Märkte

Celsius Network sorgt für drohende Kernschmelze des Marktes

Umgestürzte Dominosteine

  • Letzte Woche verdichteten sich Hinweise, dass Celsius zahlungsunfähig sein könnte.
  • Heute stellte die Plattform Auszahlungen an ihre Kunden ein.
  • Gleichzeitig waren auf der Blockchain Abflüsse der Krypto-Assets von Celsius zu beobachten.
  • Sollte Celsius Network insolvent sein, dann könnte sich ein furchtbarer Dominoeffekt einstellen.

Celsius Network geriet letzte Woche verstärkt in Kritik, weil sich Hinweise verdichteten, dass die Zahlungsunfähigkeit droht. Das Unternehmen wies die Darstellung in den entsprechenden Berichten stets zurück (wir berichteten). Heute kam dann der Paukenschlag, denn Celsius stellte den Zahlungsverkehr für seine Kunden ein.

Gleichzeitig brachen die Kurse aber weiter ein, was zunächst den Gesamtbedingungen am Markt und dem Zins- bzw. Inflationsdruck geschuldet sein dürfte. Das Problem, welches sich aber nun offensichtlich einstellt, ist, dass es für Celsius immer schwieriger werden dürfte, die Ansprüche seiner Kunden zu bedienen, wenn die Kurse fallen.

Dass man also alle Kundenkonten effektiv eingefroren hat, ist eine Notbremse, um einen Bankrun zu verhindern. Dabei beruft sich das Unternehmen auf eine Klausel in seinen Geschäftsbedingungen, welche diese Maßnahme legitimieren soll.

Ein Dominoeffekt droht einzusetzen

Da Celsius selber Krypto-Assets und Stablecoins verleiht, um seinen Kunden eine Rendite zu ermöglichen, wenn diese ihre Kryptos dort anlegen, droht eine regelrechte Kernschmelze. Denn letztlich bleibt dem Unternehmen nichts mehr anderes übrig, als so viele Assets wie möglich zu liquidieren, um solvent zu bleiben.

Gleichzeitig sind diese Assets teilweise selber hochspekulativ und unterliegen ihrerseits einer Fülle von Risiken. Dazu gehört beispielsweise auch Staked Ether (stETH), dass zwar keine Todesspirale erleben kann, wie es bei Terra der Fall war, aber dennoch weit unter den Wert von einem ETH pro stETH fallen könnte. Die damit verbundenen Risiken für Celsius und andere Unternehmen sowie DeFi-Protokolle liegen auf der Hand.

Aktuell sieht es danach aus, als ob das Unternehmen keine weiteren Engpässe dulden kann. Doch zu allem Überfluss ist Celsius auch am Markt aktiv und nutzt die Kundeneinlagen auch als Kreditsicherheit für eigene Spekulationsgeschäfte, bei denen Positionen liquidiert werden könnten. Durch das komplexe Geflecht im Lending-Geschäft, könnte sich außerdem die Krise auch auf andere Anbieter ausdehnen.

Die Folge könnte ein Dominoeffekt sein. Dadurch, dass der Markt ohnehin schon angegriffen ist, könnten Abverkäufe und Liquidationen von und durch Celsius massive Auswirkungen haben und ggf. zu kaskadierenden Liquidationen führen. Dass ein erster Abverkauf der Assets von Celsius bereits stattgefunden hat, ist mehr als wahrscheinlich. Im Laufe des heutigen Tages ließen sich Abflüsse aus bekannten Wallets beobachten, bei denen Mittel vom Aave-Protokoll abgezogen und auf FTX transferiert wurden. Dabei handelte es sich um Krypto-Assets im Gesamtwert von 320 Millionen US-Dollar.

Das ist bitter für die gesamte Industrie

Die Krypto-Lending Plattform Nexo zeigt sich scheinbar solidarisch und gab ungefragt mitten in der Öffentlichkeit ein Angebot für Celsius und das, was davon übrig ist ab. Das dürfte die Anleger herzlich wenig interessieren, denn ihre Einlagen sind nicht geschützt. Sie können nur darauf hoffen, dass Celsius die Kurve kriegt. Andernfalls werden sie zu Gläubigern, die nur wenig Hoffnung darauf haben, dass sie ihr Geld wiedersehen.

Besonders schlimm ist die Kommunikation von Celsius, hatte man doch bis zuletzt beteuert, keine Engpässe zu erleiden und nach wie vor ein stabiler Partner zu sein. Das erinnert an Do Kwon und den Fall von Terra. Auch CEO Alexander Mashinsky meldete sich via Social Media immer wieder zu Wort und begegnete jedweder Kritik sehr offensiv.

Der CEL-Token ist ebenfalls zusammengebrochen und so weit abgefallen, dass sich die meisten Anleger verbrannt haben dürften, wenn sie an dem Investment festgehalten haben. Zum Redaktionsschluss notiert er nur noch bei 0,34 US-Dollar.

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