Festnahme: Ex-Vorstand von Wirecard droht Untersuchungshaft

Wirecard Festnahme
Symbolbild

Lesedauer für den Artikel: 2 Minuten

Kompakt:

  • Der Ex-Vorstandschef von Wirecard, Markus Braun, wurde gestern in München festgenommen.
  • Braun wird vorgeworfen, die Bilanzen des DAX-Konzerns massiv gefälscht zu haben.
  • Ein Tochterunternehmen von Wirecard bedient auch Anbieter von Krypto-Kreditkarten.

Die Festnahme kommt nicht überraschend. Der Ex-Vorstandschef von Wirecard, Markus Braun, hat sich mehreren übereinstimmenden Medienberichten gestern der Staatsanwaltschaft gestellt und wurde festgenommen.

Wirecard hat ein milliardenschweres Loch in der Bilanz und so, wie sich der Sachverhalt bisher darstellt, gibt es die bilanzierten Gelder nicht. Dabei geht es insgesamt um 1,9 Milliarden Euro. Braun steht nun im Zentrum der Ermittlungen, die Staatsanwaltschaft prüft außerdem, ob es Mittäter gab.

Neben dem Vorwurf der Bilanzfälschung wird ebenfalls untersucht werden müssen, ob hier ein schwerer Fall von Börsenmanipulation vorlag. Das Wertpapier notierte am 17. Juni bei 104,40 Euro und ist aktuell etwas mehr als 18 Euro wert. Ob Braun in Untersuchungshaft verbleiben muss, steht noch nicht fest.

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Tenx und Crypto.com sind Kunden

Obwohl es bisher hieß, dass der Fall keine Auswirkungen auf die Geschäfte der beiden Anbieter haben soll, besteht immer noch Grund zur Skepsis. Mit Crypto.com und Tenx bauen zwei Unternehmen auf die Tochter von Wirecard, die Wire Card Solutions.

Laut dem CEO von Crypto.com, Kris Marszalek, sind die Kundeneinlagen sicher, weil sie separat geführt werden und nicht zu befürchten sei, dass sie in dem Skandal verwickelt sind. Ob der Konzern jedoch seine Dienste weiter anbieten darf, bleibt hingegen offen.

Kritiker befürchten nun, dass im Zuge weiterer Untersuchungen die Dienste der Wire Card Solutions wegfallen könnten. Gleiches könnte auch der Fall sein, wenn der Konzern in die Pleite steuern sollte.

Das ist zwar zunächst sehr spekulativ, jedoch stehen Krypto-Kreditkarten unter genauer Beobachtung und werden von den meisten kartenausgebenden Unternehmen gemieden. Im Jahr 2018 gab es bereits einen Kollaps dieses Sektors, weil dem Unternehmen WaveCrest die Lizenz entzogen wurde. Dabei war WaveCrest der einzige Anbieter, der Krypto-Kreditkarten damals unterstützte. Infolgedessen mussten Unternehmen, wie etwa Bitwala aus Berlin, ihr Geschäftsmodell vollständig umdenken.

Ansehen deutscher Unternehmen beschädigt

Schlimmer noch als die Verluste der Anleger, sind die Auswirkungen auf das Ansehen deutscher Unternehmen in der Welt. Dieses ist bereits durch den Dieselskandal beschädigt worden und führte zu Schadensersatzklagen in den USA.

Nun erleidet auch das Image deutscher Aktienunternehmen einen großen Schaden. Denn ein erneuter Betrug im großen Stil wirft die Frage auf, wie vertrauenswürdig der Standort Deutschland überhaupt ist.