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Was ist Proof of Keys und warum sollte man mitmachen?

Was ist Proof of Keys 2020?
Bildquelle: © Michaela Richter, Bitcoin Kurier

Eine sehr junge und provokante Aktion feiert im Jahr 2020 ihren ersten Geburtstag. Mit der “Proof of Keys” Bewegung versuchte Trace Mayer im Jahr 2019 auf eine Reihe von Problemen aufmerksam zu machen, die mit der Zentralisierung von Bitcoin-Beständen einhergehen.

Wir haben das Event unter die Lupe genommen und erklären, wie es funktioniert, was man bei einer Teilnahme beachten sollte und warum die Idee dahinter wichtig ist.

Was ist “Proof of Keys”?

Bei Proof of Keys handelt es sich um eine internationale Bewegung, die mit einem jährlichen Event Aufmerksamkeit für verschiedene Probleme erzielen möchte. Ziel des Events ist es, dass möglichst viele Nutzer ihre Kryptowährungen von den Börsen und „Custodial Wallets“ gleichzeitig abziehen sollen.

Dadurch will man am Ende überprüfen können, ob die Anbieter auch tatsächlich über die Einlagen verfügen. Zusätzlich geht es auch darum Menschen dazu zu ermutigen, ihre Kryptowährung selber zu verwahren.

Das erste „Proof of Keys“ fand am 3. Januar 2019 statt und wird zum gleichen Termin im Jahr 2020 erneut zelebriert. Die Wahl fiel auf den 3. Januar, weil an diesem Tag der erste Bitcoin-Block geschürft wurde, der sogenannte“ Genesis Block“. Gründer der Bewegung ist Trace Mayer, der sehr früh in Bitcoin investierte und selber als Blogger tätig ist und außerdem einen eigenen Podcast moderiert.

Teilnehmer und Unterstützer des Events signalisieren ihre Solidarität, indem sie eine Reihe von Symbolen in ihre Accountnamen einfügen. Diese sieht man dann verstärkt in Chaträumen oder auf Social Media, wenn sich das Datum nähert.

Die Unterstützer tragen das folgende Kürzel als Zusatz: [Jan/3????]


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Wie kann ich an „Proof of Keys“ teilnehmen?

Grundsätzlich steht jedem die Teilnahme frei und es bedarf keiner offiziellen Anmeldungen zu der Aktion. Allerdings sollte man einige Vorbereitungen treffen, sofern man sich bis dahin keine Gedanken gemacht hat, wie man Kryptowährungen verwahrt.

Wenn man nicht über das notwendige Wissen verfügt, wie man ein Wallet installiert und ordentlich sichert, dann sollte man lieber auf eine Teilnahme verzichten.

Die Teilnahme selbst braucht also nicht viel:

  • Geeignete Wallets einrichten und sichern (Backups, Seed, etc).
  • Am 3. Januar in alle Accounts einloggen.
  • Die Kryptowährungen von dort auf eigene Wallets abziehen.

Weshalb braucht man Proof of Keys?

Im Grunde sollen zwei Problemstellungen mehr Aufmerksamkeit bekommen. Zum einen wurden im Laufe der kurzen Geschichte von Kryptowährungen extrem viele Hacks und Diebstähle verübt. Ziel sind dabei Krypto-Börsen und Drittanbieter, die für ihre Kunden Kryptowährungen verwahren.

Durch Proof of Keys werden die Anbieter auf die Probe gestellt und wenn alle Kunden teilnehmen würden, dann hätte man am Ende eine eindeutige Prüfsumme. Aber auch, dann wenn nur ein Teil aller Nutzer mitmacht, werden die Börsen und anderen Unternehmen auf eine schwere Probe gestellt.

Denn würden sie – rein theoretisch – nur über geringe Reserven verfügen, so hätten sie am Ende Probleme alle Kunden auszuzahlen.

Das zweite Problem ist die Selbstverwahrung von Kryptowährungen. Denn es gilt der Grundsatz: „Not your keys; not your coins.“ Frei übersetzt gibt man also die Kontrolle auf, wenn man nicht selber über die Private Keys zu dem Wallet verfügt. Viele Nutzer sind sich nicht darüber im Klaren oder machen sich diesen Umstand nicht genug bewusst.

Die vielen Hacks und Diebstähle zeigen, dass Unternehmen immer wieder zum Ziel werden. Daher ist man mit einem eigenen Wallet in der Regel sicherer.

Motto 2020 – Not your node; not your rules. Not your keys; not your coins.

In diesem Jahr wird das Motto der Veranstaltung erweitert. Denn es wird nicht nur um das Thema Selbstverwahrung gehen, sondern auch um die Integrität des Bitcoin-Netzwerks. Ein entscheidender Faktor sind nicht nur die Miner, sondern auch die Anzahl der sogenannten Full Nodes.

Eine Full Node hat eine Kopie der gesamten Bitcoin-Blockchain vorliegen und überprüft die Gültigkeit jeder Transaktion und verteilt sie an das gesamte Netzwerk. Viele Nutzer setzen auf einen kleineren Client, weil die Blockchain rund 250 Gigabyte Speicherplatz benötigt.

Das ist allerdings nicht ganz ungefährlich, denn das Netzwerk wird dadurch unsicherer bzw. sicherer, je mehr Full Nodes zur Verfügung stehen. Daher soll mit dem Zusatz „Not your node; not your rules“ auf die entscheidenden Vorteile eines dezentralisierten Netzwerks hingewiesen werden.

Kontroverse um das Event

Neben den Befürwortern gibt es auch Kritiker an der Aktion. In erster Linie weisen sie auf das immense Transaktionsaufkommen hin, welches innerhalb nur eines Tages bewältigt werden muss. Dies kann, abhängig von der jeweiligen Kryptowährung, zu heftigen Transaktionskosten führen.

Der zweite kritische Aspekt dreht sich um die Kompetenz der Teilnehmer. Denn sie müssen in der Lage sein die Technologie zu verstehen und korrekt zu bedienen. Kommt es zu Fehlern durch die Anwender, dann sind deren Einlagen verloren.

Was die Kritiker dabei übersehen ist der Umstand, dass die Nutzer ja grade dazu aufgefordert sind, sich eingehend mit der Technologie zu beschäftigen. Außerdem sind Wallet-Apps in der Regel relativ leicht zu bedienen und es gibt genügend Anleitungen zur sicheren Verwendung.

Was die Gebühren betrifft, so lässt sich entgegnen, dass die Börsen und Drittanbieter ihre Transaktionen stark optimieren. Auch sind nicht alle Kryptowährungen gleichermaßen von dem Problem betroffen, denn es hängt auch davon ab, welchen Konsensmechanismus sie verwenden.

Das eigene Wallet – besser als jede Bank

Proof of Keys soll die Krypto-Gemeinde am Geburtstag von Bitcoin an seinen Kerngedanken und seine Grundwerte erinnern. Bitcoin ermöglicht seinen Nutzer ihre eigene Bank zu sein. Selbstverständlich erfordert dies eine tiefere Auseinandersetzung mit der Funktionsweise und das Beherrschen gängiger Wallet-Software.

Diese Gedanken lassen sich auch auf viele andere Kryptowährungen übertragen, die sich in ihrem Design ein Beispiel an Bitcoin genommen haben. Die derzeitige Situation zeigt, dass viele Menschen nicht oder noch nicht über Kryptowährungen Bescheid wissen.

Deshalb ist Proof of Keys ein guter Anlass, um dafür zu sorgen, dass diese Werte und Ideen nicht in Vergessenheit geraten und verloren gehen.

Börsen im Zugzwang

Die Betreiber von Börsen haben naturgemäß kein Interesse an dem Event. Denn würden alle Nutzer ihre Einlagen abziehen, dann würde niemand mehr handeln. Das Volumen auf den Märkten bräche ein und man würde auch kein Geld mehr verdienen. Denn die meisten Unternehmen finanzieren sich aus Gebühren, die nur durch den direkten Handel entstehen.

Aus diesem Grund gibt es die Vermutung, dass bestimmte Börsen das Event unterminieren wollen, indem sie am 3. Januar Transaktionen aussetzen. Obwohl es viele Foreneinträge und Rückmeldungen dazu auf Reddit gibt, konnte bisher kein wirklich abschließender und stichhaltiger Beweis dafür erbracht werden.

Auf der offiziellen Website wird allerdings über Kuriositäten berichtet, die im Zusammenhang mit Proof of Keys stehen.

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