Ethereum

Sorge um Ethereum: Wird die Zensur zum Standard?

Feigenblatt

  • Ein großer Teil der Validatoren setzt die Sanktionen des OFAC um.
  • Damit werden Transaktionen zunehmend zensiert, was noch unproblematisch ist.
  • Dies gibt Grund zur Sorge, dass die Zensur auf Ethereum zum Standard werden könnte.

Offen, dezentral, erlaubnisfrei und zensurresistent. Das ist nicht nur ein technologisches Versprechen, sondern ein Ethos, welches von Bitcoin eingelöst bzw. vertreten wird. Auch Ethereum sieht sich diesen Werten eng verbunden, sollen sie doch gewährleisten, dass Finanzdienstleistungen unterschiedslos für jeden Menschen auf der Welt zugänglich sind.

Seitdem das OFAC jedoch damit begonnen hat, Sanktionen gegen Tornado Cash in die Tat umzusetzen, wird dieses Bild jedoch infrage gestellt. Laut dem Webportal MEV Watch sind es mehr als 51 % aller produzierten Blöcke, die sich an den Sanktionen beteiligen. Dementsprechend klammern sie alle Transaktionen aus, die im Zusammenhang mit dem Ethereum-Mixer stehen. Vor dem Merge zeigten einige Mining-Pools ein ähnliches Verhalten.

Rund 7 % aller Blöcke stammen von Relays, die nicht an den Sanktionen teilnehmen. Der Rest hat MEV-Boost erst gar nicht aktiviert. Damit zeigt sich, dass die Zensur auf Ethereum Ausmaße annimmt, die für Besorgnis sorgen. Denn die Schützenhilfe bei der Umsetzung von Sanktionen könnte in Zukunft bedeuten, dass man auch bei anderen Gelegenheiten in Übereinstimmung mit staatlichen Stellen handeln wird. Was wäre, wenn die nächste Sanktionsliste keine nordkoreanischen Hacker betrifft, sondern Oppositionelle? Welche Nationen haben einen Anspruch darauf, mit ihren behördlichen Ansinnen ernst genommen zu werden? Nur die USA und die Länder Europas oder beispielsweise auch der Iran oder China?

Resistenz ist kein absoluter Schutz

Sanktionslisten sind nicht das einzige Problem, sondern auch Regulatoren, welche die Macher von Protokollen und Applikationen zunehmend in die Pflicht nehmen. Wer mit DeFi interagiert, muss sich zwar nicht ausweisen, wird aber aufmerksam getrackt, was in Zukunft in Art und Umfang ebenfalls zunehmen dürfte.

Man kann Ethereum aber zugutehalten, dass Zensurresistenz eben keinen absoluten Schutz bedeutet. Im Kern wird auch Bitcoin über Blockchain-Analyse indirekt zensiert. Dass die Zensur jedoch auf Ebene der Konsensschicht stattfindet, ist neu und ein Tabubruch.

Ob Ethereum also zukünftig resistent bleibt oder sich diese Entwicklung fortsetzt und schlicht durch staatliche oder gar politische Interessen vereinnahmt werden kann, bleibt abzuwarten.

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