Wissenschaft & Forschung

Internationale Studie: Deutsche verschlafen Kryptowährungen

Studie Kryptowährungen

Lesedauer für den Artikel: 3 Minuten

Kompakt:

  • Die spanische IE University hat eine internationale Studie zu Kryptowährungen durchgeführt, sie trägt den Titel „Crypto Currencies and the Future of Money“.
  • Demnach stehen die Deutschen Kryptowährungen äußerst skeptisch gegenüber. Im internationalen Vergleich lehnen sie Bitcoin und Co am meisten ab.

Das „Center for the Governance of Change“ der spanischen IE University veröffentlichte jüngst eine umfassende Studie zur öffentlichen Wahrnehmung von Kryptowährungen. Zu diesem Zweck analysierten die Wissenschaftler, wie die Bürger in acht verschiedenen Staaten zu diesem Thema stehen. Im Fokus der Studie standen Argentinien, Brasilien, Frankreich, Deutschland, Mexiko, Spanien, Großbritannien und die Vereinigten Staaten.

Deutschland schneidet darin am schwächsten ab, denn 71 Prozent aller Befragten setzen kein Vertrauen in Kryptowährungen und planen dementsprechend auch keine Anschaffung. Spitzenreiter ist demnach Argentinien, denn dort zeigen 79 Prozent aller Befragten Interesse am Kauf von Kryptowährungen.

Dabei wundert es nicht, dass die Bürger der Länder am ehesten bereit sind sich auf Veränderungen einzulassen, wo das Vertrauen in öffentliche Institutionen am geringsten ist.

Europäer vertrauen den Banken

Obgleich Slogans wie „Be your own bank” in der Krypto-Szene weit verbreitet sind, möchten die meisten Europäer und US-Amerikaner Banking lieber den Privat- und Zentralbanken überlassen. Daran ist laut der Studie auch das mangelnde Vertrauen in Kryptowährungen gekoppelt.

In Lateinamerika steht das Bild wiederum auf dem Kopf. Die Bürger dieser Länder haben kaum Vertrauen in die etablierten Institutionen und sind daher auch wesentlich mutiger, was die Investition in Kryptowährung angeht.

Insbesondere die politischen Entscheidungen während der Krise im Jahr 2008 beeinflussten die Meinung der Öffentlichkeit nachhaltig. In den lateinamerikanischen Ländern nahmen die Befragten die jeweiligen Rettungsmaßnahmen als unwirksam wahr, während in den USA und Europa viele Menschen den Entscheidungen der Politik und entsprechenden Institutionen vertrauten.

Libra ist nicht gut gelitten

Ein wesentlich einheitlicheres Bild zeigte sich bei Libra. So sehr sich Facebook auch darum bemüht, nicht mehr als maßgeblicher Faktor des Projekts wahrgenommen zu werden, so steht der Konzern jedoch immer noch im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung.  

Auch hier sind die Deutschen Spitzenreiter, denn nur 3 Prozent der Befragten sind bereit Facebook ihr Vertrauen zu schenken. In den anderen westlichen Ländern sah es jedoch nicht sehr viel besser aus. Nur 4 Prozent der Briten, 5 Prozent der US-Bürger, 6 Prozent der Franzosen sowie 13 Prozent der Spanier können sich vorstellen, auf Libra zu bauen.

Damit zeigt sich, dass der Konzern die Rolle seines Images deutlich unterschätzt hat. Denn abseits von regulatorischen Bedenken ist dies immer noch der Hauptkritikpunkt.

Kryptowährungen sind kein Geld

Eines der Hauptprobleme von Kryptowährungen ist immer noch, dass sie nicht als Geld betrachtet werden und dementsprechend auch kaum Verwendung finden. Hier zeigt die Forschungsarbeit, dass viele der ursprünglichen Ziele nicht realisiert werden konnten.

Gleichzeitig gestehen die Wissenschaftler aber ein, dass Kryptowährungen immerhin dazu das Potenzial besitzen. Um Zahlungssysteme zu verbessern, müssten Kryptowährungen also auch zur Zahlung eingesetzt werden.

Tatsächlich ist ihr Hauptverwendungszweck aber immer noch die Spekulation.