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El Salvador kauft Bitcoin nach – Ist das noch vertretbar?

Bildquelle: Gerson Rodriguez, pixabay.com

  • Präsident Bukele gab bekannt, dass sein Land 410 Bitcoin nachgekauft hat.
  • Die internationale Bitcoin-Gemeinde feiert ihn dafür, erneut den „Dip“ gekauft zu haben.
  • Dabei stellt sich die Frage, ob er sein Land damit nicht zusätzlich in Schwierigkeiten bringt.

El Salvadors Präsident Nayib Bukele ist eine der wichtigsten Personen im Bitcoin-Space geworden, nachdem er praktisch eigenhändig dafür gesorgt hat, dass BTC neben dem US-Dollar zur Landeswährung erhoben wurde.

Dass eine solche drastische Entscheidung für Kritik sorgt, ist praktisch vorprogrammiert und der Mut, den es erfordert, vollkommen neue Wege zu gehen, wurde fast ausschließlich von der Bitcoin-Community gewürdigt. Das El Salvador sich Bitcoin auch in die Staatskasse legt und am Markt spekuliert, ist ein ganz anderes Thema und birgt eine Menge Risiken.

Während MicroStrategy ein Unternehmen ist und nur die Eigner bzw. Aktionäre der Firma Verluste erleiden können, wenn die Wette nicht aufgeht, sind es am Ende die Bürger von El Salvador, die das zu spüren bekommen. Das Bittere daran ist, dass das Land bereits zum ärmeren Teil der Welt gehört.

Staatsanleihen mit schlechter Performance

Die Staatsanleihen von El Salvador wiesen im Jahr 2021 eine extrem schlechte Performance auf. Mit dem IWF steht man auf Kriegsfuß und die US-Regierung stört sich u. a. an der Korruption im Land. So setzte man im Dezember zwei hochrangige Vertreter öffentlich auf eine Anti-Korruptionsliste. Und damit nicht genug, denn Recherchen des Magazins „El Faro“ legen nahe, dass es zu Absprachen zwischen Gangs und der Regierung gekommen sein könnte.  

Angesichts dieser Schlagzeilen gibt die Politik also keine gute Figur ab. Und wenn man das Gespür des Präsidenten für Bitcoin-Trades analysiert, dann stellt man fest, dass es hier nicht unbedingt besser bestellt ist.

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Gestern ließ Präsident Bukele stolz wissen, dass El Salvador erneut den Dip gekauft hat. Nach eigenen Angaben 410 BTC für 15 Millionen US-Dollar, was rechnerisch einen Durchschnittspreis von 36.585 US-Dollar ergibt. Zum Redaktionsschluss steht Bitcoin bei 35.769 US-Dollar. Wenn die Situation nicht kurzfristig dreht, dann reitet man direkt wieder ins Minus.

Eine Nation sollte nicht zocken

Eine Binsenweisheit unter Tradern besagt, dass man nur mit Geld spekulieren sollte, auf das man mit einem Lächeln verzichten kann. Und in dieser Lage befindet sich El Salvador nicht. Es wäre vermutlich besser gewesen, wenn Bukele den Bitcoin als Währung eingeführt und dann dem Markt seinen freien Lauf gelassen hätte, anstatt zu versuchen Bitcoin samt Community als alternatives Investmentvehikel für seine Staatskasse vermittels „Bitcoin Bonds“ zu verwerten.

Am Ende bleibt nur zu hoffen, dass die Situation am Markt zügig dreht. Die Jahre 2018 und 2019 haben gezeigt, dass Bärenmärkte lang und hart sind. Während Anleger Risiken und Chancen in Eigenregie abwägen können, muss die Bevölkerung El Salvadors auf die Durchschnittskostenstrategie ihres Präsidenten vertrauen.