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Großangelegte Sammelklage: Eine Kanzlei attackiert die Krypto-Industrie

Klage gegen Krypto-Industrie
Bildquelle: skeeze, pixapay.com

Lesedauer für den Artikel: 3 Minuten

Erst diese Woche warnte die chinesische Aufsichtsbehörde NIFA vor manipulierten Krypto-Märkten und nur wenige Tage danach, wird die Industrie von dem nächsten heftigen Schlag erschüttert. Eine Anwaltskanzlei mit Sitz in New York und Miami, reicht einen ganzen Stoß von Sammelklagen ein und die Liste der Beschuldigten und der Anschuldigungen ist lang.

Neben der HDR Global Trading, das Unternehmen hinter BitMEX, adressieren die Anwälte auch Klagen an Binance, Civic, Block.one, KayDex, Quantstamp, die TRON Foundation, BiBox, KuCoin und BProtocol. Teilweise richten sich die Klagen auch gegen einzelne Personen, die als Geschäftsführer oder Inhaber der Unternehmen fungieren.

Darunter Binance CEO Changpeng „CZ“ Zhao, Dan Larimer, Brendan Blumer und Civic Gründer Vinny Lingham.

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Roche Cyrulnik Freedman LLP macht sich einen Namen

Die Kanzlei, welche die Kläger vertritt, ist keine unbekannte Größe im Krypto-Space. Die Anwälte der „Roche Cyrulnik Freedman LLP“ vertreten auch die Erben von David Kleiman im Verfahren gegen Craig Wright. Außerdem sind die Anwälte an der Sammelklage gegen Bitfinex beteiligt, auch hier klagt man, weil der Markt angeblich durch die Börse manipuliert wurde.

Die Vorwürfe gegen die einzelnen Beklagten sind zahlreich. Im Wesentlichen stützen sie sich aber darauf, dass die beklagten Unternehmen nicht registrierte Wertpapiere an US-Kunden verkauft haben sollen. Damit geht aber auch gleichzeitig einher, dass die entsprechenden Kryptowährungen und Token als nicht registrierte Wertpapiere einzustufen sind.

Somit sorgen die Klagen für sehr viel Zündstoff. Es ist absehbar, dass es darum gehen wird, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Fast alle Unternehmen sitzen in Übersee und die meisten schliessen den Handel mit US-Bürgern aus. Auch die rechtliche Einordnung der Token und Kryptowährungen wird eine spannende Sache, aus der ggf. Präzedenzfälle für zukünftige Verfahren entstehen könnten.

Schließlich sind Kryptowährungen in vieler Hinsicht Neuland. Das zeigt sich auch anhand anderer Verfahren, wie das der SEC gegen Telegram.  

Marktmanipulation zu Lasten der Kunden

Auch der erneute Vorwurf der Marktmanipulation steht mit den neuerlichen Klagen im Raum. Hier sticht die Klageschrift gegen die HDR Global Trading hervor. Das Unternehmen betreibt den Derivateanbieter BitMEX.

Die Kläger beschweren sich darüber, dass die Indexpreise, die BitMEX seinen Derivaten zugrunde legt, nur durch Preise auf illiquiden Börsen zusammengesetzt werden. Daher sei jeder Indexpreis leicht zu manipulieren gewesen. BitMEX soll auf diesen Börsen selber gehandelt haben, um so den Indexpreis auf der eigenen Plattform zu manipulieren und damit gegen seine Kunden zu handeln und zu profitieren.  

Wie sich diese Behauptungen beweisen lassen sollen, darf man gespannt abwarten.

Verfahren werden Jahre dauern

Nicht nur die Corona-Krise entschleunigt die Klagen. Auch der Umstand, dass die Sachverhalte äußerst komplex sind und die Beklagten in aller Welt verstreut, wird dazu beitragen. Es ist davon auszugehen, dass die Klagen über Jahre andauern werden. Bis die Verfahren abgeschlossen werden, wird voraussichtlich noch eine Menge schmutziger Wäsche gewaschen.