Recht

Nexo im Visier der US-Behörden, droht die Insolvenz?

Gerichtsgebäude

  • In acht US-Bundesstaaten gehen Aufsichtsbehörden gegen Nexo vor.
  • Sie monieren, dass die Zinskonten nicht registrierte Wertpapiere darstellen.
  • Gleichzeitig stellen sie die internen Audits von Nexo in Frage, was indirekt eine Insolvenz nahelegt.

CeFi-Lender haben einen schlechten Ruf, denn bislang sind alle Anbieter in eine Schieflage geraten, die ursächlich durch den Zusammenbruch von Terra bedingt war. Nexo war bislang nicht in die Schlagzeilen geraten und blieb zahlungsfähig.

Doch die Behörden in New York, Kalifornien, Kentucky, Maryland, Oklahoma, South Carolina, Washington und Vermont schlagen Alarm und gehen gegen Nexo vor. Denn das von Nexo angebotene Finanzprodukt unter der Rubrik „Earn“ ist ihrer Auffassung nach, ein nicht registriertes Wertpapier. Anleger können bis zu 36 % p. a. damit verdienen. Die Folge sind heftige Bußgelder, die Nexo zahlen soll. Washington verlangt 1 Million US-Dollar, in South Carolina sind es 625.000 US-Dollar und in Maryland will man 5.000 US-Dollar pro Verstoß.

In New York sind die Vorwürfe ein ganzes Stück drastischer, denn dort führte man vor Jahren ein eigenes Lizenzsystem für Krypto-Anbieter ein. Dass Nexo von sich behauptet, ein regulierter und lizenzierter Anbieter zu sein, ist der New Yorker Staatsanwaltschaft ein Dorn im Auge. Denn die sogenannte „BitLicense“ liegt für Nexo dort nicht vor. Erneut ist es die Staatsanwältin Letitia James, die Anklage erhebt und bereits Erfahrung mit der Krypto-Branche sammeln durfte. James klagte in der Vergangenheit auch BitFinex und die angeschlossenen Firmen an. Im Juni las James dem CeFi-Lender BlockFi die Leviten und das Unternehmen musste eine Strafe in Höhe von 1 Million US-Dollar zahlen.

Ist Nexo insolvent?

Am Ende könnte es aber nicht nur darum gehen, ob und wo Nexo seine Finanzprodukte hätte anbieten dürfen, sondern auch, wie es um die Finanzen des Unternehmens bestellt ist. Denn die Behörden haben Zweifel an einem Audit, welches Nexo durch die Armanino LLP im Jahr 2021 in Auftrag gab.

Dieses Echtzeitaudit soll fortlaufend belegen, dass Nexo finanziell stabil aufgestellt ist. Tatsächlich lässt sich aus der Anklageschrift in Washington herauslesen, dass die dortige Aufsichtsbehörde ernsthafte Zweifel daran hat.

Es könnte ein Zerrbild entstanden sein, weil u. a. nicht berücksichtigt wurde, wie liquide der Markt für die Assets ist, die Nexo mit in die Berechnung einfließen lässt. Der Vorwurf der Behörde ist, dass Nexo dadurch Anleger getäuscht hat, die in dem Glauben gelassen wurden, dass ihren digitalen Assets in sicheren Händen sind. Hierbei spielt aus Sicht der Behörde ebenfalls die Kommunikation im Sommer 2022 eine Rolle. Während der Konkurrent Celsius Network mit Pauken und Trompeten unterging, verkündete Nexo via Twitter, dass alle Assets sicher sind und volle Deckung besteht. Dies geschah mit dem Hinweis auf das fragliche Audit.

Wenn die Darstellung der Washingtoner Behörde korrekt ist und sich der Zweifel bestätigen sollte, dann könnte es sein, dass Nexo vielleicht sogar insolvent ist. Für Anleger bedeutet das, dass sie vorsichtig mit Nexo umgehen sollten, denn bis die fehlenden Eckdaten nicht auf dem Tisch liegen oder die Vorwürfe geklärt sind, sind die Finanzen von Nexo nicht durchschaubar.

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