der Bitcoin-Position je Aktie, die den Vorzugsaktionären zugutekommt.
Aus dem Turbo-Käufer wird ein Bilanzverwalter
Im ersten Halbjahr war Strategy noch massiver Nettokäufer. Der Bestand stieg von 673.783 BTC Anfang Januar auf über 847.000 im Juni, das Unternehmen verweist auf einen BTC Gain von 29.997 Coins und eine BTC Yield von 4,5 Prozent im Jahresverlauf. Im Juni kippte das Modell. Mit dem Digital Credit Capital Framework vom 29. Juni schuf der Aufsichtsrat fünf Bausteine, eine Reserverichtlinie in Dollar, eine überarbeitete STRC-Dividendenpolitik, ein Rückkaufprogramm für digitale Kreditpapiere, ein Rückkaufprogramm für Stammaktien und das BTC Monetization Program.
Michael Saylor hat der Deutung widersprochen, das sei eine Kapitulation. Er stellte klar, dass das Programm keine Verkäufe erzwingt, dass es bereits am 29. Juni und nicht erst nach dem Quartalsverlust beschlossen wurde und dass Strategy über die Zeit Nettokäufer bleiben werde. Eine Politik des grundsätzlichen Nichtverkaufens habe es nie gegeben. Aus der Praxis der vergangenen sieben Wochen liest sich das anders. Der Rahmen erlaubt Verkäufe bis zu 5 Milliarden US-Dollar, davon 1,25 Milliarden gezielt für den Aufbau der Dollarreserve, und genutzt sind davon bisher rund 429 Millionen.
Analysten bleiben mehrheitlich positiv, senken aber die Kursziele. Clear Street reduzierte nach den Quartalszahlen auf 201 US-Dollar von 240 und behielt die Kaufempfehlung, Barclays ging auf 125 von 130 US-Dollar bei unveränderter Übergewichtung. Kritiker halten dagegen, dass die Stützung von STRC in Richtung Nennwert die Kosten den Stammaktionären aufbürdet.
Was zukünftig für Strategy entscheidend ist
Die entscheidende Variable ist der STRC-Kurs. Nähert er sich 100 US-Dollar, kann Strategy die Rückkäufe zurückfahren, den Dividendensatz irgendwann senken und das Vorzugsprogramm wieder öffnen. Damit wäre der Bitcoin-Verkaufsdruck weg. Verharrt STRC unter par oder fällt Bitcoin erneut deutlich, dreht sich die Schleife weiter, Coins raus, Vorzüge rein, Stammaktien als Lückenfüller. Auf dem Weg dorthin lohnt der Blick auf drei Zahlen in jeder Montagsmeldung, den STRC-Rückkaufpreis als Näherung für den Marktkurs, die Höhe der Dollarreserve, die bei einer Jahreslast von etwa 1,76 Milliarden US-Dollar derzeit rund 32 Monate abdeckt, und die Zeile für Zukäufe, die seit sieben Wochen leer ist. Das Unternehmen hat im Quartalscall daran erinnert, dass STRC nach dem Börsenstart 70 Handelstage brauchte, um von 90 US-Dollar den Nennwert zu erreichen. Ob sich das wiederholt, entscheidet sich in den kommenden Wochen, und mit ihm die Frage, ob der Bitcoin-Bestand von 840.447 Coins der neue Boden oder nur eine Zwischenstation nach unten ist.

