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Ist ein Bitcoin-ETF entscheidend für den nächsten Bullrun?

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Ein Blick auf den Bitcoin-Chart liefert derzeit durchaus Futter für Pessimismus. Der Aufwärtstrend seit Jahresbeginn ist durch den Abverkauf Mitte August beendet worden und Bitcoin notiert derzeit unter wichtigen charttechnischen Indikatoren, die als Lebenslinie für bullisches Momentum herhalten. Sowohl der 200-Tage- und Wochen-Trend, als auch das sich aus dem einfachen 20-Wochen- und dem exponentiellen 21-Wochen-Trend ergebende Bullmarket-Supportband wurden unterschritten und haben sich im Zuge der kurzen Erholungsbewegung – ausgelöst durch den Sieg von Grayscale, dem Anbieter des weltgrößten Bitcoin-Trusts, gegen die US-Börsenaufsicht SEC – als charttechnischer Widerstand erwiesen.

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Eine anschließende Verschiebung zur Entscheidung von sieben ETF-Anträgen hat der Erholung schnell wieder den Wind aus den Segeln genommen. Es scheint, dass die Causa Bitcoin-ETF das Schicksal des Krypto-Marktes derzeit in der Hand hält.

Hängt wirklich alles von einem Bitcoin-ETF ab?

Bereits seit Jahren wird versucht, einen Bitcoin-Spot-ETF auf den US-Markt zu bringen. Bisher jedoch ohne Erfolg, denn die SEC wehrt sich vehement gegen eine Zulassung. Die Begründung der US-Börsenaufsicht ist aus Sicht vieler Bitcoin-Anhänger bloße Schikane, zumindest jedoch fragwürdig: Einen Bitcoin-ETF könne man nicht zulassen, da bei diesem Produkt eine ausreichende Überwachung und Regulierung des zugrundeliegenden Marktes und damit ein ausreichender Schutz der Anleger vor manipulativen und betrügerischen Praktiken nicht gewährleistet wäre.

Verwunderlich ist jedoch, dass bereits mehrere, auf Futures basierende Bitcoin-ETF-Produkte von der SEC zugelassen wurden. Obwohl diese auf demselben Markt beruhen, den die SEC so sehr in die Kritik nimmt. Grayscale hat diese unfaire Behandlung als Grund genommen, gegen die Börsenaufsicht vor Gericht zu ziehen – und damit jüngst Recht erhalten. Die Begründung der Ablehnung wurde vor Gericht als nicht rechtskräftig erklärt und die SEC ist nun gezwungen, den Antrag von Grayscale neu zu bewerten – oder direkt zuzulassen.

Für die meisten Marktteilnehmer war dies das entscheidende Signal: Die SEC steht mit ihrer Bitcoin-feindlichen Haltung zunehmend mit dem Rücken zur Wand und ein Bitcoin-Spot-ETF ist nur noch eine Frage der Zeit. Die erste von vier möglichen Verschiebungen zu einer Entscheidung für derzeit sieben ETF-Anträge, darunter den von BlackRock, ist nur ein weiteres Zeitspiel. Spätestens nach der finalen Frist im März 2024 wird ein oder gleich mehrere ETF-Produkte zugelassen, so der derzeitige Konsens unter den Analysten.

Eine Zulassung für einen Bitcoin-Spot-ETF im relevantesten Finanzmarkt der Welt ist eine große Sache, deswegen ist die Bildung eines entsprechenden Narrativs am Markt auch nicht sonderlich überraschend. Doch angesichts der Tatsache, dass der Krypto-Sektor seine Hoffnungen momentan scheinbar fast ausschließlich auf den ETF fokussiert, ist eine Betrachtung mit etwas mehr Abstand aus der Investment-Perspektive vielleicht ratsam: Ist ein Bitcoin-Spot-ETF wirklich notwendig für den Start des nächsten Bullruns?

Die Pro-Argumente

Ein Bitcoin-Spot-ETF ist aus Sicht vieler Marktteilnehmer im Krypto-Sektor der Schlüssel zu institutionellem Kapital. Die bereits im letzten Bullrun erhoffte, riesige institutionelle Welle könnte über einen Bitcoin-Spot-ETF als einfach zugängliches Vehikel endlich losbrechen.

Abseits von tatsächlichen technischen und regulatorischen Hürden würde eine Zulassung zunächst vor allem ein Signal aussenden: institutionelle Akzeptanz. Die Einbettung in ein derart reguliertes Anlageprodukt würde die Stellung von Bitcoin als ernstzunehmendes – und auch im traditionellen Finanzsektor sicher zugängliches – Asset untermauern.

Regulatorisch gäbe es für Marktteilnehmer, die an strenge Regelungen gebunden sind, keine Barrieren mehr, die ein Investment in Bitcoin vorher verhindert hätten. Zudem ist ein ETF in die traditionelle Finanzinfrastruktur eingebunden. Man benötigt keine eigenen Wallets, keine entsprechenden Sicherheitsstandards oder gar Abteilungen, die das technische Knowhow vorweisen, um ein Investment überhaupt umsetzbar zu machen. Ein ETF kann von großen Playern über die gängigen Kanäle gekauft werden. Das macht die Sache deutlich einfacher – vor allem, wenn man mit Summen in signifikanter Größe arbeitet.

Dieses Argument gilt zudem nicht nur für institutionelle Anleger, sondern auch für Privatinvestoren. Wobei hier weniger die Regulatorik, sondern eher die Bequemlichkeit eine Rolle spielen dürfte. Auch wenn die meisten Krypto-Börsen mittlerweile eine gute Usability aufweisen (aus meiner persönlichen Sicht sogar eine bessere als viele der traditionellen Dienstleister), dürften viele Investoren aus der traditionellen Finanzwelt immer noch abgeschreckt von Krypto-Assets sein, da sie scheinbar in einer Art Parallelwelt zur eigentlichen Börse stattfinden. Wenn Bitcoin jedoch ganz einfach innerhalb des „eigenen Habitats“ zugänglich ist, in dem man sich auskennt und wohlfühlt, dann sinkt die Eintrittshürde für viele Marktteilnehmer deutlich.

Hinzu kommt, dass ETFs in einigen Ländern auch steuerliche Vorteile bieten, die den Anlegern bei der Optimierung ihrer Steuersituation helfen könnten. Das gilt vor allen Dingen für die USA und die private Altersvorsorge. Dies könnte die Attraktivität eines Bitcoin-ETFs auch für viele Privatinvestoren noch einmal erhöhen.

Ein letzter Punkt, der wiederum für institutionelle Anleger äußerst relevant sein könnte: ETF-Anteile können als Sicherheit für Kredite eingesetzt werden. Es gibt einige Limitierungen, doch generell ist das durchaus möglich und gibt Bitcoin damit einen zusätzlichen Usecase für institutionelle Anleger.

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Die Kontra-Argumente

Es gibt jedoch auch viele Argumente, die gegen einen Bitcoin-ETF als entscheidenden Dominostein für den nächsten Bullrun sprechen. Zunächst einmal eine grundsätzliche Klarstellung: ein Bitcoin-ETF ist nicht unbedingt nötig, damit institutionelle Spieler investieren können. Tatsächlich haben bereits viele institutionelle Investoren, darunter Hedgefonds, Vermögensverwalter und sogar Unternehmen wie Tesla, Bitcoin in ihre Portfolios aufgenommen. Diese Institutionen haben verschiedene Wege gefunden, um in Bitcoin zu investieren, ohne auf einen ETF warten zu müssen. Einige haben Bitcoin direkt auf dem OTC-Markt gekauft. Für Privatanleger gilt das im Besonderen, denn es war nie einfacher als heute, als Privatperson an Bitcoins zu kommen. Die Anmeldung auf entsprechenden Handelsplattformen dauert in der Regel nur wenige Minuten und ist auch für Laien einfach umsetzbar.

Zudem ist die Zulassung eines Bitcoin-ETFs nicht unbedingt ein Garant dafür, dass der Preis auch steigen wird. Letzten Endes wird der Preis nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt. Eine Zulassung wäre der Adaption im traditionellen Finanzsystem förderlich, doch die wahre Adaption von Bitcoin findet in der echten Welt statt. Während Bitcoin in Börsenkreisen immer noch eher als Spekulationsobjekt behandelt wird, liegt seine wahre Stärke in seiner Eigenschaft als Wertspeicher und – zumindest potenziell – als wesentlich antifragilere Alternative zum derzeitigen Geldsystem.

Da die Probleme im traditionellen System eher größer als kleiner werden, steckt der wahre Wachstumsmotor für den Bitcoin-Preis mehr in seiner wachsenden Adaption aus existenziellen Gründen, denn in Spekulationen seitens der Wall Street.

Während Länder in weniger starken wirtschaftlichen wie geopolitischen Positionen den Bitcoin-Adaptionspfad bereits ein ganzes Stück tiefer gegangen sind (El Salvador, Argentinien, die Türkei oder auch einige afrikanische Länder sind nur ein paar von vielen Beispielen), lässt nun auch die immer deutlicher erkennbare Schwächung des US-Dollars in seiner inoffiziellen Position als Weltleitwährung die Rolle von Bitcoin als echte Alternative auch in der westlichen Welt in den Vordergrund treten.

Die im März 2023 gesehenen ersten Ausläufer einer Bankenkrise in den USA lassen ungute Erinnerungen an die Zeit aus 2008 wach werden – der Geburtsstunde von Bitcoin. Wenn die Lage auf existenzieller Ebene ernst wird, dann wird sich eine bessere Alternative durchsetzen – egal, ob es ein indirektes, stark reguliertes Anlageprodukt dazu gibt oder nicht. 

Neben diesen rein fundamentalen Gründen lässt auch ein Blick auf das langfristige Chartbild die Annahme zu, dass Bitcoin sich letzten Endes sehr strikt an seine zyklischen Preisbewegungen hält, die man seit dem ersten Bitcoin-Halving beobachten kann. Der Kern des Bitcoin-Preiszyklus-Modells beruht auf der alle vier Jahre stattfindenden Halbierung der Bitcoin-Neuerzeugungsrate. Dieser positive Effekt auf das Verhältnis von Angebot und Nachfrage hat in der Vergangenheit bereits zu mehreren abgeschlossenen Preiszyklen geführt und scheint auch weiterhin die übergeordnete Richtung vorzugeben.

Ausgehend von diesen Preiszyklen erreicht Bitcoin etwa 2 Jahre nach einem stattgefundenen Halving ein neues Allzeithoch, gefolgt von einem anschließenden Bärenmarkt. Dieser hat bisher sein Ende immer in einem Pre-Halving-Jahr gefunden. Entsprechend wurde bisher in einem Pre-Halving-Jahr jedes Mal der Grundstein für den nächsten Zyklus und damit ein anhaltendes Aufwärtsmomentum für den Preis gesetzt. Der eigentliche Bullrun und ein Überschreiten des vorherigen Allzeithochs folgte jedoch immer erst nach dem jeweiligen Halving.

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Es ist interessant zu beobachten, dass Bitcoin seinem zyklischen Verhaltensmuster auch in diesem Zyklus bisher mustergültig folgt. Ein Ausbruch aus dem 2022er-Bärenmarkt und eine Rückeroberung wichtiger charttechnischer Hürden ist auch diesmal im Pre-Halving-Jahr gelungen und hat das Signal für den Start des nächsten langfristigen Aufwärtstrends gegeben. Genau wie in den vorangegangenen Pre-Halving-Jahren ist auch diesmal eine anschließende Korrektur unterhalb wichtiger charttechnischer Indikatoren gefolgt – vor allem das Bullmarket-Supportband.

Trotz des schwierigen makroökonomischen Umfelds und einer zu Anfang des Jahres gestarteten Offensive der US-Regulierungsbehörden gegen den Krypto-Sektor im großen Stil folgt Bitcoin unbeeindruckt seinem übergeordneten Trend. Eine Zulassung für einen Bitcoin-Spot-ETF wird einen gewissen Einfluss auf die Kursentwicklung haben. Doch zyklische Preismuster, beeinflusst durch eine signifikante Veränderung des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage, makroökonomische Entwicklungen, die weiterhin bestehende enge Korrelation mit den Aktienmärkten, sowie letzten Endes die weitere weltweite Adaption von Bitcoin im Sinne realer wirtschaftlicher Interessen und Anwendungen, dürften die Haupttreiber für Bitcoin bleiben – und können daher auch unabhängig der ETF-Thematik für einen neuen Bullrun sorgen.


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Fazit aus Investment-Perspektive

Es gibt wie aufgeführt sowohl Pro- als auch Kontra-Argumente für die Relevanz eines Bitcoin-ETFs. Aus der Investment-Perspektive ist am wichtigsten, sich eine gewisse mentale Flexibilität zu bewahren und so viele relevante Faktoren in die eigene Strategie und Markteinordnung einzubeziehen wie möglich. Anleger sollten sich deswegen der folgenden Kernargumente bewusst sein:

Der Bitcoin-Spot-ETF ist ein wichtiger Faktor für Bitcoin. Aufgrund der genannten Pro-Argumente könnte er einen signifikanten Einfluss auf die Adaption an den Finanzmärkten und damit auf die Kursentwicklung haben. Allerdings heißt ein Bitcoin-Spot-ETF allein noch lange nicht, dass die erhoffte institutionelle Welle auch kommt. Die Nachfrage nach Bitcoin wird allein durch seinen Mehrwert bestimmt.

Der ETF ist zudem nicht der einzige Einflussfaktor auf den Preis. Selbst wenn keine Zulassung erfolgen sollte (was angesichts der derzeitigen Ausgangslage nicht wahrscheinlich ist), kann trotzdem ein neuer Krypto-Bullrun starten. Die genannten Argumente sprechen dafür.

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