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Bitcoin trotzt dem Iran‑Krieg: US‑Anleihen, Ölpreise und globale Risiken

F15 Kampfjet
Symbolbild | Bildquelle: © J.Woolley - stock.adobe.com

Der Iran-Krieg geht in die nächste Eskalationsstufe, nachdem US-Präsident Trump ein 48-Stunden-Ultimatum für die Straße von Hormus gestellt hat, welches am Dienstag auslaufen wird. Sollte die Ölhandelsroute vom Iran bis dahin nicht wieder freigegeben sein, drohen die USA mit Angriffen auf iranische Kraftwerke und weitere Energieinfrastruktur. Der Iran reagiert ebenfalls mit Drohungen auf das Ultimatum und will seine Angriffe ausweiten. Alle Käufer von US-Staatsanleihen könnten als legitime Ziele gelten, da US-Treasuries „mit iranischem Blut getränkt“ seien, so der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf. Investoren würden indirekt den US-Militärhaushalt finanzieren.

Zinssatz der US-Anleihemärkte im Fokus

Mit dieser Aussage trifft der Iran einen kritischen Punkt. Die hohen Ölpreise haben zwar auch einen Effekt auf die US-Wirtschaft, wirken sich jedoch weniger stark aus als auf andere Wirtschaftszonen weltweit. Die USA sind der größte Ölproduzent der Welt, haben eine hohe Energieeffizienz aufgrund geringer Transportwege für die heimische Wirtschaft und besitzen zudem große strategische Reserven. Die höheren Ölpreise führen teilweise sogar zu mehr Einnahmen und mehr Jobs im US-Energiesektor. Dieser strategische Vorteil spiegelt sich in der unterschiedlichen Preisentwicklung zwischen WTI und Brent Öl wider. Aktuell besteht ein Preisunterschied von etwa 10 Prozent.

Doch steigende Anleihezinsen sind ein ernstzunehmender Risikofaktor für die USA. Die Zinsen 10-jähriger US-Anleihen befinden sich seit dem Ausbruch des Krieges in einem starken Aufwärtstrend, zuletzt wurde die Marke von 4,4 Prozent wieder überstiegen. Die Zinsen 30-jähriger Anleihen notieren sogar wieder knapp unter der Marke von 5 Prozent.

Ein Zinssatz von 5 Prozent im wichtigsten Benchmark für die globalen Kreditmärkte – der 10-jährigen US-Anleihe – gilt als kritischer Punkt für die Stabilität des Anleihemarktes. Viele andere Zinssätze wichtiger Kreditkategorien orientieren sich stark an der Entwicklung der 10-Jährigen. Als der Zinssatz zuletzt im Herbst 2023 die Marke von 5 Prozent überschritten hatte, ist das US-Finanzministerium in den Krisenmodus übergegangen und hat die Schuldenaufnahme verstärkt an das kurze Ende der Zinskurve verlagert.

Die steigenden Anleihezinsen sind auf den ersten Blick ungewöhnlich. Es findet keine klassische Flucht in den sicheren Hafen Anleihen statt. Stattdessen preist der Markt vermehrt die Gefahr einer steigenden Inflation und sogar Zinserhöhungen ein. Zudem haben langlaufende Anleihen seit der zunehmenden Eskalation der US-Schuldenkrise durch die Corona-Pandemie an Reputation verloren. Ihr Status als sicherer Hafen ist aufgrund der erwarteten langfristigen Geldmengenausweitung und Inflation zumindest angezählt.

Aufgrund dieser Dynamik liegt es nahe, dass der Iran – zumindest verbal – auf diese Achillesverse der US-Finanzinfrastruktur zielt, da dort der größte Hebel besteht, den Krieg zu beenden. Höhere Öl-Preise kann Trump aufgrund der geostrategischen Vorteile der USA eventuell länger als vom Markt erwartet aussitzen. Zu hohe Zinsen sind für das US-System jedoch nicht mehr tragbar – zumindest nicht, ohne dass die Federal Reserve im Zweifel mit einer neuen Runde Notfall-Liquidität eingreifen muss.

Bitcoin bleibt weiterhin erstaunlich robust

Aus dieser Perspektive betrachtet ist es gar nicht so verwunderlich, dass der Bitcoin-Kurs sich seit Beginn des Kriegsausbruchs erstaunlich robust zeigt, während der restliche Markt einbricht. Der US-Aktienmarkt steht stark unter Druck: Der S&P 500 ist von seinem letzten Hoch über 6 Prozent gefallen, der Nasdaq sogar 9 Prozent. Beide haben ihren 200-Tage-Trend eingebüßt. Gold hat sogar einen historischen Crash hingelegt und ist seit Kriegsbeginn bis zum letzten Tief um fast 25 Prozent gefallen, konnte aktuell jedoch bei seinem 200-Tage-Trend einen starken Support finden.

Bitcoin hingegen befindet sich seit Kriegsausbruch im Plus und hält sowohl die runde Marke von 70.000 Dollar als auch den exponentiellen 200-Wochen-Trend als neu gefundenen Support.

Bildquelle: TradingView.com

Warum steigt Bitcoin, Gold jedoch nicht?

Gold und Bitcoin haben fundamental ähnliche Treiber – beide Assets profitieren in einem Umfeld niedriger Zinsen und einer Ausweitung von Liquidität. Die Dynamik ist jedoch bei beiden Assets unterschiedlich: Während Gold eher die Ursachen für ein solches Marktumfeld einpreist, reagiert Bitcoin direkter auf die eigentliche Liquiditätsentwicklung. Und hier liegt die Erklärung in der aktuell unterschiedlichen Kursentwicklung. Gold blickt auf eine extreme Rally in den letzten Monaten zurück und erfährt nun deutliche Gewinnmitnahmen, da Investoren, ähnlich wie bei Aktien und langlaufenden Anleihen, Liquidität freischaufeln, um sich auf ein anhaltendes Krisenszenario vorzubereiten, Bitcoin hingegen ist seit dem Einbruch im Oktober deutlich überverkauft und bietet sich nun als interessante Positionierung an, um sich für ein Marktumfeld aufzustellen, in dem die Fed erneut als Retter für die Märkte auftreten und neue Liquidität freisetzen muss.

Am Markt ist eine grundsätzliche Neubewertung des Umfelds erkennbar, da die bisherige Mechanik des „TACO-Trades“ an Glaubwürdigkeit verliert. Seit dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit und den diversen, durch die chaotische Zoll-Politik verursachten, Marktturbulenzen haben Marktteilnehmer recht konsequent Rücksetzer nachgekauft, da Trump oft zurückgerudert ist („Trump Always Chickens Out“). Doch diesmal gibt es Zweifel, ob das passieren wird. Fundamental unterscheidet sich die aktuelle Krise zudem deutlich von Trumps Zoll-Krieg, da die Zölle schnell zurückgenommen werden konnten und dies eine direkte Erleichterung für die Märkte dargestellt hat. Dieser Konflikt ist jedoch deutlich komplexer und viel weniger durch die USA steuerbar. Langfristige Schäden in der Ölproduktion im Nahen Osten und eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus werden einen stärkeren Effekt auf die Weltwirtschaft haben, der nicht so schnell wieder behoben werden kann.

Globale Auswirkungen – Japan als Krisenherd?

Insgesamt betrachtet steigen durch die aktuelle Situation im Nahen Osten die Risiken einer Rezession in den USA und in anderen wichtigen Volkswirtschaften. Vor allem Japan ist durch die Blockade belastet, da ein großer Teil von Japans Ölversorgung über diese Route stattfindet. Da Öl in Dollar gehandelt wird, führt die Kombination aus steigenden Ölpreisen und einem schwachen Yen zu einem überproportionalen Kostenanstieg – der Ölpreis in Yen ist seit Jahresbeginn um etwa 60 Prozent gestiegen. Dadurch entsteht ein doppelter Schock aus steigenden Importkosten und Druck auf die Zahlungsbilanz.

Dieser Mechanismus setzt den sogenannten Yen-Carry-Trade unter Stress: Über Jahre hinweg haben japanische Investoren billig in Yen finanziert und Kapital in höher verzinste Auslandsanlagen gesteckt. Steigende Energiekosten machen diese Strategie zunehmend untragbar und erzwingen Kapitalrückflüsse nach Japan. Das wiederum setzt die US-Anleihemärkte zusätzlich unter Druck.

Zusätzlich verschärft die Politik von Premierministerin Sanae Takaichi die Lage. Sie setzt auf massive fiskalische Stimuli und eine weiterhin lockere Geldpolitik, obwohl gleichzeitig ein externer Angebotsschock durch steigende Energiepreise wirkt. Experten warnen, dass diese Kombination die Inflation weiter anheizen könnte. Die Bank of Japan befindet sich dadurch in einem Dilemma: Zinserhöhungen würden die Wirtschaft belasten, ein Festhalten an niedrigen Zinsen hingegen die importierte Inflation verstärken.

Insgesamt entsteht ein fragiles Szenario, in dem Japan als zentraler globaler Kapitalgeber zum Auslöser internationaler Marktverwerfungen werden könnte. Sollte der Ölpreis hoch bleiben und der Yen schwach, droht eine beschleunigte Auflösung des Carry Trades mit potenziell erheblichen Folgen für Anleihe-, Aktien- und Devisenmärkte weltweit. Ein US-Anleihezinsatz über 5 Prozent bleibt die entscheidende Marke für die USA, ab der dieser Konflikt untragbar werden könnte oder die Federal Reserve erneut in den Krisenmodus übergehen muss.

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