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Bitfinex Hack: 3,6 Milliarden USD in Bitcoin sichergestellt

Festnahme Twitter Hack Bitcoin Scam
Symbolbild

  • Das US-Justizministerium gab gestern die Sicherstellung von über 94.000 BTC bekannt.
  • Zwei Tatverdächtige wurden im Zuge der Ermittlungen festgenommen.
  • Es handelt sich dabei um ein Ehepaar, welches mutmaßlich ein komplexes Geflecht zur Geldwäsche aufgebaut haben soll.

Der Hack von Bitfinex im Jahr 2016 gilt als ein entscheidendes Ereignis in der Geschichte von Bitcoin. Dabei gelang es etwas mehr als 119.000 BTC von der Börse zu entwenden, nachdem sich im Jahr 2014 der Skandal um MtGox entwickelte und eine erste Rekordsumme abhanden gekommen war.

Gestern gab das US-Justizministerium bekannt, dass ein Ermittlungserfolg im Zusammenhang mit dem Bitfinex Hack gelungen ist. Ein Ehepaar in Manhattan befand sich im Besitz von Bitcoin im Wert von 3,6 Milliarden US-Dollar, die bei ihrer Festnahme sichergestellt werden konnten. Dabei handelt es sich jedoch nur um einen Teil der Beute, die bei dem Hack entwendet worden ist.

Der Schaden wird insgesamt auf 119.754 BTC beziffert, von denen das Pärchen etwa 25.000 BTC bereits gewaschen haben soll.

Die Private Keys in der Cloud

Die Ermittlungsbehörden betonten im Zusammenhang mit dem Erfolg, dass Kryptowährungen kein Versteck für Kriminelle bieten können. Das Paar soll über ein komplexes Geflecht von automatisierten Transaktionen und mit falschen Identitäten nach und nach immer mehr Bitcoin gewaschen haben. Dazu verwendeten sie mutmaßlich auch Geschäftskonten in den USA.

Es gibt daher ein eher überraschendes Bild ab, wenn man bedenkt, dass der Ermittlungserfolg u. a. deshalb gelungen ist, weil der Zugang zu dem unglaublichen Vermögen wohl eher nachlässig abgespeichert wurde. Laut dem Bericht des US-Justizministeriums zufolge lagen die Private Keys in einem Cloud-Speicher, was ihre Sicherstellung erst ermöglichte.

Den beiden mutmaßlichen Tätern wird nun Geldwäsche vorgeworfen, nicht aber die Ausführung des eigentlichen Hacks im Jahr 2016. Dazu dauern die Ermittlungen bislang noch an. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen bis zu 20 Jahren Haftstrafe. Beide wurden gegen Kaution und einer Reihe von Auflagen zunächst wieder auf freien Fuß gesetzt.

Schriller Rap versetzt Social Media ins Staunen

Anders als in Deutschland ist es in den USA üblich, dass die Namen von Tatverdächtigen veröffentlicht werden. Das führte die globale Crypto-Community schnell auf die Social Media Konten der mutmaßlichen Täter.

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Neben der Offenbarung, dass sich beide als erfolgreiche Unternehmer präsentierten, gab es auch eine Überraschung in Hinblick auf die künstlerische Betätigung der mutmaßlichen Täterin. Unter dem Künstlernamen Razzlekhan veröffentlichte sie eine Reihe von Rapvideos, die eher skurril anmuten.

Viele Kommentatoren sind erstaunt oder amüsiert, dass ausgerechnet eine so schillernde Persönlichkeit im Zusammenhang mit diesem Verbrechen stehen soll. Außerdem war die Tatverdächtige in der Vergangenheit als Autorin für Forbes aktiv und stand somit konstant in der Öffentlichkeit.

Wer bekommt die 94.000 Bitcoins?

Neben der kurzweiligen Unterhaltung, wer die Tatbeschuldigten sind und was sie in den letzten Jahren mit ihrem Leben anstellten, steht eine Frage im Raum, die noch wichtiger ist. Denn die verbliebenen 94.000 BTC und das sichergestellte Bargeld gehören den Opfern.

Schnell meldete sich die Bitcoin-Börse Bitfinex via Twitter und meldete Ansprüche als geschädigte Partei an. Sollte die Börse die gestohlenen Bitcoins zugesprochen bekommen, dann will man rund 80 % der Summe für den Rückkauf von LEO Token verwenden und diese am Ende verbrennen. Das katapultierte den LEO-Kurs in den letzten 24 Stunden um etwas mehr als 50 % in die Höhe.

Bei LEO handelt es sich um den Exchange-Token von Bitfinex, der in einer IEO verkauft wurde. Neben Vergünstigungen für Trader, sollte der Tokensale die Löcher in den Kassen der Börse stopfen. Dabei litt die Börse im Jahr 2019 nicht nur unter dem Verlust des Hacks, sondern verlor außerdem rund 800 Millionen US-Dollar im Skandal rund um Crypto Capital.