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Die Fed könnte pausieren: Bitcoin vor dem Volatilitätsmoment

Jerome Powell
Bildquelle: Fed / US-Notenbankchef Jerome Powell

Heute beginnt das FOMC-Meeting, das den Zinskurs der mächtigsten Zentralbank der Welt für die nächsten sechs Wochen bestimmt. Der Konsens ist eindeutig: Null Bewegung. Doch für Bitcoin reicht allein Powells Tonfall, um einen Ausbruch – oder Absturz – auszulösen.

Ein einziges Wort des Fed-Vorsitzenden kann den Bitcoin-Kurs binnen Minuten um mehrere Prozent bewegen. Heute ist wieder so ein Tag. Das zweitägige Treffen des Federal Open Market Committee (FOMC) hat soeben in Washington begonnen – die Zinsentscheidung folgt morgen, Mittwoch, um 20:00 Uhr MEZ, kurz darauf Powells Pressekonferenz.

Konsens: Pause Nummer drei in Folge

Der Markt hat sich entschieden – und er ist selten so einig wie heute. Laut dem CME FedWatch Tool liegt die implizierte Wahrscheinlichkeit einer unveränderten Fed Funds Rate bei über 99 Prozent. Auf der Prognoseplattform Polymarket preisen Händler ebenfalls eine 99,9-prozentige Chance für einen Stillstand ein. Es wäre die dritte Pause in Serie nach den Sitzungen im Januar und März.

Aktueller Snapshot — 28. April 2026
Bitcoin (BTC/USD)
76.343 $
▼ 1.356 $ ggü. gestern
Leitzins (aktuell)
3,75 %
Obere Bandbreite · seit Dez. 2025
Kein-Zinsschritt Prob.
≈ 100 %
CME FedWatch + Polymarket
Inflation (März YoY)
3,3 %
vs. 2,4 % im Februar

Die Fed steckt in einem klassischen Stagflations-Dilemma. Seit dem Ausbruch des US-Krieges gegen den Iran sind die Energiepreise explodiert – Brent Crude handelt inzwischen über 111 Dollar pro Barrel. Das treibt die Verbraucherpreise: Die Jahresinflation kletterte im März auf 3,3 Prozent, deutlich über den 2,4 Prozent des Vormonats. Gleichzeitig ist das Konsumentenvertrauen auf ein Allzeittief von 49,8 Punkten gefallen – ein Signal, dass die Wirtschaft unter Druck steht.

Analysten erwarten, dass das Komitee in seiner Erklärung die erhöhten Energiepreise als inflationstreibenden Faktor benennen wird – ohne jedoch Signale für baldige Zinssenkungen zu setzen. Laut den März-Protokollen der Fed sehen einige Teilnehmer sogar die Notwendigkeit, die Formulierungen zu einer möglichen Zinserhöhung wieder in den Vordergrund zu rücken, sollte die Inflation nicht zurückgehen.

Powells letzter Auftritt – und die Warsh-Frage

Diese Sitzung trägt eine historische Note: Es ist das vorletzte FOMC-Meeting unter Jerome Powell. Am 15. Mai endet seine Amtszeit als Fed-Vorsitzender. Als Nachfolger ist Kevin Warsh nominiert, dessen Bestätigung durch den Senat aber durch ein laufendes Justizministeriumsverfahren verzögert wird. Ökonomen gehen mehrheitlich davon aus, dass ein Wechsel an der Spitze keine wesentlichen politischen Kurswechsel nach sich ziehen dürfte – doch bis zur Klärung bleibt eine institutionelle Unsicherheit bestehen.

Besonderes Augenmerk wird darauf liegen, ob Powell in der Pressekonferenz morgen Abend Andeutungen zu seiner künftigen Rolle als Fed-Gouverneur macht – oder ob er die Gelegenheit nutzt, seinen Abgang klar abzustecken.

Bitcoin: Zwischen 75.000 und 80.000 Dollar eingeklemmt

Bitcoin reagiert auf das Umfeld mit spürbarer Nervosität. Zur Stunde notiert BTC bei rund 76.000 Dollar – ein Rückgang von knapp 1.400 Dollar gegenüber dem Vortagesniveau und damit der tiefste Eröffnungskurs seit über einer Woche. Noch zu Wochenbeginn hatte der Kurs zeitweise über 79.000 Dollar notiert.

Der aktuelle Rückzug fügt sich in ein technisches Bild, das Analysten als „Trenderschöpfung“ beschreiben: Bitcoin hat die aufwärts verlaufende Trendlinie, die seinen Kursanstieg seit den Tiefs unter 65.000 Dollar Ende März stützte, nach unten verlassen. Zudem handeln die Preise unterhalb ihrer gleitenden 50- und 200-Stunden-Durchschnitte – ein bärisches Signal.

Marktwahrscheinlichkeiten — Zinsentscheidung Mittwoch
Keine Änderung (3,50–3,75 %)
~100 %
Senkung –25 Bps
<1 %
Erhöhung +25 Bps
~0 %

Was Trader jetzt im Blick haben müssen

Die eigentliche Zinsentscheidung ist weitgehend eingepreist – sie dürfte den Kurs kaum bewegen. Das Zünglein an der Waage ist Jerome Powells Pressekonferenz am Mittwoch um 20:30 Uhr MEZ. Drei Szenarien bestimmen das Geschehen:

  • Szenario 1 – Hawkishes Signal: Powell betont die hartnäckige Inflation und signalisiert, dass Zinssenkungen in weite Ferne rücken. Folge: Risikoaversion, Dollar-Stärke, Druck auf Bitcoin – ein Test der 72.000-Dollar-Marke wäre wahrscheinlich.
  • Szenario 2 – Neutrales Statement: Die Fed hält an ihrer „Abwarten“-Rhetorik fest, ohne klare Signale nach oben oder unten. Bitcoin dürfte im aktuellen Korridor zwischen 75.000 und 80.000 Dollar verweilen.
  • Szenario 3 – Überraschend dovishe Töne: Powell signalisiert, dass ein wirtschaftlicher Abschwung die Bedingungen für frühere Zinssenkungen schaffen könnte. Dieses Szenario – derzeit mit unter einem Prozent bewertet – wäre der Kurstreiber, den Bitcoin-Bullen ersehnen. Ein schneller Angriff auf die 80.000-Dollar-Marke wäre in diesem Fall realistisch.

Eines ist in jedem Fall sicher: In den Stunden rund um die Pressekonferenz ist mit erhöhter Volatilität zu rechnen. Wer in Bitcoin investiert ist, sollte seine Stop-Loss-Levels überprüfen und die Liquidität im Markt im Auge behalten – denn gerade in solchen Momenten kann ein einzelner Satz aus Washington über Gewinne oder Verluste entscheiden.

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