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BitMart schließt seine Handelsplattform, das müssen Kunden jetzt beachten

BitMart Website
Bildquelle: © Mojahid Mottakin - stock.adobe.com

  • Nach neun Jahren stellt die Krypto-Börse BitMart ihren Handel schrittweise ein.
  • Es ist bereits die zweite große Handelsplattform binnen einer Woche, die den Rückzug antritt, nur drei Tage nach BitMEX.
  • Wir ordnen ein, welche Fristen jetzt gelten, wie man sein Guthaben sichert und warum ausgerechnet BitMart der Abschied schwerer fällt als anderen.

BitMart hat am Sonntag, den 26. Juli 2026, angekündigt, seine Handelsplattform in mehreren Stufen abzuwickeln. Als Grund nennt die Börse eine Bewertung ihrer Geschäftslage, des Marktumfelds und ihrer künftigen strategischen Ausrichtung. Von einem Hack, einer Zahlungsunfähigkeit oder behördlichem Druck ist in der Mitteilung ausdrücklich nicht die Rede. Der Handel läuft noch bis zum 26. August 2026, danach bleiben ausschließlich Auszahlungen möglich. Endgültig einstellen will BitMart den Betrieb am 31. Januar 2027.

Die Reaktion des Marktes fiel deutlich aus. Der hauseigene Börsen-Token BMX brach nach der Ankündigung um rund 58 Prozent ein und rutschte auf etwa 0,08 US-Dollar ab, womit die Marktkapitalisierung von zuvor knapp 100 Millionen auf rund 27 Millionen US-Dollar zusammenschmolz. Damit setzte sich ein Abwärtstrend fort, der den Kurs über das Jahr betrachtet um etwa 70 Prozent gedrückt hat.

Diese Fristen zählen für BitMart-Kunden jetzt

Der Ausstieg folgt einem gestaffelten Zeitplan, den Kunden kennen sollten. Bereits am 26. Juli 2026 um 01.30 Uhr UTC hat BitMart neue Registrierungen gestoppt sowie sämtliche Krypto- und Fiat-Einzahlungen ausgesetzt. Wer nach diesem Zeitpunkt noch Guthaben einzahlt, riskiert, dass die Beträge nicht automatisch gutgeschrieben werden. Zugleich wechselten die Futures-Konten in den Reduce-Only-Modus, im Spot-Handel werden keine neuen Orders mehr angenommen, und automatisierte Dienste wie Copy Trading, Grid Trading und der API-Handel werden schrittweise abgeschaltet. Offene Orders müssen Kunden selber stornieren, andernfalls löscht das System sie.

Die entscheidende Frist ist der 26. August 2026. Um 01.00 Uhr UTC stellt BitMart an diesem Tag den gesamten Spot- und Futures-Handel ein. Die Börse empfiehlt, alle Positionen vor diesem Zeitpunkt zu schließen und die Identitätsprüfung abzuschließen. Auszahlungsanträge sollten bis 05.00 Uhr UTC desselben Tages vorliegen. Produkte wie Earn, Staking, Lending und der Launchpad werden nach jeweils eigenen Zeitplänen abgewickelt, die BitMart gesondert bekannt gibt.

Den formalen Schlussstrich zieht die Börse erst am 31. Januar 2027 um 15.59 Uhr UTC. Danach sollen sich Nutzer für eine begrenzte Zeit weiter einloggen können, um Kontoauszüge einzusehen und Auszahlungen anzustoßen. Wer sich darauf verlässt, verschenkt aber Sicherheit, denn je näher der endgültige Termin rückt, desto größer wird der Andrang. Ein früher Ausstieg ist der ruhigere Weg. Praktisch heißt das, offene Orders zu stornieren, Positionen zu schließen, Earn- und Staking-Produkte aufzulösen, die Verifizierung abzuschließen und danach Auszahlung für Auszahlung sorgfältig anzustoßen. Kunden sollten zudem ihre Kontoauszüge sichern, darunter die Ein- und Auszahlungshistorie sowie die Handelsdaten.

Auszahlungen laufen weiter, aber unter Vorbehalt

Anders als bei einem Kollaps bleibt der Auszahlungsdienst bei BitMart zunächst geöffnet. Automatisch läuft er aber nicht. Die Börse behält sich vor, Anträge einer manuellen Prüfung zu unterziehen, die von der KYC-Verifizierung über die Kontrolle von Login-Geräten und IP-Adressen bis zur Prüfung der Auszahlungsadresse, der Mittelherkunft, der Travel-Rule-Vorgaben und von Sanktionslisten reicht. Wichtig zu verstehen ist, dass ein gestellter Antrag noch nicht bedeutet, dass die Coins bereits auf der Blockchain unterwegs sind. Mehrfache Anträge für dieselbe Auszahlung solltest du vermeiden, da sie den Prozess eher verzögern. Vor dem Absenden lohnt ein prüfender Blick auf das gewählte Netzwerk und die Zieladresse.

Wie in solchen Phasen üblich, warnt BitMart zugleich vor Betrügern. Die Börse verlangt weder eine Gebühr für eine beschleunigte Bearbeitung noch für eine angebliche Kontofreischaltung, es gibt keine bevorzugten Auszahlungskanäle, und Mitarbeiter fragen niemals nach Passwörtern, SMS-Codes, dem Google-Authenticator-Code oder deiner Seed-Phrase. Informationen solltest du ausschließlich über die offizielle Website, die offizielle App und die registrierte E-Mail-Adresse beziehen.

Vom 200-Millionen-Hack zum schwindenden Vertrauen

BitMart wurde 2017 von Sheldon Xia gegründet, der zuvor einen Master in Informatik am Stevens Institute of Technology in New Jersey erworben hatte. Betrieben wird die Plattform von der auf den Kaimaninseln ansässigen Gesellschaft bachi.tech. Auf ihrem Höhepunkt warb die Börse mit mehr als neun Millionen Nutzern in über 180 Ländern. Beim Kapital blieb BitMart vergleichsweise schmal aufgestellt. Über zwei Finanzierungsrunden holte das Unternehmen frisches Geld, zuletzt in einer Series-B-Runde am 29. November 2021, die von Alexander Capital Ventures angeführt wurde. Konkrete Summen nannten die Beteiligten nie.

Den tiefsten Einschnitt in der Firmengeschichte markiert der Dezember 2021. Angreifer verschafften sich über einen gestohlenen privaten Schlüssel Zugriff auf zwei Hot Wallets und entwendeten Kryptowerte im Gegenwert von rund 196 Millionen US-Dollar, verteilt auf etwa 100 Millionen auf der Ethereum-Chain und 96 Millionen auf der BNB Chain. Betroffen waren mehr als 20 verschiedene Token, von Shiba Inu bis SafeMoon. Die Diebe schleusten die Beute über den DEX-Aggregator 1inch und den Mixer Tornado Cash, um ihre Spuren zu verwischen. BitMart sagte damals zu, die Verluste aus eigenen Mitteln zu tragen und betroffene Nutzer zu entschädigen. Das Vertrauen aber litt nachhaltig, zumal die US-Handelsbehörde FTC 2022 ihre nach eigenen Angaben erste Krypto-Untersuchung überhaupt gegen BitMart einleitete.

Auch zuletzt mehrten sich die Warnzeichen. Bereits im Mai 2026 und erneut nur einen Tag vor der Ankündigung, am 25. Juli 2026, berichteten Nutzer von verzögerten oder ausgesetzten Auszahlungen. Ein glaubwürdiger Nachweis über ausreichende Reserven, ein sogenannter Proof of Reserves, fehlte der Börse. Genau diese Kombination erklärt, warum der geordnete Rückzug bei vielen Nutzern trotzdem Unbehagen auslöst. Auf ein zuletzt gemeldetes Handelsvolumen von rund 1,6 Milliarden US-Dollar in 24 Stunden kam BitMart zwar noch, ein Schwergewicht war die Börse damit aber längst nicht mehr.

Parallelen zur Schließung von BitMEX

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Nur drei Tage vor BitMart hatte bereits der Derivate-Pionier BitMEX seinen Rückzug verkündet und will den Betrieb am 23. September 2026 einstellen. Die Hintergründe dazu haben wir in einem eigenen Beitrag zur Schließung von BitMEX aufbereitet.

Die Muster ähneln sich auffällig. Beide Börsen begründen ihren Ausstieg vage mit einer strategischen Überprüfung, beide halten die Auszahlungen offen und kündigen zusätzliche Prüfungen an, beide schieben einen Reduce-Only-Modus vor das Handelsende, und beide warnen ausdrücklich vor Betrugsmaschen rund um die Abwicklung. Auch der Termin, ab dem keine neuen Positionen mehr möglich sind, fällt bei beiden auf den 26. August 2026.

Ein wichtiger Unterschied bleibt jedoch, und er ist mehr als eine Fußnote. BitMEX konnte auf eine über elf Jahre saubere Sicherheitsbilanz und einen aktuellen Proof of Reserves verweisen, wonach die Guthaben die Verbindlichkeiten decken. Der Rückzug wirkt dort wie eine solvente, geordnete Abwicklung. BitMart dagegen trägt den Hack von 2021 als Hypothek mit sich, hat keinen belastbaren Reservenachweis vorgelegt und stand unmittelbar vor der Ankündigung wegen stockender Auszahlungen in der Kritik. Für Nutzer heißt das, dass Eile bei BitMart aus unserer Sicht noch etwas dringlicher geboten ist als bei BitMEX.

Wohin mit dem Guthaben?

Sobald die eigenen Coins die Börse verlassen, stellt sich die Frage nach dem Ziel. Für langfristige Bestände ist die eigene Verwahrung in einer Wallet, deren Schlüssel nur der Eigentümer kontrolliert, die naheliegende Wahl, weil der Zugriff dann nicht davon abhängt, ob ein Unternehmen geöffnet bleibt. Wer weiter aktiv handeln möchte, braucht dagegen eine neue Plattform. Welche Anbieter sich wofür eignen, haben wir im Krypto-Börsen-Vergleich gegenübergestellt.

Rückenwind für den Wechsel kommt derzeit von den Börsen selbst, die anlässlich der seit dem 1. Juli 2026 vollständig geltenden EU-Verordnung MiCA gezielt um Wechselwillige werben. OKX zahlt Boni im Rahmen seiner Wechselaktion. Darunter einen Einzahlungsbonus von bis zu 8 Prozent sowie für Neukunden einen Willkommensbonus von bis zu 400 Euro, beides noch bis zum 31. Juli 2026. SwissBorg wirbt im selben Zeitraum mit einem Einzahlungsbonus von bis zu 3 Prozent und weiteren Boni. Beide Aktionen sind an Bedingungen wie eine Mindesteinzahlung, eine abgeschlossene Verifizierung und ein Halten des Guthabens bis zu einem Stichtag geknüpft, die maßgeblichen Details stehen jeweils in den offiziellen Teilnahmebedingungen der Anbieter.

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