Arthur Hayes, Mitgründer der Derivatebörse BitMEX, ist für seine pointierten und oft provokanten Marktanalysen bekannt. In einem aktuellen Blogbeitrag zeichnet er ein Szenario, in dem der Bitcoin-Kurs bis Ende 2025 auf 250.000 US-Dollar steigen könnte. Doch wie sieht seine Argumentation aus und welche Aspekte sind kritisch zu betrachten?
Laut Hayes hat die US-Notenbank ihren geldpolitischen Kurs geändert: Sie reduziert das Tempo der quantitativen Straffung und bereitet möglicherweise sogar ein Comeback der quantitativen Lockerung vor. Die Ankündigung, ab April 2025 weniger US-Staatsanleihen aus dem Bestand abzuverkaufen, deutet für ihn auf eine bevorstehende geldpolitische Wende hin. Sobald die Fed beginnt, wieder aktiv Anleihen zu kaufen, führt dies zu einem Anstieg der Dollar-Liquidität – laut Hayes ein klassisch bullishes Signal für Bitcoin.
Zudem sieht er die Fed zunehmend in der Rolle eines „Erfüllungsgehilfen“ der US-Regierung. Hayes beschreibt die Beziehung zwischen Jerome Powell und dem Finanzminister Scott Bessent als Machtverhältnis mit klaren Dominanzstrukturen. Wenn es also um die Refinanzierung der rekordhohen Staatsverschuldung geht, hat die Fed keine andere Wahl, als zu gehorchen – und damit ihre geldpolitische Unabhängigkeit preiszugeben.
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Ist der Richtungswechsel mathematisch notwendig?
Selbst wenn die US-Regierung das Defizit von aktuell ca. 7 % des BIP auf 3 % senken kann, bleibt sie ein permanenter Schuldner. Die Zinslast auf die Staatsschulden wächst weiter. Damit das System tragfähig bleibt, braucht es langfristig niedrige Zinsen – und ständig neue Käufer für Staatsanleihen. Hayes argumentiert, dass nur noch die Fed und US-Banken als Käufer in Frage kommen. Diese müssten mit frisch geschaffenem Geld kaufen, was de facto eine indirekte Staatsfinanzierung bedeutet.
Dabei zieht er Parallelen zur Finanzkrise 2008. Auch damals reagierten Gold und Aktien positiv auf den Start von QE, wobei Gold deutlich früher ansprang. Bitcoin gab es damals noch nicht, aber heute sieht er das Ökosystem bereit, ähnlich zu reagieren. In einem Umfeld wachsender Geldmenge, fiskalischer Dominanz und geopolitischer Unsicherheit werde Bitcoin als „digitales Gold“ profitieren.
Hayes nennt sogar ein konkretes Kursziel: 250.000 US-Dollar bis Jahresende, mit einem Zwischenschritt über 110.000 US-Dollar. Sein Investmentunternehmen Maelstrom soll laut seinen Angaben zwischen 76.500 und 90.000 USD bereits Bitcoin und Altcoins investiert haben.
Warum dieser Spielplan nicht aufgehen muss
Was Hayes in seiner Analyse ausblendet, ist die nachgewiesene Unabhängigkeit der US-Notenbank. So erhöhte Paul Volcker Anfang der 1980er Jahre die Zinsen drastisch, um die Inflation zu bekämpfen – trotz politischem Gegenwind aus dem Weißen Haus unter Ronald Reagan. Auch unter Donald Trump blieb die Fed während seiner ersten Amtszeit standhaft: Weder Janet Yellen noch Jerome Powell ließen sich von öffentlichem Druck zu Zinssenkungen bewegen, obwohl Trump sie scharf kritisierte. Selbst während der Corona-Pandemie reagierte die Fed nicht auf politische Wunschvorstellungen, sondern leitete aus eigenem Antrieb den geldpolitischen Kurswechsel ein, als die Inflation anzog. Diese Beispiele zeigen: Die Fed trifft ihre Entscheidungen in der Regel unabhängig – auch gegen kurzfristige Interessen der Spitzenpolitik.
Hayes überbewertet das konstatierte Machtgefälle und wenn die Inflation trotzdem anzieht, dann kann die Fed nicht einfach unbegrenzt Geld drucken, ohne ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren. Es gibt also keine Garantie für ein echtes QE-Comeback.
Stattdessen kann die US-Regierung auch mit Steuererhöhungen reagieren oder mit Zöllen, die bereits seit Amtsantritt von Donald Trump ein großes Thema sind. Eine weitere Option sind neue Steuern, obgleich das in den USA nicht sonderlich gut ankommen wird. Daher sind neue und steigende Zölle zur Refinanzierung deutlich wahrscheinlicher. Am Ende werden diese Kosten zwar auf die Verbraucher umgelegt, aber das Weiße Haus kann seine Hände in Unschuld waschen, denn die Zölle betreffen auf dem Papier nur das Ausland.
Eine weitere Maßnahme, die eine Alternative zu QE darstellt, ist die Einsparung von Kosten. Hier ist die US-Regierung mit DOGE bereits aktiv geworden und auch wenn die Aktivitäten von Elon Musk kontrovers diskutiert werden, hat noch gar kein Kahlschlag im US-Haushalt begonnen. Der politische Druck auf die EU spielt dabei ebenfalls eine Rolle. Denn das militärische Engagement in Europa verschlingt Unsummen und der US-Verteidigungshaushalt gehört zu den größten diskretionären Posten. Wenn die Europäer aufrüsten, dann kann das US-Militär wenigstens regional seine Auslastung reduzieren und sich gleichzeitig anderen Krisenherden zuwenden.
Bevor also die Fed bemüht wird, könnte es sehr gut sein, dass alle den Gürtel enger schnallen müssen.