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FTX finanzierte Presse: Schmierte „SBF“ Krypto-Journalisten?

Sam Bankman-Fried
Sam Bankman-Fried bei der Präsentation des Saga in New York | Bildquelle: Solana Labs

  • Ein Bericht von Axios deckte gestern einen mutmaßlichen Schmiergeldskandal auf.
  • Demnach hat der CEO von „The Block“ Millionenbeträge von Sam Bankman-Fried erhalten.
  • Es bestehen ernsthafte Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Berichterstattung des internationalen Leitmediums.

Der FTX-Skandal nimmt neue Züge an, die nun auch die internationale Fachpresse heimsuchen. The Block ist mit Abstand das internationale Leitmedium der Branche, welches mit einem Team von insgesamt 130 Mitarbeitern weltweit in vieler Hinsicht führend ist. Doch es kommen schwerwiegende Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mediums auf.

Einem Bericht von Axios zufolge soll der CEO Michael McCaffrey Millionenbeträge von Sam Bankman-Fried erhalten haben. McCaffrey übernahm die Führungsrolle bei The Block im Jahr 2020. Ein Jahr zuvor startete The Block erstmals mit der Berichterstattung über FTX und setzte diese in den folgenden Jahren fort.

Jetzt steht zur Debatte, ob FTX, Alameda Research und Sam Bankman-Fried am Ende eine wohlwollende Sonderbehandlung erfahren und sich damit letztlich einen nicht unwesentlichen Bestandteil der Krypto-Presse eingekauft haben.

The Block war in Schwierigkeiten

McCaffrey trat noch gestern von seinem Posten zurück und äußerte sich öffentlich zu dem Skandal. Demnach war das Unternehmen Anfang 2021 in finanziellen Schwierigkeiten und es war Sam Bankman-Fried, der einen Kredit in Höhe von 12 Millionen US-Dollar an eine andere Firma von McCaffrey vergab.

Laut dem Ex-CEO soll dieses Geld zur Aufrechterhaltung des Geschäfts genutzt worden sein. Ein Jahr später folgte ein weiterer Kredit in Höhe von 15 Millionen US-Dollar. McCaffrey behauptet, dass das Geld ausschließlich verwendet wurde, um The Block geschäftlich zu stärken und auszubauen. Der Umsatz des Unternehmens wird in diesem Jahr auf 20 Millionen US-Dollar geschätzt. Den letzten Kredit in Höhe von 16 Millionen US-Dollar erhielt eine von McCaffreys Firmen wohl im Frühjahr 2022, wovon er sich u. a. eine Immobilie auf den Bahamas kaufte. Dem Ort, der auch das Domizil von Sam Bankman-Fried ist und auf dem auch seine Eltern Immobilien besitzen, die ebenfalls mit dem Geld von Anlegern bezahlt worden sein sollen.

Das Team soll von den geschäftlichen Verbindungen nichts gewusst haben, wie McCaffrey weiter ausführte. Demnach war die Berichterstattung über FTX, Alameda Research und Sam Bankman-Fried zu keinem Zeitpunkt durch die Zahlungen beeinflusst.

Redaktion ist fassungslos

Die Journalisten erfuhren von der ganzen Angelegenheit erst kurz bevor der Artikel von Axios publiziert wurde. Larry Cermak und Frank Chaparro, zwei der führenden Köpfe im Team der Redaktion, schütteten via Twitter ihr Herz aus.

Sie bestätigten die Aussagen von McCaffrey und gaben sich fassungslos ob des Schadens an der Glaubwürdigkeit des Mediums und ihrer eigenen Arbeit. Der Rufschaden wiegt schwer, denn letztlich ist es für das Publikum von The Block nicht prüfbar, ob ihre Aussagen den Tatsachen entsprechen und die Berichterstattung nicht gekauft war.

Dabei sprechen jedoch einige Fakten für die Arbeitsqualität der Journalisten. So interviewte Chaparro letzten Montag Bankman-Fried während eines Podcasts. Anders als in den Interviews, welche SBF in den vergangenen Wochen gab, ließ Chaparro seinen Gesprächspartner jedoch nicht mit Ausflüchten davonkommen. Larry Cermak teilte sogar vor dem Skandal eine Liste mit Firmen, welche Kredite vom Firmengeflecht rund um Alameda und FTX erhalten hatten. Auch die beiden Unternehmen, die McCaffrey gehören, tauchten darin auf. Laut Cermak habe er weder gewusst noch geprüft, dass sein Chef Inhaber zweier Unternehmen ist, die wiederholt Geld erhalten hatten.

Die Aufarbeitung dürfte das Team von The Block noch eine Weile beschäftigen. Die Rolle als CEO wird von Bobby Moran übernommen, der zuvor als CRO für das Unternehmen tätig war.

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