Die Situation in Nahost hat sich nach einem zwischenzeitlichen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran wieder verschlechtert. Die Friedensgespräche beider Parteien sind vorerst gescheitert, US-Präsident Trump macht das anhaltende Bestreben des Iran nach einem Atom-Programm dafür verantwortlich. Infolge haben die USA eine eigene Blockade der Straße von Hormus angekündigt, die am Montag in Kraft treten soll. Sämtliche Schiffe mit Bezug zu iranischen Häfen oder Küstengebieten sollen nicht mehr durchgelassen werden.
An den Märkten hat das für eine entsprechende Reaktion gesorgt. Der Öl-Preis ist innerhalb von Minuten nach den Aussagen Trumps um über 9 Prozent auf nun wieder deutlich über 100 Dollar geklettert, die Aktienmärkte notieren zu Beginn der neuen Handelswoche deutlich im Minus. Bitcoin musste ebenfalls Federn lassen und ist bis zurück an die Marke von 70.500 Dollar gefallen, nachdem die Marke von 73.000 Dollar in den Tagen zuvor als entscheidender charttechnischer Widerstand aufgetreten ist.
Aktuell hält Bitcoin sich jedoch weiterhin oberhalb seines 50-Tage-Trends und blickt seit Beginn des Krieges immer noch auf eine starke Performance in Relation zu anderen Assetklassen wie Aktien oder Gold.
Die Uhr tickt – Krisengefahr wird größer
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Seehandelsrouten der Welt. Rund 20 Prozent des globalen Ölhandels werden durch die Passage transportiert – aktuell ist der Transit jedoch fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Sowohl der stark gestiegene Preis des Öls als auch die gestörten Lieferketten setzen die Weltwirtschaft zunehmend unter Druck. Die Inflationserwartungen steigen mit jedem Tag, an dem sich der Welthandel nicht wieder normalisiert. Die Probleme gehen dabei weit über die Öl-Lieferungen hinaus, da auch andere wichtige Rohstoffe betroffen sind, die unter anderem für die Lebensmittelindustrie relevant sind.
Die US-Geldpolitik wird stark durch die aktuelle Situation beeinflusst. Die Erwartungen an weitere Zinssenkungen durch die Federal Reserve sind seit dem Beginn des Konfliktes deutlich zurückgegangen – manche Analysten rechnen sogar mit neuen Zinserhöhungen. Aktuell rechnet der Markt für die nächsten beiden Sitzungen mit keiner Zinsveränderung. Erst im Juli prognostiziert laut Daten von der CME etwa ein Drittel des Marktes eine weitere Zinssenkung.
Anhaltend hohe Zinsen sind ein Druckfaktor, sowohl für die Wirtschaft als auch für das Finanzsystem. Die Zinsen langlaufender US-Staatsanleihen sind Ende März wieder gefährlich nahe an die als kritisch angesehene Marke von 4,5 Prozent gestiegen. Zinssätze über diesem Level gelten als nicht lange tragbar für hochverschuldete Teile der Wirtschaft und stellen auch die US-Regierung vor ein wachsendes Problem, da die Schuldenspirale durch den defizitären Haushalt sich immer schneller dreht, je größer die Zinsbelastungen für die Regierung werden.
Wird der private Kreditsektor zum Problem?
Ein bei vielen Marktanalysten zunehmend im Fokus der Aufmerksamkeit stehendes Sorgenkind ist der private Kreditmarkt in den USA. Er wird aktuell als möglicher Auslöser für eine neue Finanzkrise diskutiert, da Anleger mit wachsendem Tempo Kapital aus diesem Markt abziehen wollen, die Liquidität dafür jedoch nicht ausreicht.
Der private Kreditsektor ist seit der Finanzkrise 2008 stark gewachsen, weil Banken aufgrund verschärfter Regulatorik und strengerem Risikomanagement seitdem weniger riskante Kredite vergeben haben. Der private Kreditmarkt ist eingesprungen und hat Kredite an riskantere Unternehmen zu höheren Zinsen vergeben. Das Segment hat mittlerweile eine Größe von 3,5 Billionen Dollar angenommen – deutlich größer als der damalige Subprime-Markt vor 2008 mit einer Größe von etwa 1,5 Billionen Dollar.
Bereits seit Anfang 2026 ist eine verstärkte Rotation aus diesem Markt heraus beobachtbar. Anleger haben im ersten Quartal über 20 Milliarden Dollar an Rücknahmen beantragt – ein Rekordwert und ein Anstieg um über 140 Prozent im Vergleich zum vorherigen Quartal. Die Gründe dafür sind vielfältig: Es gab unter anderem Insolvenzen großer Player wie Firstbrands und Tricolor, sowie massive Wertberichtigungen einzelner Kredite von 100 auf 0. Die Default-Rate im Private Credit Markt steigt spürbar, und viele Portfolios (besonders aus der Boom-Phase der letzten Jahre) zeigen nun Schwächen.
Ein großer Teil der Private-Credit-Portfolios finanziert zudem Software-Unternehmen, die durch KI-gestützte Alternativen bedroht sind. Anleger befürchten Umsatzeinbrüche und höhere Ausfallrisiken – das hat bei tech-lastigen Fonds wie dem Blue Owl Technology Fund zu extrem hohen Abflüssen von bis zu 41 Prozent in einem Quartal geführt. Viele Fonds konnten diese Auszahlungen jedoch nicht bedienen, da sie zu illiquide sind. Viele Fonds, die seit 2022 stark bei Retail- und Wealth-Investoren gewachsen sind, versprechen quartalsweise Auszahlungen. Bei einem plötzlichen Run auf die Fonds passen die illiquiden zugrunde liegenden Unternehmenskredite jedoch nicht mehr zur Nachfrage. Das führt zu „Bank-Run“-ähnlichen Situationen, in denen Anleger lieber heute als morgen rauswollen, um nicht hinter anderen zu stehen.
Viele Fonds konnten jedoch nur etwa die Hälfte der Anträge bedienen und haben die gesetzlich erlaubten Limits (oft 5 Prozent pro Quartal) durchgesetzt. Selbst große Player wie BlackRock, Apollo Global Management oder Morgan Stanley haben Auszahlungen begrenzt und Kapital teilweise eingefroren.
Die aktuellen geopolitischen Risiken sind dabei nicht hilfreich, da der Öl-Preis-Schock den allgemeinen Druck auf die Wirtschaft erhöht. Kreditausfallraten können aufgrund der wachsenden Belastung deutlich steigen und den Wunsch der Anleger nach einer defensiveren Aufstellung verstärken, was zu weiteren Abflüssen führen kann. Viele Anleger wollen in liquide Alternativen rotieren oder einfach Gewinne mitnehmen, nachdem Private Credit in den letzten Jahren massiv gewachsen ist.
Wie akut ist die Gefahr?
Der Markt ist bisher nicht zusammengebrochen – viele Fonds bedienen weiterhin einen Großteil der Anträge, und die zugrunde liegenden Kredite sind größtenteils noch solide. Aber der plötzliche Run zeigt, dass die starke Retail-Zufuhr der letzten Jahre und die semi-liquiden Strukturen ein strukturelles Risiko darstellen.
Hinzu kommt die Intransparenz des Private Credit Marktes, die eine adäquate Bewertung des Risikos schwer macht. Der Markt ist kaum reguliert, die Vermögenswerte werden intern bewertet und sind nicht öffentlich handelbar. Im Endeffekt weiß niemand genau, wie viel die Kredite wirklich wert sind. Es sind dabei viele Parallelen zur Finanzkrise 2008 erkennbar: Das schnelle Wachstum eines neuen Marktes, gefolgt von ersten Stresssignalen, mangelnder Transparenz und dem Aufkommen neuer komplexer Derivate, die die Dynamik potenzieren können. Aktuell ist die Einführung eines CDS-Index durch S&P Dow Jones Indices geplant. Credit Default Swaps (CDS) sind Derivate, mit denen man sich vor Kreditausfällen absichern kann – letzten Endes ermöglichen sie Wetten auf Kreditausfälle. Im Zuge der Finanzkrise 2008 haben CDS die Krise verstärkt statt abgefedert. Ein weiteres Warnsignal ist, dass die Federal Reserve zuletzt angefangen hat, die Exponierung von Banken gegenüber Private Credit zu prüfen.
Die aktuell sehr komplexe Gemengelage an den internationalen Finanzmärkten bietet viele Angriffsflächen für eine Liquiditätskrise – der private Kreditmarkt ist einer davon. Die Lage in Nahost erhöht die Gefahr eines Ausbruchs mit jedem weiteren Tag, den die Krise anhält.
Was bedeutet das für den Bitcoin-Kurs?
Im Zuge einer Liquiditätskrise fallen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zunächst alle Assets, da Marktteilnehmer Liquidität freisetzen müssen. Das letzte große Beispiel dieser Art war der Corona-Crash im März 2020. Bitcoin ist in dieser Phase in Relation zu anderen Assetklassen besonders stark gefallen, da Bitcoin liquide und 24/7 handelbar ist. Allerdings hat Bitcoin auch am stärksten von der darauffolgenden geldpolitischen Antwort und der Freisetzung einer gigantischen Menge künstlicher Liquidität profitiert.
Heute sieht die Situation ähnlich, aber doch teilweise anders aus. Im Gegensatz zum ersten Quartal 2020 ist Bitcoin heute in Relation zum Aktienmarkt und dem Goldpreis bereits stark überverkauft. Während das Interesse von Privat-Anlegern an Bitcoin auf zyklischen Tiefstwerten liegt – sie haben im Q1 2026 netto rund 62.000 BTC verkauft, die On-Chain-Aktivität von Retail-Wallets befindet sich auf einem 9-Jahres-Tief und die Beteiligung ist auf dem niedrigsten Stand der letzten 10 Jahre –, akkumulieren institutionelle Investoren weiterhin Bitcoin-Positionen: Allein im ersten Quartal 2026 kauften sie netto ca. 69.000 BTC über Spot-Bitcoin-ETFs mit Netto-Zuflüssen von 12,4 Milliarden Dollar sowie durch aggressive Käufe von Corporates wie MicroStrategy; sie halten inzwischen etwa 14 Prozent des gesamten BTC-Angebots und schaffen damit einen strukturellen Preis-Floor in diesem „Institutional Era“-Zyklus.
Daher könnte der Bitcoin-Drawdown in einer möglichen Liquiditätskrise diesmal geringer ausfallen, während gleichzeitig die geldpolitische Antwort deutlich größer ausfallen dürfte als in vergangenen Krisen, da das System unter einer noch wesentlich größeren Schuldenlast steht als noch vor sechs Jahren. Institutionelle Investoren dürften sich teilweise bereits entsprechend positionieren, um von einer weiteren massiven Ausweitung der Geldmenge zu profitieren. Bitcoin eignet sich als Vehikel dazu in besonderem Maße, zumindest wenn man vergangene Preis-Dynamiken als Orientierung nimmt.
Denken Sie langfristig!
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenWird Iran Bitcoin für die Straße von Hormus einsetzen? Wie die Pläne aussehen und was das für den Bitcoin-Preis bedeuten könnte, erfahren Sie in der aktuellen Analyse auf decentralist.

