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TikTok vs. Kryptowährungen: Schleichwerbung bleibt ein Problem

TikTok Kryptowährungen
Bildquelle: Kon Karampelas, pixabay.com

Kompakt:

  • TikTok hat bezahlte Werbung für Kryptowährungen auf seiner Plattform verboten.
  • Gemeint sind damit Beiträge von Influencern, die dafür im Gegenzug direkt oder über Affiliate-Programme bezahlt werden.
  • Das Verbot wird kontrovers diskutiert, weil Schleichwerbung ohnehin ein Problem für die Branche darstellt.

Bezahlter Content ist für viele Influencer eine attraktive Einnahmequelle. Doch TikTok möchte diese Geschäftspraxis im Zusammenhang mit Kryptowährungen nicht mehr sehen. Dabei kennzeichneten viele Influencer die Beiträge oder Verlinkungen transparent für ihr Publikum als bezahlte Werbung. Neben Kryptowährungen sind auch nahezu allen anderen Anlage- und Finanzprodukte von dem Verbot betroffen.

Jetzt können die Influencer im Prinzip auch weiterhin finanzielle Ratschläge und Empfehlungen abgeben, aber es wird nicht mehr erkennbar sein, ob es sich um eine Werbung handelt oder nicht. Somit verschlechtert die noch junge Social-Media-Plattform die Qualität ihrer Inhalte. Da die meisten Videos auf TikTok ohnehin sehr lebendig sind, dürfte das kaum ins Gewicht fallen.

Darüber hinaus sollten sich Anleger ein wenig in Selbstreflexion üben, denn wer sich finanzielle Ratschläge auf TikTok holt, der muss sich nicht wundern, wenn das Ergebnis am Ende dürftig ausfällt. Als Stimmungsbarometer für das Marktsentiment taugen die kurzen Clips aber allemal. Denn der Dogecoin-Hype nahm auf TikTok im Jahr 2021 volle Fahrt auf.  

Schleichwerbung als Problem der Branche

Das Vorgehen von TikTok verdeutlicht ein Problem, welches die gesamte Branche in letzten Jahren wiederholt heimgesucht hat. Denn es gibt ein massives Problem mit Schleichwerbung, von dem Influencer wie auch die Fachpresse gleichermaßen betroffen sind.

Häufig sind bezahlte Beiträge nicht als Werbung bzw. Anzeige gekennzeichnet. Auch Affiliate-Links werden gerne nicht als Werbung ausgewiesen oder gar mit entsprechenden Tools verschleiert. Erst wenn man die Verlinkung anklickt, wird anhand der URL klar, dass man nicht Besucher, sondern geworbener Kunde ist.

Diese beiden Phänomene sind jedoch nicht nur bei Influencern und Krypto-Medien zu beobachten. Hier könnte man noch ein wenig beschwichtigen und darauf hinweisen, dass dies eine Landplage ist, die sich im gesamten Internet breitgemacht hat.

Tokenökonomie mal anders

Doch das ist längst nicht die Spitze des Eisbergs. Denn es gibt auch Formen von Werbung, die sich exklusiv auf das Reich der Kryptowährungen erstrecken. Viele Projekte, die Token herausgeben, locken Influencer mit Bonuszahlungen, so dass sich diese besonders billig in den Token Sale einkaufen können. Am Ende dienen die vermeintlichen Aufklärer und Ratgeber, die sich als Helden ihrer Communities präsentieren, lediglich als Multiplikatoren, um die restlichen Token an den Mann zu bringen.

Im deutschsprachigen Raum ist diese Praxis kaum zu finden, aber im internationalen Umfeld ist sie schon lange an der Tagesordnung. Besonders Influencer, die eine persönliche Bindung zu ihrem Publikum aufbauen, sind bei den Marketingabteilungen sehr beliebt. Auf YouTube ist es bereits schwer geworden, noch einen „Content Creator“ zu finden, der ein Mindestmaß an Integrität besitzt.

Transparenz und selbst auferlegte Standards

Am Ende hilft nur der Weg vor Gericht. Wenn es auch müßig sein dürfte, die Sachverhalte im Einzelnen zu beweisen. Unlängst sind auch US-Behörden auf die Problematik aufmerksam geworden und wie die Strafverfolgung von John McAfee bewiesen hat, nimmt man die „paid shills“ durchaus unter die Lupe.

Die einzige Alternative ist, sich selbst als Medienmacher in die Pflicht zu nehmen und Communities und Verbraucher vollkommen transparent über werbliche Inhalte zu informieren. In Deutschland sieht das Wettbewerbsrecht übrigens auch gar nichts anderes vor und Schleichwerbung ist verboten.

TikTok schießt sich also mit dem Verbot selbst ins Knie, denn ein Werbeverbot lässt sich angesichts der gängigen Praktiken kaum durchsetzen. Am Ende bleiben die Verbraucher auf der Strecke, die im Altersdurchschnitt sehr jung sind und daher für Investmentratschläge, die von den Anlageinteressen der Influencer bestimmt sind, sehr empfänglich sein dürften.

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