Regulierung

Verschwinden Monero und Co. bald aus Europa?

Monero CipherTrace
© Michaela Richter, Bitcoin-Kurier

  • Binance nimmt Privacy-Coins in mehreren Ländern aus dem Programm.
  • In anderen Ländern sind diese Coins bereits geächtet.
  • In Europa könnte ihnen aufgrund von MiCA ein ähnliches Schicksal drohen.

Binance nimmt in Frankreich, Spanien, Polen und Italien eine ganze Reihe von sogenannten Privacy-Coins aus dem Programm. Dies betrifft Monero (XMR), Zcash (ZEC), Decred (DCR), Dash (DASH), Horizen (ZEN), PIVX (PIVX), Navcoin (NAV), Secret (SCRT), Verge (XVG), Firo (FIRO), Beam (BEAM), und MobileCoin (MOB).

Diesen Kryptowährungen ist gemein, dass sie den Datenschutz besonders ernst nehmen. Daher verbergen sie Transaktionsdetails und Wallet-Salden, um eine Auswertung durch Dritte zu verhindern oder wenigstens zu erschweren. Auch Kriminelle machen von dieser Möglichkeit regen Gebrauch. Insbesondere Darknet-Marktplätze profitieren gerne von dem Datenschutz.

Deswegen stehen diese Kryptowährungen immer wieder in der Kritik, denn Regulatoren und Strafverfolgungsbehörden möchten gerne jederzeit Einblick in die Transaktionshistorien von Anlegern bekommen. Ein Luxus, der in dieser Form zwar nicht mit Bankkonten möglich ist, der aber ein Feature der Blockchain-Technologie von Bitcoin darstellt. Denn eine lückenlose Überprüfung soll u. a. sicherstellen, dass Transaktionen und Geldmenge nicht manipuliert werden können.

Verschwinden Privacy-Coins bald aus Europa?

Grundsätzlich besteht kein Grund, diese Kategorie der Kryptowährungen auszuschließen. Zum einen ist der Datenschutz nicht bei allen Coins im gleichen Umfang gegeben, was es durchaus ermöglicht, Transaktionen mit entsprechenden Tools zu tracken. Diese werden von Unternehmen wie Chainalysis bereitgestellt und auch von Behörden eingesetzt.

Zum anderen kann von den Anlegern jederzeit ein Nachweis verlangt werden. So gilt Monero zwar als der Königsweg, um Privatsphäre herzustellen, doch dort gibt es einen View Key. Dieser kann jederzeit übermittelt und im Wesentlichen verwendet werden, um die komplette Transaktionshistorie offenzulegen.

Auch aus rechtlicher Sicht gibt es noch keinen zwingenden Grund, die Coins in die Verbannung zu schicken. Doch dies wird sich in der EU bald ändern, weil die bejubelte Regulierung durch MiCA in diesem Zusammenhang Auflagen erteilt:

„In den Betriebsvorschriften der Handelsplattform für Kryptowerte wird die Zulassung von Kryptowerten mit eingebauter Anonymisierungsfunktion zum Handel ausgeschlossen, es sei denn, die Anbieter von Krypto-Dienstleistungen, die für den Betrieb einer Handelsplattform für Kryptowerte zugelassen sind, oder die zuständigen Behörden können die Inhaber der Kryptowerte und ihre Transaktionshistorie identifizieren.“

MiCA, EUR-Lex

Hier steckt der Teufel also im Detail. Ein grundsätzliches Verbot gibt es zwar nicht, aber Börsen und Broker müssen einen erheblichen Aufwand leisten, um die rechtmäßigen Inhaber und deren Transaktionshistorie eindeutig und sicher zu bestimmen.

Wie wirkt sich das auf den Markt aus?

Es gilt also zu erwarten, dass Privacy-Coins erhebliche Einschränkungen im börslichen Handel erleben werden. Anbieter, welche die Auflagen nicht erfüllen können oder wollen, werden den Handel mit diesen Kryptos aussetzen müssen.

Daher wird sich der Tauschhandel von Privacy-Coins gegen andere Kryptowährungen auf Plattformen verlagern, die ihren Sitz im Ausland haben. Sogenannte Fiat-Rampen, daher Plattformen, welche den Kauf oder Verkauf gegen staatliche Währungen ermöglichen, dürften dann im Peer-to-Peer-Geschäft angesiedelt sein.

Damit werden die Privacy-Coins also nicht verschwinden, aber das Geschäft damit wird sich wahrscheinlich dauerhaft verlagern.

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