Börsen

BitMEX schwenkt auf KYC: Der Anfang vom Ende?

BitMEX KYC
© Michaela Richter, Bitcoin Kurier

Lesedauer für den Artikel: 3 Minuten

Kompakt:

  • Im Zuge der internationalen Regulierungen will BitMEX ein KYC-Verfahren einführen.
  • Die Börse trotzte bisher allen Versuchen, sich anpassen zu müssen.
  • Dies war auch durch die eher exotische Wahl des Firmenstandortes bedingt.

Die Seychellen sind nicht besonders groß, haben aber eine für Urlauber besonders günstige Lage. Auch die Firma, die hinter der Bitcoin-Börse BitMEX steht, hat ihren offiziellen Sitz auf dem ostafrikanischen Archipel von insgesamt 115 Inseln.

Lange Zeit war diese Lage für die „HDR Global Trading“ ein wirksamer Schutz gegen jedwede Bemühung die Börse zu regulieren oder anderweitig haftbar zu machen. Bei den Kunden kam das sehr gut an. Ein VPN genügte und schon konnten auch Kunden mitmischen, die eigentlich laut AGB ausgeschlossen wurden.

Doch nun muss sich einer der größten Anbieter beugen und kann dem internationalen Druck nichtmehr standhalten. Die Kunden bekommen insgesamt 6 Monate Vorlaufzeit, um sich zu verifizieren.

Stichtag wird der 21.02.2021 sein, dann müssen alle Kunden das Verfahren durchlaufen haben. Das neue Programm wird am 28. August starten.

Anzeige

BitMEX will seine Kunden kennenlernen

Unter den englischen Sammelbegriff „Know Your Customer“ (KYC) fallen alle Verfahren und Maßnahmen, die einen Kunden und seinen Geldfluss wirksam identifizieren. Standardmäßig weist man also seine Identität und den eigenen Wohnsitz nach.

Bei BitMEX soll dies u. a. durch Passkopien, Selfies und einem Statement über die Herkunft der eigenen Mittel erreicht werden.

Hin und wieder schlagen aber auch diverse interne Maßnahmen bei Börsen an und so ist in anderen Fällen gut dokumentiert, dass Börsen und Broker durchaus Anfragen stellen können, um zu ermitteln, woher der Kunde denn sein Geld tatsächlich hat.

Das kann sogar soweit gehen, dass man einzelne Transaktionen auf der Blockchain kommentieren und das rechtmäßige Eigentum beweisen soll. Dies ging zumindest aus diversen Hilfegesuchen auf Social Media hervor, die von Kunden anderer Unternehmen in der Vergangenheit gestellt wurden.

Krypto-Derivate sind beliebt

Auch wenn BitMEX seine Plattform nicht immer den Kundenwüschen angepasst hat, so bietet der Anbieter für Derivate eine hohe Stabilität. Bisher gab es keine Einbrüche oder Verluste, die andere Börsen geplagt haben.

Die Konkurrenz hat derweil gut lachen, denn ByBit, DeriBit, Binance und FTX machen ein KYC-Verfahren nicht zur Pflicht, sondern ggf. optional, um die Limits zu erhöhen. Nun steht zur Debatte, ob BitMEX noch attraktiv bleiben kann oder die Konkurrenz früher oder später nachziehen muss.

Da mit DeFi ein Sektor entstanden ist, der Spekulationsgeschäfte ermöglicht, die keinerlei Verifizierung brauchen, könnte die fortlaufende Regulierung der Branche Trader immer mehr in diese Richtung drängen.