Bitcoin befindet sich scheinbar im freien Fall. Am 6. Februar fand eine scharfe Gegenbewegung zum Abwärtstrend statt, die den Bitcoin-Kurs in den Tagen danach knapp über 72.000 US-Dollar trug. Doch mit dieser Erholung war am 15. Februar Schluss und es wurde deutlich, dass der Bereich zwischen 70.000 und 72.000 US-Dollar einen starken Widerstand darstellt, den die Bullen aktuell nicht überwinden können.
Gestern wurde dann die Marke von 62.787 US-Dollar getestet und der Kurs fand dort Unterstützung. Gleichzeitig korreliert dieses Level mit dem Abschlusskurs des 5. Februars und dem Eröffnungskurs des Folgetages. Damit könnte Bitcoin wenigstens vorläufig in eine Range übergehen, bleibt aber in einer fragilen Situation. Es lassen sich drei Faktoren identifizieren, die aktuell belastend sind.
Die Gesetzgebung in den USA ist ins Stocken geraten und sollte den Markt besser regulieren und mehr Klarheit schaffen. Der sogenannte CLARITY Act stößt auf massiven Widerstand der Bankenlobby, die verhindern will, dass man außerhalb ihrer Domäne Zinsen verdienen kann. Denn die Renditen, die sich mit DeFi und Staking verdienen lassen, liegen weit über dem Niveau, welches die Banken anbieten können. Obwohl Bitcoin nicht direkt davon betroffen ist, wird der Markt von vielen Teilnehmern einheitlich betrachtet. Deshalb leidet auch Bitcoin unter der Verzögerung, obwohl eine Gesetzesnovelle keine direkten Auswirkungen auf Bitcoin hätte.
Neben der Enttäuschung bei der US-Regulierung des Kryptomarktes sind es Schwierigkeiten beim Krypto-Lender BlockFills, die unschönen Erinnerungen hervorrufen. Das Unternehmen steht aktuell zum Verkauf und realisierte mindestens 75 Millionen US-Dollar Kreditverlust. Anders als Celsius oder BlockFi bedient BlockFills primär institutionelle Kunden, was für zusätzliches Unbehagen sorgt. Das Unternehmen äußerte sich mit Ausnahme einer Pressemitteilung nicht weiter zu den Problemen oder dem geplanten Verkauf.
Zu guter Letzt ist es schlicht das Marktsentiment, welches Bitcoin im Weg steht. Viele Marktteilnehmer haben sich an den Gedanken gewöhnt, dass es wiederkehrende Zyklen gibt. Zudem liegen Investments in KI, Silicon und Rohstoffe aktuell deutlich stärker im Trend. Allein die Tatsache, dass andere Investments stärker performen als Krypto oder Bitcoin, sorgt dafür, dass sich viele Akteure anderen Assets zuwenden.
Worst-Case-Szenario: Bitcoin unter 30.000 US-Dollar
Sollte sich die Annahme bestätigen, dass Bitcoin erneut einen bärischen Zyklus durchläuft, dann liegt der Schluss nahe, dass vergangene Zyklen Kursziele vorgeben. Vom jeweiligen Allzeithoch aus betrachtet wurde in den darauf einsetzenden Bärenmärkten ein Minus zwischen 77 % und 85 % erzielt. Diese Spanne ist deshalb so breit, weil sie je nach Handelsplatz und Betrachtungszeitraum durchaus schwanken kann. Zudem spielt es eine Rolle, ob man immer den absoluten Tiefstkurs oder den ersten Versuch einer Bodenbildung in Betracht ziehen möchte.
Sollte sich die Vergangenheit also wiederholen – was sie absolut nicht muss – dann kann der Bärenmarkt deutlich finsterer werden, als er uns jetzt schon beschert ist.
Lichtblicke: Warum es immer noch Hoffnung gibt
Die Bärenmärkte aus vergangenen Marktzyklen zeigen auch, dass es Korrekturen gibt, die teilweise Wochen angedauert haben. So stieg Bitcoin von Januar 2022 bis Anfang April 2022 wieder an. Nach dieser Korrektur setzte sich der Abverkauf zwar fort, aber das Beispiel zeigt, dass etwa ein später Exit möglich ist, wenn man den Ausstieg bei „100k“ verpasst hat. Alternativ kann man im Fall eines Rebounds auch kurzfristige Gewinne realisieren, wenn man Anfang Februar gekauft hat.
Es gibt Parallelen zwischen der damaligen und der heutigen Situation. Wenn 60.000 US‑Dollar als lokales Tief Bestand haben und sich – wie von Ende Januar bis Anfang April 2022 – eine Erholung um rund 45 % ergibt, läge ein Ziel um 87.000 US‑Dollar nahe. Das gilt ausdrücklich nur, sofern Umfang und Dynamik der Korrektur dem 2022er Muster entsprechen.
Ein weiterer Lichtblick kommt aus einem anderen Blickwinkel. Was, wenn Marktzyklen überholt und kein verlässliches Modell mehr sind? Was, wenn die Fed die Schleusen öffnet und Risk-on-Assets wie Bitcoin profitieren? Was, wenn man sich im April doch auf eine finale Form des CLARITY Acts einigt?
Der Ausblick auf das Jahr 2026 ist erst dann getrübt, wenn man daran glaubt, dass sich die Vergangenheit nach dem gleichen Playbook wiederholt.

