Kommentar

Bitcoin, Knastgeschichten und ETFs: Ein Jahresrückblick der anderen Art

Das Bitcoin Symbol brennt wie eine Wunderkerze
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Das Jahr 2023 war für Anleger überraschend fruchtbar. Bitcoin konnte ordentlich zulegen und einige Altcoins schossen durch die Decke, als wäre nichts passiert. Die meisten Leser werden sich vermutlich gut daran erinnern können, dass im Jahr 2022 und im ausgehenden Jahr 2023 so einiges passiert ist, was man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Die Helden von gestern sind die Knackis von morgen

Sam Bankman-Fried hat den Markt Ende 2022 praktisch eigenhändig zerstört. Dass er Kundengelder veruntreut hat, ist noch das geringste Problem. Denn SBF nutze dieses Kapital, um Wahlkampffinanzierung zu betreiben und gute Kontakte in Washington aufzubauen. Jetzt sollte man meinen, dass es eine umfassende Untersuchung gibt, welchen Einfluss das auf die US-Spitzenpolitik hatte. Dem ist aber nicht so. Bankman-Fried wird im März 2024 sein Strafmaß erteilt bekommen und es wird kein zweites Verfahren geben, weil daran kein öffentliches Interesse besteht. Ein Umstand, den niemand vergessen sollte. Am Ende immunisiert SBF das gestohlene Geld zumindest teilweise und die Demokraten leisten ihm dabei Hilfe, um am Ende nicht selbst ungünstig dazustehen.

Ob er einen Zellengenossen bekommen wird, der einen entscheidenden Anteil daran hatte, ihn hinter Gittern zu bringen, bleibt noch abzuwarten. Es war der Ex-CEO von Binance, der im November 2022 öffentlich Zweifel äußerte, dass FTX liquide ist. Changpeng „CZ“ Zhao scheiterte diesen Monat erneut mit einem Gesuch, die USA verlassen zu dürfen. Er darf mit einem wesentlich geringeren Strafmaß als Bankman-Fried rechnen, weil er einen Deal eingegangen ist und sich zu seiner Schuld bekennt. Am Ende holt es ihn ein, dass sein Unternehmen lange Jahre sämtliche Auflagen und Gesetze ignoriert hat, die illegale Aktivitäten eindämmen sollen.

Der Spaß geht in den Emiraten weiter

In der EU gibt es bald MiCA und in den USA verteilt die SEC ordentlich Schläge, indem sie alles verklagt, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Wer jetzt denkt, dass der Markt vernünftig wird, der hat die Rechnung ohne die Vereinigten Arabischen Emirate gemacht. Dort wird jedem einfach alles ermöglicht, solange er nur das nötige Kleingeld mitbringt. Übrigens, der in den USA festsitzende „CZ“ hat genau dort die Staatsbürgerschaft erworben. Das dürfte kein Zufall sein.

Während man sich nach außen hin an Compliance und Gesetzesnovellen interessiert gibt, hat sich die Industrie bereits so positioniert, dass der Wahnsinn in die nächste Runde gehen kann. Die Zockerei wird weitergehen, nur eben auf anderem Boden.

Wer geplant hat schlagartig reich zu werden, indem er in „Shiba Inu MasterCoin 2033“ investiert, der darf sich darüber freuen. An dieser Stelle der freundliche Hinweis, dass nur den wenigsten Anlegern so viel Glück beschieden ist. Für die meisten macht es mehr Sinn, sich den soliden Kryptowerten zuzuwenden und damit kommen wir zum besten Thema: Bitcoin.

Bitcoin braucht keinen ETF, der Markt aber schon

Es ist der größte Schwachsinn aller Zeiten, dass ausgerechnet Bitcoiner BlackRock, Fidelity und Co. dabei anfeuern, Anlageprodukte in Umlauf zu bringen, die in Bitcoin investieren. Einige gehen sogar ein Stück weiter und sehen sich durch das Vorgehen der SEC bestätigt und pochen darauf, dass Bitcoin kein Wertpapier ist, der Rest der Kryptos am Markt aber schon. Gary Gensler versprüht den Charme von Graf Zahl und hat vermutlich selbst nie damit gerechnet, dass er aus den Reihen der Cypherpunks Fanpost erhält.

Was die Situation noch absurder macht, ist die plötzliche Liebe für Investmentunternehmen, die über Leichen gehen, wenn es um das Erwirtschaften von Renditen geht. Sie üben einen Einfluss auf Politik und Gesellschaft aus, der unheimlich ist.

Bitcoin ist das genaue Gegenteil von dem, was diese Konzerne repräsentierten. Wer denkt, dass man sie in die Knie zwingt, weil sie jetzt auch irgendwas mit Bitcoin machen, der vertut sich gewaltig. In erster Linie ist und bleibt Bitcoin eine Möglichkeit zum Opt-out, die jeder für sich wahrnehmen kann, aber nicht muss. Das Leben ist zumindest in Deutschland auch ohne Bitcoin gut für die Menschen, wenn auch nicht immer einfach.

Was machen wir also mit dem ETF? Wir polieren das Image des Marktes, weil er, wie wir bereits festgestellt haben, keine Helden mehr hat. Zudem bietet er tatsächlich die Chance auf einen enormen Bullrun. Damit bleibt die spannendste Frage für das kommende Jahr, ob auch wirklich viel Geld in den Markt gepumpt wird oder ob wir alle am Ende viel Lärm um nichts gemacht haben. Doch das ist ein Schritt zu weit gedacht, denn noch muss die SEC ihren Segen geben. Es wäre Ironie des Schicksals, wenn ausgerechnet Gary Gensler dem Markt auf den letzten Metern in die Suppe spuckt.

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