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Börsen verlassen Europa – Anti-Geldwäscherichtlinie stört das Wachstum

Europa AMLD5
Bildquelle: S. Hermann & F. Richter, pixabay.com

Lesedauer für den Artikel: 2 Minuten

Zwei Abgänge

Für die Kunden wird sich in einiger Hinsicht nicht viel ändern, denn die Plattformen bleiben die gleichen. Auch der Handel soll wie gewohnt weiterlaufen. Was aber bald vollständig geändert wird, ist der Firmensitz zweier Börsen, die bisher in Europa beheimatet sind.

Per E-Mail setzten Deribit und KyberSwap ihre Kunden von den Schritten in Kenntnis. So wird Deribit zum 10. Februar fortan durch eine Firma in Panama gesteuert werden, selbstverständlich eine Tochter der eigentlichen Firma in den Niederlanden.

Bei KyberSwap möchte man lieber auf einer Insel bleiben und zieht offiziell von Malta auf die Britischen Jungferninseln. Beide Börsen verfolgen zwar ein unterschiedliches Geschäftsmodell, haben aber den gleichen Grund ihren Standort zu verlegen. Nämlich die Umsetzung der sogenannten AMLD5-Richtlinie.


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Geldwäsche und Terror

Obwohl illegale Aktivitäten mit Kryptowährungen nur einen Bruchteil des Marktes ausmachen, wurden im letzten Jahr entsprechende Gesetze durch viele Länder erlassen. Anlass dazu waren die Empfehlungen der FATF, deren Umsetzung aber Sache der einzelnen Staaten ist.

Bei „AMLD5“ handelt es sich also um eine Direktive auf europäischer Ebene, die in ihrer jetzigen Form die fünfte Anpassung erfährt. In der neuesten Fassung berücksichtigt sie erstmals auch Kryptowährungen und ist damit ausschlaggebend für Börsen, Wallet-Provider und andere Unternehmen, die unmittelbar mit Kryptowährungen Geschäfte betreiben.

Es gilt zu erwarten, dass insbesondere KYC-Verfahren zukünftig die Regel sein werden und damit Mehrkosten auf die Unternehmen zukommen. Um dies zu vermeiden ziehen die Börsen um.

Die Richtlinie ist albern

Nun zeigt sich, dass die Bürokratie kaum Möglichkeiten an der Hand hat, die tatsächlichen Probleme einzudämmen. Während „Max Mustermann“ demnächst seine Ausweiskopien und Selfies an Gott und die Welt weiterreichen darf, gehen die Profis direkt durch den Haupteingang. Und zwar ohne Kontrollen.

Wie ein durch Chainalysis veröffentlichter Bericht zeigt, findet die Geldwäsche, die insgesamt zu verzeichnen ist, nur im großen Stil statt. OTC Broker kontrollieren ihre Kunden kaum oder gar nicht und reichen das Geld an die Börsen weiter. Sie sind anscheinend akkreditierte Mittelsmänner und brauchen sich – da auch ihre Unternehmen häufig im Ausland sitzen – nicht um Richtlinien zu sorgen.

Der Umzug von Deribit und KyberSwap ist somit nur folgerichtig. Beide Börsen sind in ihrem Segment relativ klein und würden durch die Umsetzung von AMLD5 umso härter getroffen. Denn ihre Konkurrenz sitzt bereits auf diversen Märcheninseln oder in Ländern, wo der Arm des Gesetzes nicht ganz so lang ist.

Am Ende verliert also nur der Standort Europa.

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