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Eine Million Dollar pro Bitcoin: China heizt Spekulationen an

Statue in Peking Verbotene Stadt
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Die USA als Zentrum der globalen Finanzmärkte und die Geldpolitik der Federal Reserve als monetärer Wächter des Dollars, der indirekten Weltleitwährung, stehen meistens im Fokus der Aufmerksamkeit. Doch während sich die USA trotz der diversen Problemherde auf Kurs halten und die US-Aktienmärkte neue Höchststände erreichen, könnte 2024 das Jahr werden, indem China in das internationale Rampenlicht rücken wird – und dies nicht unbedingt im positiven Sinne.

China war jahrzehntelang für sein rasantes Wachstum bekannt, steht nun jedoch vor einer Reihe gigantischer Probleme. Von einem übermäßig aufgeblähten Immobiliensektor über eine alternde Bevölkerung bis hin zu den direkten Auswirkungen der straffen US-Geldpolitik wehen derzeit Gegenwinde aus dem Inland wie von außerhalb. Diese Faktoren zwingen das Land dazu, eine expansive Geldpolitik zu verfolgen, was bedeutet, dass die Geldmenge ausgeweitet wird, um die Wirtschaft zu stützen. Eine solche Politik könnte sich als Katalysator für den Bitcoin-Preis erweisen, da die Kryptowährung traditionell positiv auf die Ausweitung der globalen Geldmenge reagiert.

Chinas Momentum flacht ab – es besteht Handlungsbedarf

Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas in den letzten Jahrzehnten war nichts weniger als phänomenal. Von einem agrarisch geprägten Land mit einer überwiegend in Armut lebenden Bevölkerung hat sich China zu einer globalen Wirtschaftsmacht entwickelt. Dieser Aufstieg wurde durch eine Kombination aus staatlicher Lenkung und massiver Verschuldung ermöglicht. Das starke Wachstum hat die wachsende Schuldenlast dabei mehr als ausgeglichen. Doch da diese jahrzehntelange Erfolgsstory nun mehr und mehr an ihr Limit gerät, baut sich die massive Verschuldung des Landes zu einem immer größeren Stolperstein auf.

Der Immobiliensektor, einst ein Motor des Wachstums, steht am Rande einer Krise, mit über 50 großen Bauunternehmen, die seit Anfang 2021 in Zahlungsverzug geraten sind. Mit der Liquidierung von Evergrande hat im Januar 2024 eines der größten chinesischen Bauunternehmen bereits das Zeitliche gesegnet. Gleichzeitig sind die Haushaltsbilanzen nach drei Jahren pandemiebedingter Belastungen angespannt. Die lange durchgezogene „Zero-Covid“-Politik der kommunistischen Partei hat der Wirtschaft einiges abverlangt – und die erhoffte Erholung nach der Aufhebung der Restriktionen ist bisher ausgeblieben.

Die demografische Entwicklung, gekennzeichnet durch eine alternde Bevölkerung und einen Rückgang der Bevölkerungszahl seit dem Jahr 2022 – das erste Mal seit 1961 –, stellt eine weitere ernsthafte Herausforderung dar. Diese Probleme könnten das Ende des chinesischen Wirtschaftswunders signalisieren, obwohl das Land weiterhin in Bereichen wie Chip-Technologie und grüner Energie innovativ bleibt.

Die Regierung ist also gezwungen zu reagieren und der Wirtschaft mit Stimuli wieder Leben einzuhauchen.  Entsprechende Maßnahmen sind bereits eingeleitet worden: die People´s Bank of China hat zuletzt eine Senkung der Liquiditätsanforderungen für Banken angeordnet, um die Kreditvergabe zu fördern. Zudem wurden neue politische Maßnahmen zur Entspannung der Liquiditätskrise chinesischer Bau-Entwickler vorgestellt, um den durch hohe Verschuldung belasteten Immobiliensektor zu unterstützen. Desweiteren kursieren Gerüchte, dass die chinesische Regierung ein Rettungspaket in Höhe von umgerechnet etwa 280 Milliarden Dollar auf den Weg bringen will, um die Aktienmärkte zu stützen.

Braut sich in Fernost ein perfekter Sturm für Bitcoin zusammen?

In diesem Kontext könnte die lockere Geldpolitik Chinas, zusammen mit der zunehmenden finanziellen Unsicherheit, die Nachfrage nach Bitcoin als sicherem Hafen verstärken. Der bald in Hongkong startende Bitcoin-ETF könnte als zusätzlicher Katalysator dienen, der weitere Investitionen in die Kryptowährung anzieht.

Nachdem der CSI 300, der Aktienindex, der die Kursentwicklung an den beiden größten Börsen Festland-Chinas, Schanghai und Shenzhen, abbildet, seit seinem letzten Höchststand Anfang 2021 bis zu seinem Tief in diesem Monat fast 48% verloren hatte, konnte er sich nach den angekündigten Hilfen seitens der Regierung zum ersten Mal seit 6 Monaten wieder fangen und eine deutliche Gegenbewegung verzeichnen.

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Im Optimalfall haben die chinesischen Märkte nun ihren Boden gefunden, da die chinesische Regierung ernsthafte Bemühungen in Gang gesetzt hat, das Vertrauen wiederherzustellen und die Wirtschaft mit geldpolitischen Maßnahmen wieder auf Trab zu bringen. Die erste Reaktion an den Aktienmärkten macht diesbezüglich Hoffnung.

Doch die Risiken bleiben groß. Vor allem der Immobiliensektor ist und bleibt eine gigantische Herausforderung für die kommunistische Partei. Der Sektor macht fast ein Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung des Landes aus. Die sehr großzügige regulatorische Behandlung der letzten Jahrzehnte und die Tatsache, dass die chinesische Bevölkerung in Ermangelung von Alternativen ihren wachsenden Wohlstand größtenteils in den Immobiliensektor gesteckt hat, hat zu einer extremen Blasenbildung geführt. Diese droht nun aufgrund mehrerer Faktoren zu platzen. Die schrumpfende Bevölkerung sorgt nicht mehr für die benötigte Nachfrage. Zudem ist die straffe Dollar-Geldpolitik eine extreme zusätzliche Belastung, da viele der chinesischen Schulden in Dollar denominiert sind und so in der heimischen Währung gerechnet größer geworden sind.


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Im schlechtesten Fall wird der chinesische Immobiliensektor sich zu schnell in eine Phase der Entschuldung bewegen – und dabei zeigen, welche Unternehmen nicht die nötige Substanz haben, um das auszuhalten. Sollten zu viele Kredite ausfallen und Löcher in die Balancesheets vieler Finanzmarktakteure auf den weltweiten Finanzmärkten reißen, könnte das im schlimmsten Fall zu einer weiteren Liquiditätskrise ähnlich wie in 2008 führen. Die entscheidenden Faktoren werden hier sein, wie großzügig die chinesische Regierung im Zweifel den Knopf auf der Druckerpresse bedienen wird und wie schnell sich die US-Notenbank dazu erbarmt, die straffe Geldpolitik umzukehren und die Zinskonditionen innerhalb des Dollar-Systems wieder erträglicher zu machen.

Fazit aus der Investment-Perspektive

Die Ausweitung der globalen Geldmenge, kombiniert mit einer möglichen Finanzkrise, die ihren Ursprung in China nehmen könnte, könnte ein Szenario eines „perfekten Sturms“ für den Bitcoin-Preis aufbauen. Selbst wenn es – hoffentlich – nicht zu einem Szenario wie in 2008 kommen sollte, wird gerade der Boden dafür bereitet, dass eine Menge neues Kapital in die Kryptowährung fließen kann. Die Motivation wird durch das schwindende Vertrauen in die Stabilität des derzeitigen Systems aufgebaut und das nötige Schießpulver kommt in Form der geldpolitischen Maßnahmen zur Rettung des Systems.

Ein Preis von einer Millionen Dollar pro Bitcoin in diesem Bullrun mag zwar etwas hochgegriffen sein (und ein Szenario, in dem das Vertrauen in das derzeitige System so kurzfristig kaputtgegangen ist, dass das tatsächlich passiert, wäre definitiv nicht wünschenswert). Doch das Fundament für deutliche Kurssteigerungen über das Allzeithoch des letzten Bullruns hinaus ist definitiv gelegt. Die globale Suche nach sicheren Anlagen, die wachsende Akzeptanz von Kryptowährungen und Chinas Rolle in der globalen Wirtschaft könnten zusammenwirken, um Bitcoin auf bisher ungekannte Höhen zu treiben.

Denken Sie langfristig!

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