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Strategy kauft für 2 Milliarden Dollar Bitcoin und zieht das Tempo weiter an

Strategy Investor Relations
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24.869 BTC, finanziert über Vorzugsaktien: Der jüngste Zukauf bringt das Unternehmen auf 843.738 BTC. Doch was passiert, wenn Bitcoin einbricht?

Strategy Inc., früher bekannt als MicroStrategy, hat in der Woche vom 11. bis 17. Mai 2026 weitere 24.869 Bitcoin für rund 2,01 Milliarden Dollar erworben. Der Kaufkurs lag im Schnitt bei 80.985 Dollar je Coin. Damit hält das Unternehmen nun 843.738 BTC, die insgesamt für rund 63,87 Milliarden Dollar angehäuft wurden. Der durchschnittliche Einstandspreis liegt bei 75.700 Dollar. Bitcoin notierte zuletzt bei rund 77.000 Dollar, das Polster ist damit derzeit schmal.

Finanziert wurde der Zukauf fast ausschließlich über das ATM-Programm für STRC-Aktien, die variabel verzinsliche Vorzugsaktie des Unternehmens. In der Berichtswoche wurden 19,5 Millionen STRC-Anteile für einen Nominalwert von 1,95 Milliarden Dollar platziert. Für andere Wertpapierklassen wie STRK, STRD oder STRF wurden keine Aktien verkauft.

Die Bitcoin-Maschine brummt

Strategy hat ein Geschäftsmodell entwickelt, das in seiner Konsequenz kaum Vorbilder hat. Das Unternehmen emittiert Aktien und Anleihen, um damit Bitcoin zu kaufen, und wiederholt diesen Zyklus in immer höherem Tempo. Allein im Jahr 2026 hat Strategy bereits mehr BTC akkumuliert als im gleichen Zeitraum der Vorjahre 2024 und 2025 zusammengenommen. Der selbst definierte „BTC Yield“, ein Maß dafür, wie viel zusätzlicher Bitcoin-Wert je Aktie durch Kapitalmaßnahmen erzeugt wird, liegt laut Unternehmensangaben seit Jahresbeginn bei 12,6 Prozent.

Das Kerngeschäft mit Business-Intelligence-Software ist längst zur Kulisse geworden. Im ersten Quartal 2026 erzielte Strategy einen Softwareumsatz von 124,3 Millionen Dollar, ein verschwindend kleiner Posten gegenüber 54 Milliarden Dollar in Bitcoin-Vermögenswerten.

So beeindruckend die Akkumulation ist, so klar treten die Risiken hervor. Strategy trägt nach eigenen Angaben rund 8,2 Milliarden Dollar Langfristschulden in Form von Wandelanleihen sowie rund 9 Milliarden Dollar in Vorzugsaktien mit Dividendenverpflichtungen. Die jährliche Gesamtbelastung durch Zinsen und Vorzugsdividenden wird auf etwa 779 Millionen Dollar geschätzt. Dem gegenüber steht eine Cash-Reserve von zuletzt rund 2,2 Milliarden Dollar.

Solange Bitcoin steigt oder stagniert, funktioniert das Modell: Strategy kann neue MSTR-Stammaktien emittieren, um die Dividenden zu bedienen. Kippt der Kurs jedoch deutlich, droht ein sich selbst verstärkender Abwärtssog. JPMorgan hat gewarnt, dass ein nachhaltiger Bitcoin-Rückgang den sogenannten NAV-Aufschlag von MSTR-Aktien erodieren würde. Genau dieser Premiumfaktor ermöglicht es dem Unternehmen erst, durch Aktienausgabe frisches Kapital zu attraktiven Konditionen einzusammeln.

Kann Strategy das durchhalten?

Strategy-CEO Phong Le hat in Interviews betont, dass das Unternehmen selbst bei einem Bitcoin-Rückgang um 90 Prozent auf rund 8.000 Dollar theoretisch zahlungsfähig bliebe, da der Wert der BTC-Holdings die Schulden noch bedecken würde. Unterhalb von 7.000 Dollar drohen Covenant-Verletzungen bei besicherten Anleihen, die Sicherheitennachschüsse oder Teilrückzahlungen erzwingen könnten.

Ein realistischeres Szenario, das Analysten diskutieren, liegt bei einem Kursrückgang unter 23.000 Dollar. In diesem Fall würde die liquide Cash-Reserve nicht mehr ausreichen, um die jährlichen Zahlungsverpflichtungen über zwei Jahre zu tragen. Das Unternehmen wäre dann auf Fremdkapitalmärkte angewiesen, die bei fallenden Kursen erfahrungsgemäß austrocknen.

Entscheidend ist, dass Strategy inzwischen signalisiert hat, auch Bitcoin verkaufen zu können, wenn es die Lage erfordert. Das ist eine strategische Kehrtwende gegenüber dem früheren „never sell“-Dogma. Ob das im Ernstfall möglich ist, ohne den Preis weiter zu drücken, bleibt fraglich: Strategy hält rund vier Prozent aller jemals existierenden Bitcoin.

Ein weiteres strukturelles Risiko betrifft den MSCI-Index-Status von MSTR. Sollte das Unternehmen aus Indizes wie dem MSCI USA ausgeschlossen werden, könnten institutionelle Indexfonds Anteile im Volumen von mehreren Milliarden Dollar abstoßen. Das würde den MSTR-Kurs drücken und damit das Kapitalerhöhungsmodell weiter belasten.

Das Experiment läuft weiter

Strategy ist ein Experiment ohne historisches Vorbild: eine börsennotierte Bitcoin-Holdinggesellschaft mit Hebelwirkung auf den Kurs, getragen durch dauerhaften Kapitalmarktzugang. Solange der Markt dieses Konstrukt mit einem NAV-Aufschlag honoriert, läuft die Maschine. Bricht Bitcoin jedoch signifikant ein, selbst ein Rückgang auf 50.000 Dollar würde das Unternehmen in die Verlustzone treiben, dann wird sich zeigen, ob das Modell belastbar ist oder ob Strategy zum größten Corporate-Blow-up der Kryptogeschichte wird.

Der aktuelle Kauf zu 80.985 Dollar je BTC bei einem Marktpreis von rund 77.000 Dollar zeigt, dass das Unternehmen inzwischen auf oder leicht über dem aktuellen Kurs kauft. Der Puffer schrumpft. Die Wette läuft.

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