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Stablecoins erklärt: Wie sie funktionieren und die Finanzwelt verändern 

Stablecoins auf einer Trading-Plattform
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Stablecoins gehören gewissermaßen zur Infrastruktur der DeFi-Ökonomie. Sie ermöglichen den Handel von Coins und Token auf dezentralen Börsen und werden als Zahlungsmittel zunehmend relevanter. Dabei sind sie nicht auf eine bestimmte Blockchain festgelegt, denn Anbieter von Stablecoins gehen in die Breite, um mit ihrem Produkt so viele Nutzer wie möglich zu erreichen. 

In den kommenden sechs Jahren prognostizieren Experten ein explosives Wachstum für den Stablecoin-Markt.

Doch wie ist die Rolle von Stablecoins zu verstehen? Welche Anwendungsfälle gibt es und welche Eigenschaften hat diese besondere Form von Token? Um die Innovation dahinter besser zu verstehen, ist es notwendig sie einzuordnen. 

Was ist ein Stablecoin und wie funktioniert er?

Ein Stablecoin ist ein digitales Asset, welches von einer zentralen Stelle emittiert wird und an den Wert einer Fiat-Währung wie den Dollar oder den Euro gekoppelt ist. Alternativ sind auch Rohstoffe wie Gold oder Silber denkbar und überdies können auch mehrere Vermögenswerte an einen Stablecoin gekoppelt sein. Aus technischer Sicht werden die meisten Stablecoins durch einen Smart Contract definiert und gesteuert. 

Stablecoins sollen die blitzschnellen Transaktionszeiten und die Sicherheit von Kryptowährungen mit dem stabilen Wert von traditionellen Währungen oder Vermögenswerten kombinieren. Obwohl eine höchstmögliche Wertstabilität das Ziel ist, kann sie nicht garantiert werden und somit tragen Stablecoins ein entsprechendes Risiko. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu einer Entkopplung von Stablecoins, die dadurch ihren Wert verloren. Das in dieser Hinsicht kritischste Ereignis war der Zusammenbruch der Kryptowährung Terra (LUNA) und ihrem Stablecoin UST, der im Jahr 2022 ein Marktbeben auslöste.  

Trotz dieser Risiken bieten Stablecoins jedoch eine Menge Vorteile. Darunter eine hohe Sicherheit der Transaktionen, eine beinahe sofortige Zahlungsabwicklung und die im von Volatilität geprägten Kryptomarkt so dringend benötigte Preisstabilität. 

Welche Arten von Stablecoins gibt es?

Stablecoins lassen sich in drei verschiedene Grundkategorien einteilen, die sich in erster Linie durch verschiedene Mechanismen zur Aufrechterhaltung der Preisstabilität unterscheiden. Diese umfassen: 

  • Fiat-gedeckte Stablecoins 
  • Krypto-gedeckte Stablecoins 
  • Algorithmische Stablecoins 

Fiat-gedeckte Stablecoins

Diese Stablecoins sind durch eine Bar- bzw. Buchgeldreserve im Verhältnis 1:1 gedeckt. Für jeden emittierten Stablecoin wird ein äquivalenter Betrag an Fiat-Währung hinterlegt. Alternativ greifen Emittenten auch gerne auf staatliche Schuldverschreibungen mit kurzer Laufzeit zurück, wie etwa US-Treasury Bills, weil diesen der gleiche Stellenwert wie Geld beigemessen wird. Stablecoin-Anbieter, die dieses Modell nutzen, erlauben zumeist, die Token wieder gegen Fiat einzulösen und umgekehrt. Sie bilden damit eine Brücke zwischen traditioneller Finanzwelt und der Tokenökonomie.  

Die Liquidität von Fiat-gedeckten Stablecoins und die Tatsache, dass sie zum Großteil direkt durch Dollar oder Euro gedeckt sind, verhelfen ihnen zu größerer Stabilität. Ausfallrisiken beschränken sich zumeist nur auf den Emittenten, wobei der Trend zunehmend dahingeht, dass diese über Testate die hinterlegten Barbestände und Assets öffentlich nachweisen. 

Zu den erfolgreichsten Emittenten von Fiat-gedeckten Stablecoins gehören Circle (USDC) und Tether (USDT), wobei sie zunehmend Konkurrenz bekommen. Der wahrnehmbare Wettbewerber ist PayPal mit dem Versuch PYUSD auf dem Markt zu etablieren. 

Krypto-gedeckte Stablecoins

Obwohl der Wert dieser Stablecoins ebenfalls an eine Fiat-Währung oder einen Rohstoff gekoppelt ist, wird ihre Deckung mit anderen Kryptowährungen besorgt. Die gebildete Reserve unterliegt deshalb sehr starken Kursschwankungen. Um diesem Problem zu begegnen, werden Krypto-gedeckte Stablecoins zumeist überbesichert. Daher werden pro emittierten Stablecoin digitale Assets im Verhältnis 1:2 oder mehr hinterlegt, um die Kursschwankungen besser abzufangen. 

Zusätzlich implantieren Emittenten oftmals einen Algorithmus, der auf Verschiebungen bei der Nachfrage reagiert. Im Wesentlichen wird damit die Menge an Stablecoins gesteuert, es kann aber auch sein, dass der Algorithmus Kryptowährungen nachkauft, um die Reserve aufzustocken.  

Das Paradebeispiel für einen Krypto-gedeckten Stablecoin ist DAI von MakerDAO. Das auf Ethereum basierende Protokoll der DAO erlaubt es Nutzern, Kryptowährungen als Besicherung zu hinterlegen, um im Gegenzug DAI zu erhalten. Umgekehrt können sie mit DAI ihre Kryptos wieder einlösen. Der Wert des Stablecoins DAI ist jedoch an den US-Dollar gekoppelt. 

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Algorithmische Stablecoins

Im Gegensatz zu den Algorithmen, die wir im vorangegangenen Abschnitt vorgestellt haben, verzichten algorithmische Stablecoins auf eine Besicherung durch eine Reserve. Es werden also weder digitale noch traditionelle Assets als Reserve hinterlegt. Stattdessen reagiert der Algorithmus auf den tatsächlichen Marktpreis des Stablecoins und steuert darauf basierend die Umlaufmenge. 

Liegt der Wert des Stablecoins über dem geplanten Zielwert, dann wird die Menge an Token erhöht. Wenn der Marktpreis jedoch unter dem Zielwert liegt, dann wir die Umlaufmenge reduziert. 

Ein Beispiel für diese doch eher experimentelle Kategorie ist Ampleforth (AMPL). Der Algorithmus passt das Angebot von AMPL elastisch an, indem einmal pro Tag ein sogenannter Rebase vorgenommen wird. 

Welche Anwendungsfälle gibt es für Stablecoins?

Stablecoins haben bereits eine breite Verwendung in der Welt der dezentralen Finanzen und spielen dort eine besonders wichtige Rolle. In erster Linie gilt das deshalb, weil sie den US-Dollar tokenisieren, was für Kredite und DeFi-Protokolle gleichermaßen wichtig ist. Im internationalen Zahlungsverkehr nimmt ihre Bedeutung spürbar zu, was auch daran liegt, dass Stablecoins jedermann den Zugang zum Dollar ermöglichen. Die Beschaffung von Devisen ist nicht in jedem Land barrierefrei möglich, weshalb sie auch hier eine Nische bedienen können. Zusammengefasst lassen sich die nachfolgenden Anwendungsfälle ausmachen: 

  • Alltäglicher Zahlungsverkehr: Hier steht primär der E-Commerce im Mittelpunkt. So akzeptiert etwa Shopify USDC-Zahlungen für Millionen von Plattformanbietern. Namhafte Zahlungsdienstleister wie Visa sind ebenfalls engagiert und wickeln Zahlungen im Hintergrund vermittels Stablecoins ab. 
  • Grenzüberschreitender Zahlungsverkehr: Stablecoins vereinfachen und beschleunigen internationale Geldtransfers. Zudem sind die Transaktionen mit geringeren Gebühren verbunden, weil sich keine Mittelsmänner zwischen die Zahlungen einschalten. 
  • Kryptobörsen: Für viele Börsen ist es einfacher und günstiger ihre hohen Handelsvolumina in Stablecoins anstatt in Fiat abzuwickeln. Daher werden die meisten Handelspaare mit Stablecoins gebildet. Ein weiterer Aspekt ist der mangelnde Zugang zu Banken, die sich  
  • DeFi: Die primäre Rolle von Stablecoins im DeFi-Ökosystem besteht darin, ein stabiles Tauschmedium zu besitzen. Zudem werden sie etwa für Lending (dezentrale Kredite) und Yield Farming benötigt. 
  • Fintech: Über Smart Contracts lassen sich innovative Finanzprodukte entwickeln und steuern, die von Stablecoins Gebrauch machen. Beispiele dafür wäre die automatisierte Vergabe und Rückzahlung von Krediten oder algorithmisch gesteuerte Sparkonten.  

Was sind die Unterschiede zwischen CBDCs und Stablecoins?

Digitale Zentralbankwährungen oder Central Bank Digital Currencies (CBDCs) und Stablecoins sind beide Formen von Digitalwährungen, unterscheiden sich jedoch erheblich in ihrer Besicherung, Emittierung und ihrer Verwendung. 

CBDCs werden von der Zentralbank eines Landes emittiert und gesteuert. Sie stellen daher eine digitale Form der bestehenden Fiat-Währung des jeweiligen Landes dar. Anders als Stablecoins sind sie ein gesetzliches Zahlungsmittel. 

CBDCs sind die Reaktion der Zentralbanken auf den Erfolg der Blockchain-Technologie, welche durch Bitcoin eingeführt wurde. Die Idee dahinter ist, Währung zu digitalisieren und das bestehende Bankensystem effizienter zu gestalten. Gleichzeitig soll aber auch die Souveränität nationaler Währungen gewahrt werden. Fiat-Währungen werden zwar durch Stablecoins und Kryptowährungen nicht direkt bedroht, erfahren durch beide aber eine zunehmende Konkurrenz, weil sie eine Nische bedienen können. 

Stablecoins sind im Unterschied zu CBDCs also keine Währung, weil sie von Unternehmen oder privat emittiert werden und keine Absicherung durch staatliche Systeme erfahren. Eine Gemeinsamkeit besteht darin, dass sowohl Stablecoins als auch CBDCs in vielen Ländern regulatorisch bislang nicht vollständig definiert sind. Während es zunehmend politische Forderungen bezüglich der Reglementierung von Stablecoins gibt, experimentieren die meisten Zentralbanken noch mit CBDCs. Daher ist auch ihr Status bisher nicht abschließend geklärt, obgleich es regional große Unterschiede bezüglich ihrer Erschließung gibt.  

So hat man in China bereits 2019 damit begonnen CBDCs zu entwickeln und zu testen, während die EZB erst seit 2021 ernsthafte Anstrengungen diesbezüglich unternimmt. 

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