Türkische Sicherheitskräfte haben Richard Heart nach übereinstimmenden Medienberichten in Istanbul gefasst. Der Gründer von HEX, PulseChain und PulseX wurde per Red Notice von Interpol gesucht, ausgelöst durch Ermittlungen in Finnland. Eine offizielle Bestätigung der Behörden steht noch aus.
Bei einer Razzia im Morgengrauen des 14. Oktober 2026 nahm die Istanbuler Polizei den 47-Jährigen in einer Luxusresidenz im Stadtteil Beşiktaş in Gewahrsam. Das berichten unter anderem Sözcü, Daily Sabah und Euronews Türkçe. Aufgespürt hat Heart, der bürgerlich Richard James Schueler heißt, demnach der Geheimdienst MİT. Den Zugriff koordinierte die Generalstaatsanwaltschaft Istanbul. Gesucht wurde der US-Bürger per Red Notice, die Interpol im Dezember 2024 auf Ersuchen Finnlands ausgestellt hatte. Türkische Medien nennen ihn „Balina James“, also Wal James.
Was über die Festnahme von Richard Heart bekannt ist
Die Nachrichtenagentur İHA berichtet, die Polizei habe die Adresse mit Unterstützung des MİT zuvor technisch und physisch überwacht. Laut der Zeitung Sabah sollen Cyberanalysten des MİT verdächtige Wallet-Transfers bis zu einer Istanbuler IP-Adresse zurückverfolgt haben. Mit Heart wurde auch seine Ehefrau festgenommen, die in den Berichten als A.K. geführt wird.
Bei den sichergestellten Gegenständen gehen die Angaben auseinander. Sözcü meldet unter Berufung auf den Sender TV100 rund 4 Millionen US-Dollar in bar und 64 Luxusuhren, laut Haberler 53 Rolex und 11 Patek Philippe. Euronews Türkçe nennt mit Verweis auf Ekonomim dagegen 600.000 US-Dollar, 2.600 Euro, 50.000 Lira und 24 Uhren. Mehrere Berichte nennen zudem Schusswaffen und Munition, Schmuck, Rechner, Grafikkarten und weitere Elektronik.
Unbestätigt bleibt die Darstellung türkischer Medien, Heart habe von Istanbul aus ein Betrugsnetzwerk mit Büros in den USA, Finnland und Spanien gesteuert. Öffentliche Stellungnahmen türkischer oder finnischer Behörden liegen bislang nicht vor.
Warum Finnland nach dem HEX-Gründer fahndet
Hinter der Red Notice stehen finnische Ermittlungen wegen schwerer Steuerhinterziehung und Körperverletzung. Heart soll 2021 einen 16-Jährigen angegriffen haben. Wir hatten im Dezember 2024 berichtet, dass der HEX-Gründer von Interpol gesucht wird.
Im Januar 2025 meldete die finnische Polizei, sie habe in Espoo rund 20 Luxusuhren im Wert von etwa 2,6 Millionen US-Dollar sichergestellt, die Heart gehören sollen. Zudem seien Millionen Euro auf einem finnischen Bankkonto beschlagnahmt und Kryptowerte bei einem ausländischen Anbieter eingefroren worden.
Kriminalinspektor Harri Saaristola, der die Ermittlungen leitete, erklärte damals, Heart habe mit den in seinen YouTube-Streams gezeigten Uhren den Eindruck von Reichtum erzeugen wollen. „Das Ziel war möglicherweise, Investoren davon zu überzeugen, dass auch sie reich werden könnten“, sagte er laut Polizeimitteilung.
Türkische Berichte überzeichnen die SEC-Vorwürfe
Mehrere türkische Medien schreiben, die US-Börsenaufsicht SEC werfe Heart die Veruntreuung von 1,5 Milliarden US-Dollar vor. Das trifft so nicht zu. In ihrer Klage vom Juli 2023 warf die SEC Heart vor, über HEX, PulseChain und PulseX mit nicht registrierten Wertpapierangeboten mehr als 1 Milliarde US-Dollar eingesammelt zu haben. Den Betrugsvorwurf bezifferte sie auf mindestens 12 Millionen US-Dollar, die unter anderem in Sportwagen, Uhren und den 555-karätigen schwarzen Diamanten „The Enigma“ geflossen sein sollen.
Im Februar 2025 wies US-Bundesrichterin Carol Bagley Amon die Klage ab, weil die SEC keinen ausreichenden Bezug zu den USA belegt habe. In der Sache entschied das Gericht nicht.
Was die Festnahme für HEX und PulseChain bedeutet
Technisch dürfte die Festnahme wenig ändern, denn der HEX-Contract und die PulseChain laufen unabhängig von ihrem Gründer. Heart war aber stets Gesicht und wichtigster Vermarkter der Projekte, der zur Schau gestellte Luxus gehörte zum Narrativ beider Kryptos. Kritiker vergleichen HEX seit dem Start mit einem Schneeballsystem, Anhänger feierten 2025 den Sieg gegen die SEC.
Die Nachricht dürfte das Vertrauen der Community deshalb erneut auf die Probe stellen. Zunächst entscheidet die türkische Justiz über den weiteren Gewahrsam, die Auswertung der Datenträger läuft laut den Berichten. Für eine Überstellung nach Finnland braucht es ein förmliches Auslieferungsverfahren, über das türkische Behörden noch befinden müssten. Ob und wann Heart ausgeliefert wird, ist offen, ebenso, ob die Türkei etwa wegen der angeblichen Waffenfunde ein eigenes Verfahren anstrebt.

