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FTX: Zweifel am Wahlsieg Bidens gefährden den Prognosemarkt

Bitcoin ETF Trump
Bildquelle: Maret Hosemann, pixabay.com

Lesedauer für den Artikel: 3 Minuten

Kompakt:

  • Auf FTX kann man auf den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl spekulieren.
  • Doch viele Trump-Unterstützer haben ein Problem mit dem Ausgang der Wahl.
  • Auf ihren Druck hin laufen ihre Kontrakte bis Februar weiter.

Die Prognosemärkte auf FTX bieten den Kunden der Börse breite Möglichkeiten an, auf den Ausgang der Wahl zu spekulieren. Im Prinzip bietet die Börse für jeden der beiden Kandidaten Token an, denen jeweils ein eigener Kontrakt zugrunde liegt und damit kann man darauf wetten, ob er gewinnt oder verliert.

Das eröffnet Freunden der Spekulation eine Menge Optionen, denn selbstverständlich konnte man auch bei den Vorwahlen auf den Erfolg oder Misserfolg einzelner Kandidaten wetten. Die Kontrakte gelten als erfüllt, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt. Liegen die Spekulanten mit ihren Prognosen richtig, dann zahlt der Kontrakt den versprochenen Gewinn aus. Liegen sie aber falsch, dann verlieren sie ihr Geld.

Da Wahlen zu einem Stichtag als entschieden gelten, handelt es sich also um Terminkontrakte, die mit dem Eintreffen des Ergebnisses als erfüllt angesehen werden. Nur gibt es bei dieser Wahl ein großes Problem. Der noch amtierende Präsident und seine Anhänger akzeptieren das Ergebnis der Wahl nicht.

Wann gilt der Präsident als gewählt?

Diese Frage dürften sich viele Amerikaner stellen, unter ihnen vermutlich sehr viele Trump-Unterstützer. Hier stellte sich die Börse selber ein Bein, denn auf Druck der Kunden, die auf einen Wahlsieg von Trump setzten, wurden die Kontrakte für einen Wahlsieg von Trump verlängert. Die Grundlage dafür war wohl eine zu schwammige Formulierung der Kontrakte, denn sie sollten u. a. auch dann als erfüllt angesehen werden, wenn ein Kandidat durch vertrauenswürdige Quellen zum Sieger der Wahl erklärt wurde.

Es ist fast schon überflüssig zu erwähnen, dass viele Trump-Unterstützer die meisten verfügbaren Quellen wie etwa CNN oder AP als nicht vertrauenswürdig einstufen. Aus ihrer Sicht geht Biden nicht als Sieger hervor.

Nun unterwirft man die Kontrakte einer letzten Regeländerung, die durchaus der Situation in den USA entspricht und wenigstens genauso skurril wirkt. Die Kontrakte, welche auf einen Sieg Bidens oder eine Niederlage Trumps gesetzt haben, laufen aus und werden entsprechend mit 1 US-Dollar pro Kontrakt ausbezahlt, weil Trump verloren und Biden gewonnen hat.

Gleichzeitig laufen die Kontrakte, die auf einen Sieg von Trump oder eine Niederlage Bidens ausgestellt wurden, bis zum 1. Februar 2021 weiter und werden dazu in einem neuen Kontrakt zusammengefasst. Sollte Trump bis zu dem Stichtag immer noch im Amt sein, dann bekommen die Spekulanten 1 US-Dollar pro Kontrakt ausgezahlt. Wenn Biden jedoch das Amt innehat oder die Wahl für ungültig erklärt werden sollte, dann gehen sie leer aus. Sollten die Spekulanten der Regeländerung nicht zustimmen, dann sind ihre alten Kontrakte ab dem 11.11.2020 nichts mehr wert und sie verlieren ihren Einsatz.

Trolle und alternative Fakten

Somit bleibt für Trump-Fans und Spekulanten, die sich mit ihrer Wette auf den Prognosemärkten in eine ungünstige Situation gebracht haben, immerhin das Prinzip Hoffnung. Der neue Kontrakt, der den Ticker TRUMPFEB erhielt, ist zur Stunde ungefähr 0,10 US-Dollar wert.

FTX sprach auf Social-Media wörtlich von Trollen, denen man nachgegeben habe und davon, dass dies eine einmalige Ausnahme bleiben würde. Anscheinend will man die Kunden nicht vergraulen, obgleich die Wahl als entschieden gilt. Über Twitter bekam die Börse unterschiedliches Feedback. Von Dankbarkeit bis Unverständnis war fast alles dabei. Und somit kann man auf einen Sieg wetten, obgleich die Niederlage bereits feststeht. Das führt die Prognosemärkte zwar nicht gänzlich ad absurdum, rückt sie aber in ein schlechtes Licht. Schließlich basieren die Kontrakte darauf, dass man darauf vertrauen kann, dass die Regeln starr eingehalten werden und zwar auch dann, wenn die Verlierer an Realitätsverlust leiden.

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