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780.897 Bitcoin und eine Kostenspirale: Strategys riskante Einkaufstour

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Bildquelle: © Robert - stock.adobe.com

Strategy Inc. (Nasdaq: MSTR) hat in der Woche vom 6. bis 12. April 2026 weitere 13.927 Bitcoin erworben. Der Gesamtkaufpreis belief sich auf rund eine Milliarde US-Dollar, was inklusive Gebühren und Transaktionskosten einem durchschnittlichen Kaufpreis von 71.902 Dollar pro Bitcoin entspricht.

Damit hält Strategy inzwischen insgesamt 780.897 Bitcoin, die zu einem kumulierten Gesamtpreis von etwa 59,02 Milliarden Dollar angeschafft wurden. Der durchschnittliche Einstandspreis über alle Käufe hinweg beträgt 75.577 Dollar pro Bitcoin.

Finanzierung über Aktienverkäufe am laufenden Band

Bemerkenswert ist der Weg, über den Strategy den jüngsten Kauf finanziert hat, nämlich ausschließlich über sein sogenanntes At-the-Market-Programm. Dabei verkauft das Unternehmen eigene Wertpapiere direkt über die Börse und verzichtete auf klassische Kapitalerhöhung mit Bookbuilding-Verfahren.

In der besagten Woche wurden dabei 10.028.363 Aktien der Variable Rate Series A Perpetual Stretch Preferred Stock (Ticker: STRC) veräußert, mit einem Nettoemissionserlös von rund 1,001 Milliarden US-Dollar. Die anderen Wertpapierklassen – darunter STRF, STRK, STRD und die Stammaktie MSTR – wurden in diesem Zeitraum nicht genutzt.

Das Unternehmen verfügt noch über erhebliche weitere ATM-Kapazitäten. Allein für STRC sind noch rund 21,6 Milliarden Dollar verfügbar, für MSTR-Stammaktien weitere 27,1 Milliarden Dollar.

Chancen: Hebelwirkung auf den Bitcoin-Kurs

Die Strategie von Strategy-Gründer Michael Saylor folgt einer klaren Logik. Solange der Bitcoin-Kurs stärker steigt als die Finanzierungskosten der ausgegebenen Wertpapiere, schafft jeder fremdfinanzierte Bitcoin-Kauf Mehrwert für die Aktionäre.

Mit einem durchschnittlichen Einstandspreis von 75.577 Dollar und einem aktuellen Marktpreis, der zuletzt deutlich darüber lag, sitzt Strategy auf einem gewaltigen unrealisierten Gewinn. Das ATM-Programm ist dabei besonders effizient, denn es erlaubt schnelles, marktschonendes Fundraising ohne aufwendige Roadshows.

Für Bitcoin-Bullen ist Strategy zudem ein indirektes Vehikel. Wer nicht direkt in BTC investieren kann oder möchte – etwa institutionelle Anleger mit regulatorischen Einschränkungen – nutzt MSTR als börsengehandelten Bitcoin-Proxy.

Risiken: Ein Kreislauf, der sich selbst verteuert

Die mögliche Kehrseite ist erheblich und komplexer als es auf den ersten Blick erscheint.

Der Kern des Problems liegt im Mechanismus von STRC selbst. Strategy setzt den Dividendensatz nicht nach Marktlogik, sondern einseitig und monatlich. Das erklärte Ziel ist, den Kurs von STRC nahe am Nennwert von 100 Dollar zu halten. Das klingt nach Stabilität, kann aber auch als Eskalationsmechanismus interpretiert werden. Seit dem Start im Juli 2025 wurde die Dividende regelmäßig um 25 Basispunkte angehoben. Man startete bei 9,00 % und landet heute bei 11,50 %. In weniger als einem Jahr sind die Finanzierungskosten damit um 250 Basispunkte gestiegen. Erstmals im April 2026 wurde der Satz nicht weiter erhöht, ob das eine Trendwende ist oder nur eine Pause, bleibt offen.

Daraus ergibt sich eine gefährliche Zirkellogik. Denn Strategy verkauft STRC-Aktien, um Bitcoin zu kaufen. Um STRC-Aktien verkaufen zu können, muss der Kurs stabil bei 100 Dollar bleiben. Um das zu gewährleisten, muss die Dividende regelmäßig steigen. Höhere Dividenden erhöhen die laufenden Kosten, die ihrerseits nur durch noch mehr STRC-Verkäufe gedeckt werden können. Das Programm finanziert sich buchstäblich selbst, wenn der Markt dabei mitmacht.

Hinzu kommt: Die STRC-Aktien sind nicht durch Bitcoin besichert. Anleger tragen das volle Kreditrisiko von Strategy als Unternehmen. Bricht der Bitcoin-Kurs ein und versiegt die ATM-Nachfrage, hat Strategy keine einfache Möglichkeit, die laufenden Dividendenzahlungen zu bedienen. Bei einem Emissionsvolumen von potenziell weiteren 21 Milliarden US-Dollar allein für STRC würden die jährlichen Ausschüttungen bei 11,50% bis zu 2,4 Milliarden US-Dollar betragen und zwar vollständig unabhängig davon, wo Bitcoin gerade steht.

Erschwerend kommt die fehlende Laufzeitbegrenzung hinzu. STRC ist ein ewiges Instrument. Strategy ist zu keinem Zeitpunkt verpflichtet, die Aktien zurückzukaufen. Anleger können eine Rückzahlung also nicht erzwingen, egal wie sich die Lage entwickelt.

Und schließlich bleibt die fundamentale Abhängigkeit vom Bitcoin-Preis. Strategy hat kein nennenswertes operatives Geschäft mehr, das als Puffer dienen könnte. Das Unternehmen ist faktisch ein gehebelter Bitcoin-Fonds mit fest verdrahteten Auszahlungsverpflichtungen, die in einem anhaltenden Bärenmarkt existenzbedrohend werden könnten.

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