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Steigt Argentinien mit Javier Milei auf Bitcoin um?

Javier Milei während eines Auftritts
Javier Milei im Jahr 2022. Bildquelle: Ilan Berkenwald via Flickr.com (CC BY 2.0 DEED)

  • Javier Milei konnte gestern die Stichwahl für sich entscheiden.
  • Der neue argentinische Präsident will den Peso durch den US-Dollar ablösen.
  • Trotzdem reagierte der Markt positiv auf den Wahlsieg und Bitcoin legte zu.

Javier Milei hat eine markante Frisur und ist nie verlegen, wenn es um die Beleidigung linker Politik geht. Der Anarchokapitalist gewann gestern die Stichwahl mit deutlichem Vorsprung. Im Dezember wird er offiziell die Regierungsgeschäfte übernehmen und hat versprochen, Argentinien gründlich umzukrempeln. Weniger Staat, mehr individuelle Freiheit. Das ist der Kern seines Programms, was insbesondere innerhalb der Bitcoin-Community viele begeistert.

Bitcoin ist privates Geld, welches die Zentralbank entmachten kann und dem Einzelnen seine Kaufkraft zurückgibt. So oder so ähnlich beschrieb Milei die Mutter aller Kryptowährungen in einem Interview, welches aktuell auf Social Media viral geht. Solche Aussagen geben Hoffnung, dass Milei es seinem Amtskollegen Bukele gleichtun könnte und in Argentinien den Bitcoin gar als Währung einführen wird.

Deshalb wurde Milei bereits im Vorfeld der Wahlen als Pro-Bitcoin-Kandidat gehandelt und vorwiegend von den internationalen Fachmedien als Hoffnungsträger gefeiert. Doch der Schein trügt, denn Javier Milei hat ganz andere Pläne.

Milei will den Peso abschaffen

Zentralbanken sind Milei ein Dorn im Auge und deshalb plant er sie wenigstens in Argentinien abzuschaffen und auch den wertlosen Peso. Das Land leidet unter einer irrwitzig hohen Inflation und deshalb wurde der Devisenhandel bereits vor Jahren massiv eingeschränkt. Man könnte zu dem Schluss kommen, dass der US-Dollar in Argentinien de facto die Schattenwährungen ist, welche ohnehin von allen begehrt wird, um ihr Geld vor Entwertung zu schützen und gleichzeitig liquide zu bleiben.

Dies hat dazu geführt, dass man ordentliche Aufschläge auf den Dollar zahlen muss. Auch die Kapitalflucht in Bitcoin wollte die Zentralbank verhindern. Wenn er sein Versprechen wahr macht und die Zentralbank in die Wüste schickt, dann könnte Milei also den Weg für Bitcoin frei machen. Schließlich hat sie in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Bitcoin ausgegrenzt wird. Als Landeswährung will er allerdings den US-Dollar einführen.

Am Ende könnte er also dafür Sorge tragen, dass es zwar einen freien Wettbewerb zwischen staatlicher und privater Währung gibt, aber keine Bitcoin-Revolution. Auch seine Verbindung mit dem World Economic Forum lässt Zweifel aufkommen, ob Milei am Ende so anarchistisch ist, wie er sich selbst darstellt oder teilweise dargestellt wird.


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Eine Öffnung Argentiniens könnte den Markt beflügeln

Dennoch sollte man das Thema Bitcoin nicht in jeder Hinsicht aufgeben, denn auch El Salvador kennt neben Bitcoin den US-Dollar als Landeswährung. Anleger sollten also ganz genau beobachten, wie sich die Situation in Argentinien entwickelt. Sollte Milei ebenfalls zweigleisig fahren wollen, dann könnte das eine weitere Kursrallye lostreten.

Der Markt drehte jedenfalls leicht ins Plus, als bekannt wurde, dass Milei die Wahl für sich entscheiden konnte. Ob man diese Entwicklung einzig auf das Wahlergebnis zurückführen will, sei dahingestellt. Weil Milei erst im Dezember sein Amt antritt, sieht es so aus, als ob sich alles im Jahr 2024 zuspitzen wird. Das nächste Bitcoin-Halving steht ins Haus und Experten verorten den möglichen Start eines Spot-Bitcoin-ETFs in den USA ebenfalls im kommenden Jahr. Sollte Milei tatsächlich Argentinien für Bitcoin öffnen, dann wäre das ein perfektes Tripple. Mit Ausnahme des Halvings hängt jedoch ein Fragezeichen an den beiden anderen Faktoren, weshalb man abwarten muss, wie sich die Situation für Bitcoin entwickelt.

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