Kommentar

SEC startet Offensive: Werden Kryptowährungen überleben?

Stürmische See
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Die SEC schießt aus allen Rohren und verklagte sämtliche Branchengrößen. Im Fall von Binance ist das vielleicht sogar bitter nötig, denn wie bereits die Anschuldigungen der CFTC erkennen ließen, mangelt es dem Unternehmen vielleicht an ethischen Werten. Sollte es stimmen, dass die Hamas Binance-Konten zum Kauf von Waffen missbraucht hat und man intern davon wusste, so kann sich das Unternehmen nicht hinter der Neutralität von Blockchain-Technologie verstecken.

Dass der CEO nicht müde wird von bösartigen Gerüchten zu sprechen, wenn eine neue Hiobsbotschaft eintrudelt, zeigt überdeutlich, dass Binance schon lange kein Interesse mehr an einem ehrlichen Dialog hat. Stattdessen sammelt man jene hinter sich, die schon immer geglaubt haben, dass der Staat nur Böses will und kanadische Milliardäre mit chinesischen Wurzeln dem Guten verpflichtet sind.   

Binance hat es verpasst, die rechtliche Grauzone zu verlassen und bekommt dafür jetzt die Quittung. Die Klage der SEC ist jedoch nur ein Puzzlestück in einem Plan, der darauf abzielt, die Branche zu vernichten oder wenigstens lahmzulegen.

Coinbase war immer brav

Krypto-Jünger wussten schon immer, dass Coinbase alle Nutzer gründlich filzt und sämtliche Nutzerdaten bereitwillig mit jeder Behörde teilt, die in der Lage ist, eine E-Mail zu versenden. Weil dann auch noch die Gebühren auf der Plattform relativ hoch sind, meiden viele erfahrene Anleger Coinbase. Doch wofür sprechen diese Punkte?

Coinbase hatte schon immer eine hohe bis hervorragende Compliance. Egal, welches Spiel Marktaufsichtsbehörden oder Steuer- und Strafverfolgungsbehörden spielen wollten, Coinbase schloss sich ihnen stets an. Ein drastischer Unterschied zu Binance und trotzdem knallt es gewaltig zwischen der SEC und dem US-Unternehmen.

Die SEC bedroht die Existenz der Unternehmen

Coinbase setzt sich genau wie Ripple nicht zur Wehr, weil man an den großen Traum dezentraler Finanzapplikationen glaubt, sondern weil die SEC ihr Geschäftsmodell vernichten will. Die Alternative zum Widerstand wäre eine Einigung, welche eine Strafzahlung beinhalten würde und das Abstellen aller Mängel.

Kraken hat das bereits getan, wurde aber nur wegen seines Staking-Service belangt. Damit ist die Börse also keinesfalls in Sicherheit. Die Kernforderung der SEC an Coinbase und Binance liegt aber darin, ihren Betrieb als Börsen einzustellen, weil man nicht den Anforderungen der US-Wertpapiergesetze aus den 30er-Jahren entspricht. Bittrex hat die Zeichen der Zeit erkannt und genau das bereits getan. Das US-Geschäft wurde geschlossen und Bittrex Global nimmt mit Sitz in Liechtenstein in Anspruch, niemals US-Kunden bedient zu haben. Weil die US-Sparte von Bittrex noch obendrein insolvent ist, gönnt man allen Behörden, darunter auch der SEC, den sprichwörtlichen Griff ins Klo. Selbst wenn man verlieren sollte, ist dort nichts mehr zu holen.

Die Branche muss zusammenhalten

Es ist ein großes Manko, dass insbesondere in der Bitcoin-Szene viele der Meinung sind, dass es gut wäre, wenn die SEC gegen Token und „Shitcoins“ vorgeht. Was diese Stimmen jedoch übersehen, ist, dass Unternehmen wie Coinbase einen riesigen Anteil daran haben, wo Bitcoin heute steht. Es reicht nicht aus, ein dezentrales und besseres Geld zu haben, man muss es auch unter die Menschen bringen und darin sind diese Börsen verdammt gut.

Wer jetzt Beifall klatscht und sich darin bestätigt sieht, dass sämtliche Altcoins Wertpapiere sind, die verboten gehören, übersieht, dass es gar nicht darum geht.

Wenn Unternehmen wie Coinbase effektiv aus dem US-Markt verschwinden, dann ist keine Quelle für Liquidität mehr vorhanden. Wir reden hier nicht nur von Max Mustermann, der 0,001 BTC kaufen möchte, sondern auch von institutionellen Investoren. Selbst Michael Saylor hat seinen Einstieg für MicroStrategy über Coinbase gefunden. Das ist keine Attacke gegen windige Schwindler, obgleich es Ausnahmen geben mag, sondern ein Schlag gegen die Infrastruktur des Marktes. Rechnet man dann noch hinzu, dass digitales Zentralbankgeld in absehbarer Zeit Realität werden wird, dann gibt es nur noch zwei Lager.

Entweder man positioniert sich auf Seiten der totalen staatlichen Finanzkontrolle und der vollständigen Durchdringung des wirtschaftlichen Lebens eines jeden Bürgers oder man legt Wert auf Freiheit und Selbstbestimmung.

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