Meinung

Forbes veröffentlicht kontroversen Artikel über Digitalwährungen – Hommage an den US-Dollar und Bashing von Bitcoin

Brennender Dollar
Bildquelle: Foto-Rabe, pixabay.com

Lesedauer für den Artikel: 4 Minuten

Ein Kommentar von Robert Steinadler.

Kritik tut Bitcoinern und Befürwortern von Kryptowährungen immer wieder gut. Sie ermöglicht es die eigenen Standpunkte zu reflektieren und hält der oftmals sehr enthusiastischen Szene einen Spiegel vor. Gestern veröffentlichte Forbes einen vielbeachteten Artikel, der im Kern genau das versucht, aber an vielen Stellen sein Ziel weit verfehlt.

Der Aufhänger für die Story ist der Bedarf von digitalem Zentralbankgeld. Der Autor argumentiert, dass dieser Bedarf nicht vorhanden ist, weil der US-Dollar zu ca. 90% nur auf dem Papier existiert. Da dieses Buchgeld digitalisiert ist und wunderbar funktioniert, braucht es auch keine DLT-Lösung oder gar eine Blockchain.

Inhaltlich hätte der Autor, David B. Black, an diesem Punkt die Gelegenheit gehabt die Vorzüge und Unterschiede von digitalem Buchgeld und einer digitalen Währung zu diskutieren. Das scheint aber gar nicht sein Ziel gewesen zu sein, als er den rund 2700 Wörter langen Artikel verfasste.

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Von Hölzchen auf Stöckchen

Schnell bemüht sich der Text von der Debatte über einen digitalisierten US-Dollar wegzukommen. Nach einer kurzen Einleitung, die einen Abstecher in die Geschichte des Bargelds macht, kommt Black zum Ursprung der Idee, die er eigentlich kritisieren will.

Bitcoin und Kryptowährungen sind in seinen Augen die Übeltäter, welche die ganze Welt zum Narren halten und falsche Versprechungen machen. Was folgt ist eine Aufstellung bekannter Probleme, wie etwa die bisher geringe Skalierbarkeit von Bitcoin-Transaktionen, Gebührenstrukturen der Netzwerke, der Energieverbrauch des Mining und schlussendlich die Problemstellung der Selbstverwahrung von Kryptowährungen.

Auch seine Kritik an privaten Blockchain und DLT-Lösungen, die beispielsweise von Microsoft als Industriestandard entwickelt werden, erscheint extrem deplatziert. Denn nichts davon hat auch nur im Entferntesten etwas mit digitalisiertem Zentralbankgeld oder Digitalwährungen zu schaffen.

Fanboys der kriminellen Klasse

Auch auf Herabwürdigung möchte man bei Forbes nur ungern verzichten. So schreibt Black in seinem Fazit:

Get over it, crypto-fanatics and blockchain groupies. Yes, the Bitcoin technology is an impressive achievement, and highly useful to the criminal class. But it makes any real-world currency problem you can think of worse, and completely ignores the patent reality, which is that the wonderful “future” of a national digital currency is something we have today – the US dollar!

David B. Black

Für diese Einschätzung können sich weltweit tausende Softwareentwickler, Unternehmer, Politiker, Redakteure und Privatpersonen, welche Kryptowährungen nutzen und unterstützen nur bedanken.

Digitalwährungen sind mehr als nützlich

Auch wenn Digitalwährungen niemals den Traum einer freiheitlichen und dezentralisierten Ökonomie verwirklichen können, so könnten sie jedoch so manche gesellschaftliche Umwälzung bewirken. Anders als Kryptowährungen werden sie nämlich durch den Staat zentralisiert, daher werden sie voraussichtlich keine Skalierungsprobleme haben und auch der Verlust bei Selbstverwahrung ist damit kein Thema.

Beide Probleme entspringen nämlich der starken Forderung nach Unabhängigkeit des Bitcoin-Netzwerks. Das macht die Transaktionen langsamer und wer die Selbstverwahrung nicht ordentlich hinbekommt, der verliert sein Geld. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass jeder seine Einlagen auf jeden Fall behält, wenn er sie ordentlich verwahrt. Niemand hat darauf Zugriff, auch nicht der Staat.

Digitalwährungen und Kryptowährungen sind technologisch also sehr ähnlich, erfüllen aber vollkommen verschiedene Anforderungsprofile und unterliegen nicht der gleichen Problemstellung.

Auch bei der Kriminalität könnte das „neue“ Geld punkten. Wenn alle Bürger und Unternehmen nur noch auf einem Ledger oder einer Blockchain interagieren, dann werden Steuerhinterziehung, Schwarzarbeit und Handel mit illegalen Waren schlagartig unmöglich. Auch eine Flucht zu schillernde Finanzplätzen, die auf Märcheninseln liegen, ist dann nicht mehr möglich.

Der US-Dollar ist schuld

Macht man einen kurzen Abgleich mit der Realität, so wie es auch David B. Black gerne versucht hätte, dann stellt man fest, dass die meisten Probleme auf der Welt durch den US-Dollar verursacht werden.

Zugegeben, die globale Leitwährung bleibt als Medium neutral und gerät nur deshalb in Verruf, weil sie von allen gleichermaßen benutzt wird. Das schließt Regierungen genauso wie Terroristen ein. Hier offenbart sich, dass staatliche Kontrolle versagt, denn die Finanzierung illegaler Aktivitäten jedweder Art ist ausgerechnet mit US-Dollar am leichtesten.

Auch wenn es zunächst absurd klingen mag, aber die „kriminelle Klasse“, die Black in seinem Artikel erwähnt, profitiert am meisten von den bisherigen Finanzstrukturen.

Das hängt natürlich auch davon ab, wen man zu dieser Klasse rechnen will.  

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