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Liquidität statt Halving: Die neuen Treiber des Bitcoin-Marktes

2026 Bitcoin
Bildquelle: © stock.adobe.com

Der Bitcoin-Kurs navigiert aktuell durch unbekannte Gewässer. Das abgeschlossene Jahr 2025 hat einige scheinbar in Stein gemeißelte Dynamiken infrage gestellt. Die seit Jahren vorherrschende These des Bitcoin-Vierjahreszyklus verliert durch die Kursentwicklung der letzten Monate stark an Aussagekraft. Klassischerweise markiert das vierte Quartal eines Jahres die saisonal stärkste Phase für die Bitcoin-Kursentwicklung. Das gilt besonders in einem Post-Halving-Jahr, also einem Jahr nach dem zuletzt stattgefundenen Bitcoin-Halving, bei dem die Neuerzeugungsrate der Kryptowährung halbiert wird und einen positiven Einfluss auf das Angebot/Nachfrage-Verhältnis – und damit potenziell auch auf die Preisentwicklung – hat.

2025 hat in gleich doppelter Hinsicht mit dieser Dynamik gebrochen. Nicht nur das vierte Quartal ist entgegen den Erwartungen schlecht für Bitcoin ausgefallen. Auch das gesamte Post-Halving-Jahr 2025 ist performanceseitig negativ zu Ende gegangen, obwohl diese Phase des Vierjahreszyklus eigentlich für die parabolische Aufwärtsphase eines jeden bisherigen Bitcoin-Zyklus bekannt war. Bitcoin hat das Jahr 2025 mit einem Minus von ungefähr fünf Prozent abgeschlossen.

Tritt Bitcoin nun in eine neue Phase ein?

Laut der klassischen Zyklus-These müsste für die Kryptowährung nun ein in etwa ein Jahr andauernder Bärenmarkt bevorstehen. Die Kursentwicklung im Jahr 2025 stellt die Vierjahreszyklus-These jedoch infrage. Zumindest im Ansatz gilt das ebenso für den positiven Jahresauftakt von Bitcoin, wenn man es in den Zusammenhang mit den makroökonomischen Entwicklungen stellt.

Die Vierjahreszyklus-These beruht vordergründig auf krypto-internen Treibern. Das Bitcoin-Halving und dessen positiver Effekt auf das Angebot/Nachfrage-Verhältnis steht dabei im Fokus. Allerdings hat sich über die Jahre auch ein Narrativ um diesen Effekt herum verselbstständigt, der eine nicht unerhebliche marktpsychologische Wirkung entfaltet hat. Das hat in früheren Jahren eine größere Rolle gespielt, da der Krypto-Sektor hauptsächlich von Privatinvestoren geprägt war, die tendenziell anfälliger für diese Dynamik sind als Institutionelle, die ganz andere strategische Absicherungsmechanismen einsetzen können.

Nun stehen für Bitcoin jedoch eindeutig makroökonomische Treiber im Vordergrund, verstärkt durch den Einstieg der Wallstreet. Die Liquiditätsentwicklung spielt durch die über die Jahre stark angestiegenen geldpolitischen Interventionen eine immer größere Rolle, da sie einen wachsenden Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung und die Vermögenswertentwicklung an den Finanzmärkten nimmt.

Das Vierjahreszyklus-Modell hat in den letzten 12 Jahren recht exakt in die Liquiditätszyklen hineingepasst, da sich diese an den Refinanzierungszyklen der Finanzmärkte orientieren. Seit Anfang 2023 finden wir uns jedoch in einem in die Länge gezogenen Liquiditätszyklus wieder, da alte, in der Corona-Phase gefüllte Liquiditätstöpfe den Zyklus in seiner frühen Phase angetrieben haben, die Federal Reserve als Hauptschaltzentrale der globalen Liquidität in diesem Zyklus jedoch erst verzögert auf den Plan getreten ist.

Gibt dieser Chart die Richtung vor?

Ein entscheidender Liquiditätsfaktor seit der Corona-Krise ist die Reverse Repo Facility (RRP) der Federal Reserve. Dabei handelt es sich um ein Geldmarkt-Instrument, dass die Fed nutzt, um überschüssige Liquidität aus dem System zu ziehen. In „normalen“ Zeiten irrelevant, hat die RRP in Corona als Vehikel gedient, um die enorme Menge an freigesetzter Liquidität zu managen. Geldmarktfonds und Banken haben überschüssige Liquidität dort geparkt – in der Spitze über 2,5 Billionen Dollar. Die anschließende straffe Zinserhöhung zur Bekämpfung der gestiegenen Inflation hat jedoch zu einer anschließenden Drainage dieser Liquidität hinaus aus dem isolierten Topf der RRP und hinein in die Finanzmärkte geführt, da kurzlaufende Staatsanleihen ab einem gewissen Punkt eine attraktivere Rendite abgeworfen haben als die RRP.

Bildquelle: TradingView (Grün: RRP | Blau: Fed Balancesheet | Schwarz: Bitcoin-Kurs)

Auf dem Vergleichschart ist klar zu sehen: die Entleerung der RRP verläuft im Einklang mit dem Kursanstieg von Bitcoin. Die vollständige Drainage der RRP liegt im Einklang mit dem im Sommer erreichten Plateau des Bitcoin-Kurses. Gleichzeitig hat die Federal Reserve weiterhin den Abbau ihres Balancesheets betrieben und dem Markt damit weitere Liquidität entzogen. Mit der Ankündigung des Endes von Quantitative Tightening der Fed hat auch der Bitcoin-Kurs zumindest ein lokales Tief gefunden. Der im historischen Vergleich sehr schnell erfolgte Restart von Quantitative Easing, also dem Aufkaufen von Wertpapieren durch die Fed, liegt im Einklang mit der Erholungsbewegung von Bitcoin.

Wie aussagekräftig ist diese Korrelation?

Bitcoin reagiert zunehmend wie ein hochliquides, global gehandeltes Asset auf Veränderungen der Finanzierungsbedingungen. Der Markt hat sich strukturell verändert – institutionelle Akteure, Derivatemärkte und ETF-Strukturen sorgen dafür, dass makroökonomische Faktoren eine zunehmend größere Rolle spielen, während krypto-interne Narrative an Bedeutung verlieren. Gleichzeitig hat sich aus dem makroökonomischen Fundament ein weiteres Narrativ gebildet, welches die ohnehin stattfindenden Einflüsse auf die Kursentwicklung verstärkt. Der Fakt, dass geldpolitische Lockerung passiert, könnte aufgrund marktpsychologischer Aspekte einen größeren Einfluss auf die Kursentwicklung haben als der tatsächliche Umfang von aktuell 40 Milliarden Dollar Kauf-Volumen monatlich eigentlich rechtfertigen würde.

Gleichzeitig ist klar, dass das aktuelle Chartbild bestenfalls als Tendenz und nicht als klare Bestätigung für einen zeitlich verlängerten Bullrun herangezogen werden kann. Dazu ist die Datenlage aktuell noch zu dünn.

Fakt ist, dass das klassische Vierjahreszyklus-Modell durch die Kursentwicklung in 2025 in seiner Aussagekraft stark abgeschwächt wurde. Währenddessen bleibt die Liquiditätsentwicklung ein aussagekräftiger Orientierungspunkt für die weitere Kursentwicklung von Bitcoin, auch wenn sie keinen genauen Leitfaden liefern kann. Geldpolitische Maßnahmen entfalten ihre Wirkung nicht unmittelbar, sondern mit teils erheblichen Verzögerungen. Ein ausgewachsener Bärenmarkt für Bitcoin in 2026 ist nicht unmöglich, jedoch ebenso wenig eine ausgemachte Sache.

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Mehr Informationen

2026 wird eine entscheidende Antwort bezüglich des Bitcoin-Vierjahreszyklus liefern. Drei mögliche Szenarien im Überblick finden Sie in der neuen Analyse auf decentralist.

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