Der institutionelle Krypto‑Broker und -Lender BlockFills hat vergangene Woche Ein- und Auszahlungen vorübergehend ausgesetzt. Begründet wird die Maßnahme mit „jüngsten Markt- und Finanzbedingungen“ und dem Ziel, Kunden wie Unternehmen zu schützen. Der Handel bleibt für das Öffnen und Schließen von Spot‑ und Derivate‑Positionen eingeschränkt möglich; ein Zeitpunkt für die Wiederaufnahme von Transfers wurde nicht genannt. Das geht aus einer Unternehmensmitteilung vom 11. Februar hervor, die BlockFills nun auf seiner Website veröffentlicht hat. Der Schritt fügt sich nahtlos in die jüngste Marktkorrektur ein, in der Bitcoin zeitweise in Richtung 60.000 US‑Dollar fiel und es branchenweit zu hohen Liquidationen kam.
BlockFills beschreibt sich als technologiegetriebener Liquiditätsanbieter und Kreditgeber für professionelle Marktteilnehmer; das Unternehmen mit Sitz in Chicago richtet sich an Hedgefonds, Vermögensverwalter, Minergesellschaften und andere institutionelle Kunden. Laut eigenem „Year in Review 2025“ wickelte BlockFills im vergangenen Jahr Transaktionsvolumen von über 61,1 Mrd. US‑Dollar ab und bedient mehr als 2.000 institutionelle Kunden in über 95 Ländern. Die Firma ist durch die Risikokapitalarme von Susquehanna und der CME Group finanziert; in einer Series‑A‑Runde 2022 wurden 37 Mio. US‑Dollar eingesammelt.
Blockfills betont, man arbeite „Hand in Hand mit Investoren und Kunden“, um die Liquidität der Plattform zügig wiederherzustellen; Einzahlungen während der Sperre würden zurückgewiesen. Die in einer Mail an Kunden erwähnte Möglichkeit, Positionen mit zusätzlichem Marginbedarf zu schließen, unterstreicht, dass das Unternehmen aktiv Bestände und Sicherheiten managt, um Risiken zu begrenzen.
Déjà-vu: Parallelen und Unterschiede zu Celsius, BlockFi & Co.
Die sektorweite Erfahrung lehrt: Ein Stopp von Auszahlungen ist in der Kryptobranche ein Warnsignal, das in früheren Zyklen nicht selten Restrukturierungen oder Insolvenzen vorausging – prominente Beispiele sind Celsius, BlockFi, Genesis oder FTX. Celsius fror im Juni 2022 Kundengelder ein und meldete kurz darauf Insolvenz an. Gerichtsunterlagen zeigten ein Loch in der Bilanz in Milliardenhöhe und verdeutlichten Asset‑Liability‑Mismatches sowie riskante Geschäfte mit Kundengeldern. Bei BlockFi folgte die Pleite im November 2022 im Gefolge des FTX‑Zusammenbruchs. Seitdem arbeitet die Masseverwaltung die Forderungen ab und meldete 2024 dank der Verwertung von FTX‑Ansprüchen Aussicht auf vollständige Gläubigerbefriedigung, ein außergewöhnlicher Sonderfall der jüngeren Krypto‑Insolvenzgeschichte.
Dass Auszahlungsstopps nicht zwangsläufig Insolvenz bedeuten, betonen auch die aktuellen Berichte zu BlockFills. Hinweise auf Zahlungsunfähigkeit gibt es derzeit nicht. Vielmehr dürfte die Entscheidung vor dem Hintergrund abrupt gestiegener Volatilität und hoher gehebelter Liquidationen gefallen sein.
Der direkte Vergleich bleibt dennoch heikel: Wo Celsius ein Retail‑Ertragsprodukt mit hohen Zusagen betrieb, positioniert sich BlockFills als B2B‑Haus für qualifizierte Gegenparteien und institutionelle Kreditvergabe mit Derivate‑ und OTC‑Handel.
Warum Krypto‑Lender immer wieder zum systemischen Risiko werden
Kreditintermediation im Krypto‑Sektor ist strukturell anfällig für drei miteinander verwobene Risiken: erstens Asset‑Liability‑Mismatches, wenn kurzfristig fällige Verbindlichkeiten illiquiden, teils gehebelten Anlagen gegenüberstehen. Zweitens die Abhängigkeit von kollateralisierten Krediten mit hochvolatilen Sicherheiten und drittens Intransparenz in OTC‑Märkten, die Interkonnektivität und Ansteckungseffekte verschleiert.
Die Europäische Zentralbank hat bereits 2022 darauf hingewiesen, dass Leverage, Lending‑Aktivitäten und stärkere Verbindungen zum traditionellen Finanzsystem die Finanzstabilitätsrisiken der Krypto‑Märkte erhöhen. Etwaige Daten‑ und Regulierungslücken verstärken diese Dynamik. Die historischen Beispiele von Celsius und BlockFi zeigen, wie rasch Marktstress zu Margin Calls, Zwangsliquidationen und Dominoeffekten führen kann, wenn hinterlegte Sicherheiten im Kurs fallen und Gegenparteien ausfallen.
Sollte BlockFills in ernsthaftere Schwierigkeiten geraten, stünden vor allem jene Segmente unter Druck, die auf die Kredit‑ und Liquiditätsbereitstellung für professionelle Akteure angewiesen sind: gehebelte Strategien von Hedgefonds, Miner‑Finanzierungen sowie OTC‑Derivate‑Hedging. Ein ausgedehnter Liquiditätsengpass könnte zu erzwungenen Positionsreduktionen führen, die wiederum Druck auf Orderbücher und Basis‑Spreads ausüben – ein Muster, das Medienberichte bereits für den aktuellen Volatilitätsabschnitt beschreiben. Im Unterschied zur Retail‑Krise 2022 wäre die direkte Betroffenheit privater Anleger diesmal geringer, die Marktwirkung auf Volatilität und Kreditkonditionen in institutionellen Krypto‑Märkten aber erheblich. Die Größenordnung des Hauses – über 61 Mrd. US‑Dollar abgewickeltes Volumen 2025, Kundenkreis mit mehr als 2.000 Institutionen – macht es zu einem relevanten Knotenpunkt der professionellen Marktinfrastruktur. Gleichwohl gilt: Bislang kommuniziert BlockFills ein temporäres Vorgehen und die enge Arbeit mit Investoren zur Wiederherstellung der Liquidität; bestätigte Hinweise auf Überschuldung liegen derzeit nicht vor.

