Das Ethereum-Layer-2-Netzwerk Base veröffentlicht am 25. Juni 2026 sein zweites großes Protokoll-Upgrade namens Beryl. Es bringt einen nativen Token-Standard, kürzere Wartezeiten beim Brücken von Vermögenswerten zurück nach Ethereum und eine deutlich effizientere Node-Software.
Was ist Beryl und wer steckt dahinter?
Base ist das von Coinbase entwickelte und betriebene Layer-2-Netzwerk auf Basis des OP-Stacks. Ein Layer-2-Netzwerk ist eine zweite Schicht über Ethereum, die Transaktionen bündelt und deutlich günstiger sowie schneller abwickelt als die eigentliche Ethereum-Blockchain. Erst Ende Mai 2026 hatte das Team das Vorgänger-Upgrade Azul auf dem Mainnet aktiviert. Azul legte mit einem neuen Multiproof-System und einer überarbeiteten Client-Architektur das technische Fundament, auf dem Beryl jetzt aufbaut.
Ein Multiproof-System kombiniert verschiedene Beweisverfahren, um die Gültigkeit von Transaktionen abzusichern. Base nutzt dabei zwei Ansätze parallel, nämlich sogenannte TEE-Proofs, die auf gesicherter Hardware-Ausführungsumgebung basieren, und ZK-Proofs, die mathematisch die Korrektheit einer Transaktion nachweisen, ohne den Inhalt offenzulegen.
Beryl soll laut dem Base Engineering Team bereits vier Wochen nach Azul live gehen. Das Team bezeichnet dieses Tempo ausdrücklich als Beweis dafür, wie viel schneller sich Upgrades mit dem eigenen Base Stack umsetzen lassen. Der Testnet-Start auf dem Sepolia-Testnetz erfolgte heute am 19. Juni 2026, die Aktivierung auf dem Mainnet ist für den 25. Juni 2026 geplant.
Mit B20 kommt ein nativer Token-Standard
Das technisch bedeutsamste Novum in Beryl ist der B20-Standard. Um zu verstehen, was ihn besonders macht, hilft ein kurzer Blick darauf, wie Token bislang funktionieren. Herkömmliche Token auf Ethereum laufen als Smart Contracts. Das sind selbst ausführende Programme, die auf der Ethereum Virtual Machine (EVM) laufen. Jede Transaktion durchläuft dabei eine Interpretationsschicht, was Rechenzeit und Gebühren kostet.
B20-Token funktionieren anders. Ihre Logik ist als sogenannter Precompile direkt in die Node-Software eingebettet. Der Code läuft nativ in der Ausführungsumgebung der Nodes, geschrieben in Rust, ohne den Umweg über EVM-Bytecode. Das macht Transfers laut Base rund 50 Prozent günstiger und soll den möglichen Durchsatz verdoppeln.
Gleichzeitig bleibt B20 vollständig kompatibel mit dem weit verbreiteten ERC-20-Standard. Bestehende Wallets, Börsen und DeFi-Protokolle können B20-Token also ohne jede Anpassung verarbeiten.
Gedacht ist B20 vor allem für Emittenten regulierter Vermögenswerte, daher Stablecoins, Real-World Assets sowie Long-Tail-Token.
Ein mitgeliefertes Issuer-Toolkit stellt fertige Compliance-Bausteine bereit, die Emittenten bisher von Grund auf selbst programmieren mussten. Dazu gehören rollenbasierte Zugriffsrechte, Transferbeschränkungen per Allowlist und Blocklist, das Einfrieren und Einziehen von Guthaben, Transaktions-Memos sowie Obergrenzen für den Emittenten.
Zwei Varianten stehen ab sofort zur Verfügung, nämlich ein allgemeines „Asset“-Template für Vermögenswerte aller Art und ein spezialisiertes „Stablecoin“-Template mit fixem 6-Dezimalformat und frei definierbarem Währungscode.
Für die Zukunft kündigt Base weitere Funktionen an. Dazu zählt die Möglichkeit, Gasgebühren direkt in einem B20-Token zu bezahlen, sodass Nutzer kein ETH mehr benötigen. Auch virtuelle Einzahladressen, die auf ein gemeinsames Konto weiterleiten, sowie der direkte Abruf von Guthaben und Transferhistorie über den Base Node ohne externen Indexer stehen auf der Roadmap.
Kürzere Auszahlungswartezeit: Von sieben auf fünf Tage
Wer Vermögenswerte von Base zurück nach Ethereum transferieren möchte, muss nach dem Einleiten einer Auszahlung warten, bis diese endgültig abgeschlossen ist. Dieser Vorgang wird als Withdrawal Finalization bezeichnet. Bisher betrug die Wartezeit auf dem Standardpfad sieben Tage.
Dieser lange Zeitraum stammt noch aus der Zeit des alten Fault-Proof-Systems. Damals musste das Protokoll ausreichend Zeit lassen, fehlerhafte Transaktionen anzufechten, bevor eine Auszahlung irreversibel wurde.
Das mit Azul eingeführte Multiproof-System hat diese Logik grundlegend verändert. Statt passiv auf Widersprüche zu warten, muss nun ein aktiver Beweis vorliegen, damit eine Auszahlung finalisiert werden kann. Die verbleibende Wartephase dient nur noch dazu, fehlerhafte Prüfer zu erkennen und zu deaktivieren, bevor Gelder abfließen.
Beryl senkt die Standardwartezeit auf diesem Pfad daher auf fünf Tage. Der schnelle Multiproof-Pfad, bei dem TEE- und ZK-Proof gemeinsam übereinstimmen, kann Auszahlungen bereits in einem Tag abschließen und bleibt unverändert bestehen. Base plant, die Wartezeit schrittweise weiter zu senken, sobald die eigenen Monitoring- und Prüfsysteme ausgereift genug sind.
Praktisch profitieren davon vor allem Liquiditätsanbieter und Bridge-Betreiber, die ihr gebundenes Kapital zwei Tage früher wieder einsetzen können.
Reth V2: Weniger Speicherbedarf, mehr Durchsatz
Das dritte Element von Beryl ist ein Update der Node-Software auf Reth V2. Reth ist ein in Rust geschriebener Ethereum-Execution-Client und seit dem Azul-Upgrade der einzige von Base offiziell unterstützte Client dieser Art. Ein Execution Client ist die Software, die auf einem Node läuft und Transaktionen verarbeitet, den Zustand der Chain verwaltet und neue Blöcke ausführt.
Reth V2 adressiert die zwei größten Engpässe bei hochfrequentierten Chains, nämlich den Festplattenbedarf und die Geschwindigkeit bei der Berechnung von State Roots. State Roots sind kryptografische Zusammenfassungen des gesamten Netzwerkzustands zu einem bestimmten Zeitpunkt. Sie sind für die Sicherheit und Verifizierbarkeit der Chain unverzichtbar, aber auch rechenintensiv.
Die neue Version soll den Festplattenverbrauch um bis zu 50 Prozent senken und den Durchsatz durch eine neu geschriebene State-Root-Pipeline um rund 33 Prozent erhöhen. Das macht den Betrieb eines eigenen Nodes günstiger und senkt die Einstiegshürde für Operatoren, die eigene Infrastruktur betreiben möchten. In Zeiten steigender Speicherpreise also ein echter Segen für die Infrastrukturbetreiber.
Was bedeutet Beryl für Base und den Markt?
Base gehört derzeit zu den größten Ethereum-Layer-2-Netzwerken. Mit rund 4,4 Milliarden US-Dollar in Total Value Locked (Stand Ende Mai 2026) und einer Stablecoin-Marktkapitalisierung von knapp 5 Milliarden US-Dollar ist es insbesondere für USDC die wichtigste Layer-2-Destination.
Der B20-Standard richtet sich direkt an Stablecoin- und RWA-Emittenten und positioniert Base als Infrastrukturplattform für regulierte digitale Vermögenswerte. Dieses Segment gewinnt durch die fortschreitende institutionelle Adoption und Regulierungsrahmen wie MiCA in der EU zunehmend an Bedeutung. MiCA ist die europäische Verordnung über Märkte für Kryptowerte, die seit 2024 schrittweise in Kraft getreten ist und erstmals einheitliche Regeln für die Ausgabe und den Handel von Token in der EU schafft.
Parallel zur technischen Entwicklung kursieren in der Community Spekulationen über einen möglichen nativen Base-Token schon relativ lange. Der B20-Standard wäre technisch geeignet, um einen solchen Token auszugeben. Sogenannte Prediction Markets, also Wettmärkte auf denen Marktteilnehmer Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Ereignisse handeln, bewerten die Chance eines Token-Launches bis Ende 2026 derzeit mit rund 28 Prozent. Base und Coinbase haben sich dazu bislang nicht verbindlich geäußert, sodass ein Launch nach wie vor reine Spekulation bleibt.
Beryl ist nicht das letzte geplante Upgrade des Jahres. Laut Base-Roadmap soll im September 2026 das nächste Release namens Cobalt folgen. Angekündigt sind dafür unter anderem native Account Abstraction sowie weitere Erweiterungen des B20-Standards. Ob der Zeitplan gehalten wird, bleibt abzuwarten.

