Vor wenigen Stunden wurde bekannt, dass die Harmony-Blockchain einen schwerwiegenden Exploit erlitten hat. Nach bisherigen Erkenntnissen gelang es einem Angreifer, insgesamt 4 Milliarden ONE-Token zu emittieren, was ungefähr 26 % des Supplies des Tokens entspricht.
Wie es dem Angreifer gelang, eine solch horrende Summe aus dem Nichts zu erschaffen, ist noch nicht abschließend geklärt. Rund 97 % der Token landeten binnen weniger Minuten auf Börsen und wurden dort mutmaßlich verkauft. Infolgedessen kollabierte der Preis für den ONE-Token und fiel initial um 49 Prozent. Zwischenzeitlich erfolgte eine Korrektur. Trotz dieser Gegenbewegung notiert ONE mit einem Minus von 38 Prozent gegenüber dem heutigen Eröffnungskurs.
Die Macher der Layer-1-Lösung haben damit begonnen, einen Patch auszurollen, der verhindern soll, dass weitere Token emittiert werden können. Gleichzeitig wurde die Bridge geschlossen. Zudem gab das Team die Adressen des Angreifers öffentlich bekannt und versucht in Kooperation mit Börsen, die Mittel einzufrieren. Ob dies aufgrund der Geschwindigkeit des Angriffs noch gelingen kann, ist jedoch fraglich.
Blockchain-Analysten bleiben untätig
Forensiker-Ikone Zachery Wolk beeilte sich direkt mit einem Statement, verweigerte in der schwierigen Situation seine Hilfe und rief auch andere Analysten dazu auf, keinen kostenlosen Beistand zu leisten. Sein Vorwurf: Harmony erlitt im Jahr 2022 bereits einen Exploit seiner Bridge. Damals hätten die Entwickler zwar die Hilfe Freiwilliger angenommen, aber danach keine Belohnung ausgezahlt.
Die Hilfe von Blockchain-Forensikern ist in solchen Fällen jedoch unerlässlich. Krypto-Börsen frieren Mittel nicht auf Zuruf von jedermann ein, sondern in der Regel, wenn Behörden einschreiten. Um die Strafverfolger jedoch davon zu überzeugen, dass ein Eingriff rechtmäßig ist, braucht man eingehende Analysen, um zu belegen, dass die Mittel unrechtmäßig erworben wurden. Geschieht dies nicht schnell genug, dann stehen die Chancen für die Täter nicht schlecht, mit einem Großteil ihrer Beute zu entkommen. Typischerweise werden die Token gegen andere Assets wie Ethereum verkauft, um danach über Mixer wie Tornado Cash weitergeleitet zu werden.
Eine Erholung von Harmony ist mehr als fraglich
Für Harmony war bereits der Exploit im Jahr 2022 ein herber Schlag. Damals gingen umgerechnet 100 Millionen Dollar verloren. Vom Nennwert her ist der aktuelle Vorfall deutlich geringer angesiedelt, könnte aber die Wirkung eines KO-Schlags entwickeln. Denn seit Mai 2025 verlor der ONE-Token bereits 92 Prozent an Wert.
Mit den Folgen des Hacks steht das Projekt jetzt bei 95 Prozent Kursverlust, und es ist mehr als fraglich, ob ein Layer 1 zurückkommen kann, der zweimal durch Exploits Geld verliert und in all den Jahren keine nennenswerte Nutzerbasis binden konnte.

