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Liquid-Hack: Blockstream lehnt Forderung der Angreifer nach 598 BTC ab

Blockstream
Bildquelle: © Timon - stock.adobe.com

Fünf Tage nach dem Hack des Liquid-Networks liegen rund 598,5 Bitcoin weiterhin unbewegt auf einer Adresse der Angreifer. Blockstream lehnt die geforderte Prämie von zehn Prozent öffentlich ab und kündigt an, mit Strafverfolgung, Börsen und Blockchain-Forensikern nachzusetzen. Die Sidechain produziert seit Donnerstag wieder Blöcke, die Peg-outs bleiben abgeschaltet.

Blockstream hat am Freitag, dem 11. September 2026, über seinen offiziellen X-Account erklärt, für die Rückgabe der restlichen Bitcoin aus dem Angriff auf das Liquid Network kein Geld zu zahlen. Es geht um rund 598,5 BTC, beim aktuellen Kurs etwa 46 Millionen US-Dollar. Die Täter hatten am 6. September knapp 4.000 BTC aus der Federation-Wallet der Sidechain abgezogen, den Großteil einen Tag später zurückgegeben und den Rest als selbsternannte Bug-Bounty einbehalten. Blockstream bezeichnet dieses Vorgehen als Diebstahl und schließt eine Zahlung aus.

Was beim Liquid-Network-Hack am 6. September passiert ist

Der Angriff begann am Sonntag in Liquid-Block 4.050.336. Eine Schwachstelle in Elements, der Bitcoin-Fork-Software, auf der die Sidechain läuft, erlaubte es, rund 4.000 L-BTC ohne Deckung zu erzeugen. Ursache war laut dem Incident-Report vom 8. September ein Fehler im Caching der Range-Proof-Prüfungen. Range Proofs sind die kryptografischen Nachweise, mit denen Liquid vertrauliche Beträge validiert, ohne sie offenzulegen. Eine Kollision bei den Cache-Keys führte dazu, dass die Nodes einen ungültigen Zustand akzeptierten.

Mit den ungedeckten Token ging es weiter zu SideSwap. Der Wallet- und Handelsdienst ist Mitglied der Liquid Federation und hält einen Peg-out Authorization Key, kurz PAK. Aus Sicht des Systems war die Abhebung regulär, denn die vorgelegten Token waren formal gültig. Daher gab die Föderation rund 3.996 BTC auf der Bitcoin-Blockchain frei, zusammen mit einem vorangegangenen Test-Peg-out über 2,5 BTC waren es knapp 3.998,5 BTC. Beim damaligen Kurs von rund 80.000 US-Dollar entsprach das etwa 320 Millionen US-Dollar.

Die Federation-Wallet hatte zuvor rund 4.200 BTC gehalten und fiel auf etwa 197 BTC. Damit verschwanden rund 95 Prozent der Deckung. Wichtig für die Einordnung ist, dass weder Bitcoin selbst noch die Schlüssel der Föderation kompromittiert wurden. Blockstream und SideSwap betonen übereinstimmend, dass der PAK intakt blieb und die Abhebung von elf der fünfzehn Functionary-Signaturen getragen wurde. Andere auf Liquid ausgegebene Assets wie USDT, DePix und tokenisierte Real-World-Assets waren nicht betroffen.

Vom Whitehat-Anspruch zur Lösegeldforderung

Die Täter hinterlegten in der Abhebungstransaktion eine Nachricht und bezeichneten sich darin als Whitehats. Die Kommunikation lief anschließend über OP_RETURN-Nachrichten auf der Bitcoin-Blockchain. Blockstream schickte am 7. September eine PGP-signierte Bestätigung, dass die Bridge-Nodes gepatcht seien. Um 16.09 Uhr UTC gingen daraufhin exakt 3.400 BTC an die Föderationsadresse zurück, damals etwa 270 Millionen US-Dollar. Rund 598,5 BTC blieben liegen.

Am 9. September folgte eine deutlich andere Tonlage. In einer OP_RETURN-Nachricht in Bitcoin-Block 966.199 warfen die Täter Blockstream vor, nur 1,5 Millionen US-Dollar, womöglich auch null, für die Absicherung von fünf Milliarden US-Dollar an Werten ausgegeben zu haben. Sie forderten zehn Prozent „using your own money as bug bounty“ und drohten andernfalls mit einem Verlust von 15 Prozent für alle Halter.

Warum Blockstream nicht zahlt

Blockstreams heutige Erklärung reagiert direkt auf diese Forderung. Das Unternehmen schreibt, die Aneignung fremder Vermögenswerte und das Zurückhalten der Rückgabe seien eine Straftat und keine verantwortungsvolle Offenlegung. „Es ist kein White-Hat-Handeln. Es ist Diebstahl“, heißt es sinngemäß übersetzt. Dass Blockstream zuvor verhandelt habe, dürfe nicht als Zustimmung zu den Bedingungen missverstanden werden.

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Weitere Informationen

Inhaltlich argumentiert das Unternehmen mit einem Präzedenzfall. Man wolle nicht dazu beitragen, dass Entwickler von Open-Source-Software für die Bitcoin-Community Lösegelder zahlen, die ihre eigene wirtschaftliche Beteiligung weit übersteigen. Ebenso wenig will Blockstream die Lücke bei den Nutzern abladen. Bitcoin sei hartes Geld und lasse sich nicht kostenlos emittieren, Bitcoin kürze seinen Nutzern nicht die Guthaben, um ein Lösegeld zu finanzieren. Die Erklärung endet mit der Aufforderung, den vollen Betrag zurückzugeben.

Sollte das nicht geschehen, will Blockstream jeden rechtlichen Weg gehen und mit Strafverfolgungsbehörden, Börsen, Dienstleistern und Forensikern zusammenarbeiten, um die Coins zu verfolgen und die Verantwortlichen zu identifizieren.

Der aktuelle Stand im Liquid Network

Technisch ist die Lücke geschlossen. Blockstream patchte die Bridge-Nodes nach eigenen Angaben binnen zehn Stunden und veröffentlichte am 9. September die Notfallversion Elements v23.3.4, die die Cache-Keys für Range Proofs härtet. Am 10. September nahm Liquid zunächst die Blockproduktion wieder auf, bewusst ohne Transaktionen, im Tagesverlauf liefen dann auch Transaktionen wieder.

Peg-ins und Peg-outs bleiben abgeschaltet, solange die letzte Phase der Wiederherstellung läuft. Genau dort liegt das offene Problem. Solange die 598,5 BTC fehlen, ist L-BTC nur zu rund 85 Prozent gedeckt, darauf weist Samson Mow hin, der als JAN3-Chef und früherer Blockstream-Manager den Prozess öffentlich begleitet. Blockstream-Gründer Adam Back hat am 9. September zugesagt, dass der Peg eins zu eins bedient wird. Wie genau die Lücke geschlossen wird und wann die Peg-Funktionen zurückkommen, hat er offengelassen.

Diese Zusage ist der entscheidende Hebel im Konflikt. Die Drohung der Täter zielte auf einen Haircut bei den Haltern. Wenn Blockstream die Differenz selbst trägt, dann läuft die Drohung ins Leere, und die Weigerung wird für das Unternehmen überhaupt erst tragbar. Die 598,5 BTC liegen bislang unbewegt auf der Adresse, auf die abgehoben wurde.

Was der Fall über Bitcoin-Sidechains sagt

Liquid startete 2018 als konservative Alternative zu algorithmischen Bridges. Mehr als 80 Börsen, Infrastrukturfirmen und Asset Manager bilden die Föderation, die die Reserve gemeinsam verwahrt. Dieses Modell hat Liquid jahrelang durch eine Phase getragen, in der reihenweise Cross-Chain-Bridges ausgeraubt wurden, und galt deshalb als das vorsichtigere Design.

Der Vorfall zeigt trotzdem eine Schwäche, die nicht bei den Schlüsseln liegt, sondern in der Konsens-Software. Die zentrale Invariante jeder Bridge lautet, dass nie mehr Reserve freigegeben werden darf, als zuvor gesperrt wurde. Fällt diese Prüfung auf Protokollebene aus, hilft ein sauber verwahrter Multisig-Schlüssel nichts mehr, weil die Autorisierung formal korrekt aussieht. Für dich als Nutzer heißt das vor allem eines. Die Sicherheit von Bitcoin selbst überträgt sich nicht automatisch auf alles, was darauf aufbaut.

Der KI-Faktor im Hintergrund

Blockstream erwähnt in der Erklärung ausdrücklich, dass sich die Welt durch Fortschritte bei KI verändert habe und die Bitcoin-Community darauf reagiere. Das ist kein rhetorisches Beiwerk. Seit Ende Juli häufen sich Vorfälle in der Bitcoin-Infrastruktur, bei denen tief vergrabene Fehler in altem Code gefunden wurden.

Am 30. Juli begann der Angriff auf Coldcard-Hardware-Wallets. Ein Firmware-Fehler aus dem März 2021 hatte die Entropie bei der Seed-Erzeugung geschwächt, sodass sich Schlüssel offline rekonstruieren ließen. Galaxy Research beziffert die bestätigten Verluste auf rund 1.789 BTC aus mehreren Wellen, umgerechnet über 100 Millionen US-Dollar. Bei Core Lightning gab es eine Notfallveröffentlichung, nachdem KI-generierte Sicherheitsberichte echte Schwachstellen aufgedeckt hatten. Ein KI-gestütztes Audit soll 85 weitere kritische Findings quer durch das Ökosystem zutage gefördert haben.

Die gemeinsame Linie dieser Fälle ist, dass die Kosten für das Auffinden ausnutzbarer Fehler in offenem Finanzcode stark gefallen sind. Alter, kaum gepflegter Open-Source-Code wird damit zum Risiko, auch wenn er jahrelang unauffällig lief.

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