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Jack Mallers tritt als CEO von Twenty One zurück und setzt künftig ganz auf Strike

Jack Mallers
Mallers im Jahr 2025 | Bildquelle: Gage Skidmore via Flickr.com ( CC BY-SA 2.0)

Jack Mallers gibt den Chefposten bei der Bitcoin-Treasury-Firma Twenty One Capital ab und will sich vollständig auf sein Zahlungsunternehmen Strike konzentrieren. Mit dem Rücktritt platzt zugleich die von Tether geplante Dreier-Fusion aus Twenty One, Strike und dem Bitcoin-Miner Elektron Energy. Neuer CEO wird der Elektron-Gründer und bisheriges Verwaltungsratmitglied Raphael Zagury, der das Unternehmen von einer reinen Bitcoin-Treasury zu einem operativ geführten Betrieb umbauen will.

Die Übergabe soll laut einer Pressemitteilung des Unternehmens geordnet über die Bühne gehen. Zusammen mit dem Führungswechsel bestätigten die Beteiligten, dass die Ende April 2026 vorgestellte Fusion nicht weiterverfolgt wird. Ursprünglich sollten Twenty One, Strike und Elektron Energy zu einer einzigen, auf Bitcoin ausgerichteten Plattform verschmelzen. Mallers war als Chef des kombinierten Unternehmens vorgesehen, Zagury als Präsident. Nun bleibt Strike eigenständig und ist aus dem Zusammenschluss ausgeschieden.

„Ich bin allen bei XXI dankbar und allen, die an das Aufgebaute geglaubt haben. Bitcoinern zu dienen war immer die Mission, und daran ändert sich nichts. Bei Strike führe ich sie weiter“, erklärte Mallers zu seinem Abschied. Tether-Chef Paolo Ardoino, zugleich Mitglied im Verwaltungsrat von Twenty One, dankte Mallers für dessen Rolle bei der Gründung und beim Börsengang im Dezember 2025.

Warum der Rücktritt in eine schwierige Phase fällt

Der Wechsel trifft Twenty One in einer angespannten Marktlage. Am Dienstag brach die XXI-Aktie im frühen Handel um bis zu rund 18 Prozent ein und markierte mit 4,46 US-Dollar ein Rekordtief, nach einem Schlusskurs von 5,32 US-Dollar am Montag. Damit notiert das Papier rund 92 Prozent unter seinem Allzeithoch von knapp 60 US-Dollar, das im Mai 2025 noch in der SPAC-Phase über den Vorgänger Cantor Equity Partners erreicht wurde, und hat allein seit Jahresbeginn annähernd die Hälfte seines Werts eingebüßt. Auch der Bitcoin-Kurs bleibt mit rund 66.000 US-Dollar deutlich unter dem Vorjahresniveau.

Die offizielle Mitteilung ließ offen, warum die große Fusion scheiterte. Mallers‘ Hinweis auf die Differenzen mit dem Vorstand liefert dafür zumindest einen Anhaltspunkt. Der zugleich angekündigte Kurswechsel weg vom bloßen Anhäufen von Bitcoin hin zu operativen Erträgen lässt sich als Reaktion darauf lesen, wie hart der Markt reine Treasury-Vehikel in der aktuellen Schwächephase abstraft.

Welche Zukunft Mallers mit Strike anstrebt

Mallers kehrt zu dem Projekt zurück, das er als sein Lebenswerk bezeichnet. Strike verbindet Bitcoin-Zahlungen über das Lightning-Netzwerk mit Handel und Finanzdienstleistungen. Auf der Bitcoin-2026-Konferenz Ende April hatte Mallers das Kreditgeschäft deutlich ausgebaut. Dazu zählen eine Kreditlinie über 2,1 Milliarden US-Dollar, ein gemeinsam mit Tether entwickeltes Darlehen, das gegen eine Gebühr das Risiko von Zwangsliquidationen ausschließt, eine maximale Beleihungsquote von 50 Prozent sowie ein Nachweisverfahren für hinterlegte Sicherheiten mit vierteljährlichen Prüfungen. Die Zinssätze reichen von rund 10,5 Prozent bei kleinen Krediten bis etwa 7,49 Prozent bei sehr großen Volumina.

Regulatorisch hat sich Strike zuletzt Spielraum verschafft. Im März 2026 erhielt das Unternehmen in New York eine BitLicense samt Zahlungsdienstlizenz und darf dort nun Bitcoin kaufen und verkaufen, Gehälter in Bitcoin umwandeln und Rechnungen aus Bitcoin-Guthaben begleichen. Mallers wirbt seit Langem dafür, aus Strike keine reine Zahlungs-App, sondern ein vollwertiges Bitcoin-Unternehmen mit den Standbeinen Finanzdienstleistungen, Mining-Infrastruktur, Kapitalmarkt und Übernahmen zu formen. Sein wiederkehrendes Motto lautet „Fix the money, fix the world“.

Als eigenständiges Unternehmen behält Strike die Nähe zu Tether über die Kreditlinie, entgeht aber der Einbindung in ein angeschlagenes börsennotiertes Treasury-Vehikel. Ob das Kreditmodell einen tiefen Bärenmarkt unbeschadet übersteht, bleibt nach Einschätzung von Beobachtern die zentrale offene Frage, zumal der Sektor mit den Pleiten von BlockFi, Celsius und Genesis im Jahr 2022 eine schwere Krise hinter sich hat.

Was Twenty One unter Zagury bevorsteht

Zagury bringt einen anderen Hintergrund mit als der Bitcoin-Aktivist Mallers. Er gründete und leitet Elektron Energy, einen der größten privaten Bitcoin-Miner mit rund 50 Exahash pro Sekunde und damit etwa fünf Prozent der weltweiten Rechenleistung. Zuvor arbeitete er bei Goldman Sachs, der Deutschen Bank und Merrill Lynch und war Mitgründer des brasilianischen Fintech-Kreditgebers OpenCo. Im Verwaltungsrat von Twenty One saß er bereits.

Unter seiner Führung soll sich das Unternehmen neu ausrichten. Statt vor allem die Bitcoin-Menge je Aktie über Kapitalmarkt-Hebel zu steigern, ein Ansatz, der stark an das Vorbild von Michael Saylors Strategy erinnert, will Zagury den Fokus auf Cashflow und disziplinierte Kapitalverwendung legen. Twenty One soll profitable operative Geschäfte aufbauen und zukaufen, orientiert an einem langfristigen Beteiligungsmodell nach dem Muster von Berkshire Hathaway. Geplant sind zudem der Ausbau von Bitcoin-nahen Finanzdienstleistungen, Kreditangeboten, Kapitalmarktprodukten und Bildungsformaten. Details will das Unternehmen in den kommenden Monaten nennen.

„Twenty One hält eine der größten Bitcoin-Bilanzen an den öffentlichen Märkten“, sagte Zagury. Seine Aufgabe sei es, um diese Bilanz herum ein operatives Unternehmen mit institutioneller Disziplin und Governance zu bauen. Eine mögliche Zwei-Wege-Fusion von Twenty One mit Elektron steht weiter im Raum, gilt aber als frühes Sondierungsstadium ohne Zusage. Weil Tether an beiden Seiten die Mehrheit hält, müsste ein solcher Zusammenschluss als Geschäft unter nahestehenden Parteien besonders geprüft werden.

Reaktionen zwischen Zuspruch und Skepsis

Aus dem Umfeld von Twenty One kam Zuspruch. Ardoino würdigte, dass Mallers seine Überzeugung von Bitcoin in ein börsennotiertes Unternehmen überführt habe. In Teilen der Bitcoin-Community wurde die Rückbesinnung auf Strike Branchenmedien zufolge positiv aufgenommen, weil Mallers damit zu seiner eigentlichen Stärke im Produktgeschäft zurückkehrt.

Skeptischer fällt der Blick auf Zahlen und Timing aus. Die groß angelegte Vision eines Bitcoin-nativen Konzerns hielt weniger als drei Monate, der Aktienkurs notiert nahe seinen Tiefstständen, und der Schwenk auf ein Berkshire-ähnliches Modell wirkt auf viele Marktteilnehmer defensiv. Dass die Gründe für das Platzen der großen Fusion offenblieben, nährt zusätzliche Fragen zur Strategie hinter den Tether-Beteiligungen.

Anleger sollten vor allem drei Punkte im Auge behalten. Erstens, ob und in welcher Form die Zwei-Wege-Fusion von Twenty One und Elektron zustande kommt und wie die Prüfung als Geschäft unter nahestehenden Parteien ausfällt. Zweitens, wie Investoren auf Zagurys Schwenk zu Cashflow und operativer Substanz reagieren, sobald das Unternehmen in den nächsten Monaten Details vorlegt. Und drittens, welche Schritte Mallers mit dem nun eigenständigen Strike geht, besonders beim Ausbau des Kreditgeschäfts.

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