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HYPE kommt an die Börse: 21Shares bringt den ersten Hyperliquid-ETF in die USA

Hyperliquid
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Frisches Geld aus der Tradfi-Welt für einen der aufregendsten DeFi-Protokolle der letzten Jahre: 21Shares hat am 12. Mai 2026 mit dem THYP und dem gehebelten TXXH die ersten US-amerikanischen ETFs aufgelegt, die den HYPE-Token von Hyperliquid abbilden. Für institutionelle Anleger, die bislang keinen regulierten Zugang zu HYPE hatten, markiert das einen echten Wendepunkt.

Was steckt hinter THYP?

Das 21Shares Hyperliquid ETF (THYP) ist darauf ausgelegt, den Kurs von HYPE zu tracken, einem dezentralen Krypto-Asset, das vollständig auf seiner eigenen Blockchain, der Hyperliquid Chain, operiert.

THYP ist ein Grantor Trust, der an der Nasdaq notiert und HYPE direkt hält, also nicht über Derivate oder synthetische Strukturen. Anleger, die Anteile über ein reguläres Brokerage-Konto kaufen, erhalten indirekte Preisexposition gegenüber HYPE, mit einer jährlichen Sponsorgebühr von 0,30 Prozent.

Der besondere Clou ist das Staking-Element: Der Trust darf zwischen 30 und 70 Prozent seiner HYPE-Bestände über den Infrastrukturanbieter Figment Inc. staken. Die Staking-Rewards werden dabei zu rund 70 Prozent dem Trust gutgeschrieben und zu 30 Prozent an den Anbieter weitergegeben. Investoren können also nicht nur an Kurssteigerungen teilhaben, sondern auch an den laufenden Einnahmen des Netzwerks.

Daneben hat 21Shares mit TXXH auch ein gehebeltes Produkt im Angebot: Das 21Shares 2x Long Hyperliquid ETF (TXXH) ist ein gehebelter Fonds für Anleger, die eine verstärkte Partizipation an den Kursbewegungen von HYPE suchen.

Hyperliquid: Mehr als ein Hype

Wer nur den Namen hört, könnte HYPE für ein weiteres spekulatives Altcoin-Projekt halten. Ein Blick auf die Fundamentaldaten zeigt jedoch, dass Hyperliquid auf einem echten Geschäftsmodell aufbaut.

Hyperliquid vereint mittlerweile mehr als 50 Prozent des Open Interest an dezentralen Perpetual-Futures und verzeichnet ein tägliches Handelsvolumen von rund 8 Milliarden US-Dollar. Andres Valencia, EVP Investment Management bei 21Shares, spricht von einem weltweiten Liquiditätszentrum für dezentrale Derivate mit mehr als 4 Billionen US-Dollar kumuliertem Handelsvolumen seit dem Start.

Das Protokoll erwirtschaftet monatlich über 56 Millionen US-Dollar an Handelsgebühren. Mehr als 95 Prozent dieser Einnahmen fließen in tägliche Open-Market-Rückkäufe des HYPE-Tokens. Über eine Milliarde US-Dollar an Token wurden auf diesem Weg bereits zurückgekauft. Ein wichtiges Detail für Anleger: Hyperliquid hat bewusst auf Venture-Capital-Finanzierung verzichtet. Mehr als 76 Prozent der Token wurden der Community zugeteilt, und die Team-Token sind bis 2028 gesperrt.

Technisch setzt Hyperliquid auf einen vollständig On-Chain-Ansatz mit Echtzeit-Orderbuch, der externe Oracles überflüssig macht. Mit HyperEVM können externe Entwickler zudem eigene Applikationen auf der Hyperliquid Chain aufbauen, was das Protokoll von einer reinen Trading-Plattform zu einem vollständigen dezentralen Finanzinfrastruktur-Stack macht.

Marktauswirkungen: Neue Käufer, weniger Angebot

Am ersten Handelstag erzielte THYP ein Volumen von rund 1,8 Millionen US-Dollar. Das klingt zunächst überschaubar verglichen mit den Milliardenvolumen der Bitcoin-ETFs. Doch der entscheidende Effekt liegt woanders.

Durch die Nasdaq-Notierung entsteht eine neue Kategorie von Käufern, die bislang keinen regulierten Zugang zu HYPE hatten. Dieser neue Nachfragekanal kombiniert sich mit dem Supply-Mechanismus des Trusts: Jedes neu geschaffene Anteilspaket entzieht dem freien Markt weiteres HYPE.

Damit ist THYP mehr als ein Anlageprodukt. Es ist ein struktureller Eingriff in die Marktdynamik von HYPE. Gleichzeitig ist 21Shares nicht allein: Auch Bitwise und Grayscale haben konkurrierende Spot-HYPE-ETFs unter den Tickern BHYP und GHYP eingereicht. Wenn alle drei Produkte aktiv Zuflüsse anziehen, dürfte der kombinierte Kaufdruck erheblich sein.

Für das breitere Ökosystem ist THYP ein wichtiger Test dafür, wie weit traditionelle Anleger bereit sind, in jüngere Digital-Asset-Protokolle zu investieren. Sollte der Fonds nennenswerte Zuflüsse verbuchen, könnte das zukünftige ETF-Genehmigungen für weitere DeFi-Protokolle erleichtern.

Die Risiken sind nicht zu unterschätzen

Trotz der starken Fundamentaldaten gilt: HYPE bleibt ein hochvolatiler Vermögenswert. Der Prospekt weist explizit darauf hin, dass THYP für Anleger ungeeignet ist, die sich einen Totalverlust nicht leisten können. Die annualisierte Volatilität des Tokens liegt über 126 Prozent. Hinzu kommen Staking-Lockup-Perioden zwischen einem und sieben Tagen sowie die regulatorisch noch ungeklärte Behandlung von Staking-Erträgen.

THYP ist unterm Strich kein Bitcoin-ETF-Klon. Strenggenommen handelt es sich nicht um einen klassischen ETF, sondern um ein börsengehandeltes ETP in Form eines Grantor Trusts, das anderen regulatorischen Anforderungen unterliegt und weniger Anlegerschutzmechanismen bietet, dafür aber die direkte Hinterlegung von Tokens sowie Staking ermöglicht. Es ist das erste Mal, dass ein US-ETF ein vollständig on-chain operierendes DeFi-Protokoll mit eigenem Cashflow-Modell abbildet. Das Signal an den Markt ist klar: Die ETF-Industrie traut sich immer tiefer ins dezentrale Finanzwesen. Ob HYPE sich langfristig als ernstzunehmender Baustein in institutionellen Portfolios etabliert, hängt davon ab, ob Hyperliquid seinen technologischen Vorsprung halten und seine Dominanz im Derivatehandel verteidigen kann.

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