Interview

Die Herausforderungen von CBDC und Kryptowährungen – Ein Interview mit Professor Mike Seiferling

Mike Seiferling Interview

Lesedauer für den Artikel: 13 Minuten

Universitäten neigen dazu, das Bild alter Gebäude abzugeben, die voller Bücher und Menschen sind, die sich sehr für ihre wissenschaftliche Arbeit interessieren, aber ein wenig den Kontakt zum Rest der Welt verloren haben. Wir sprachen mit Assistenzprofessor Mike Seiferling vom University College London. Unser Telefongespräch mit ihm baute nicht nur jegliche Vorurteile gegenüber Universitäten und den Menschen, die dort arbeiten, ab, sondern lieferte uns auch hochinteressanten Einblicke in seine Forschung über Kryptowährungen, Stablecoins und CBDC. Wir sprachen über seine Arbeit und die Arbeit seines Teams am „Center for the Governance of Change“ und ihre jüngsten Ergebnisse bei der Erforschung dieser Themen in verschiedenen Ländern.

Haben die Kryptowährungen ihre eigene Vision verfehlt? Sind wir mit digitalen Währungen, die von Zentralbanken ausgegeben werden, besser dran? Und wer sollte die eigentliche Grundlage des Geldes verwalten?


Motivation zur Erforschung von Kryptowährungen und CBDC

Wie sind Sie zur Erforschung von Kryptowährungen gekommen?

In einem meiner Projekte geht es um die fundamentalen und philosophischen Grundlagen des Geldes. Wie denken wir darüber? Wie nehmen wir den Transfer von Vermögen und Transaktionen im Allgemeinen wahr? Und, was noch wichtiger ist, wie verbessern wir die Art und Weise, wie wir diese Transaktionen durchführen?

Das führte mich zur Zusammenarbeit mit dem Center for the Governance of Change der IE University. Wir haben ein ausgezeichnetes Team zusammengestellt, dass wirklich Weltklasse im Bereich Informatik, Wirtschaft und auch Kryptowährungen ist.

Aber warum Kryptowährungen? Wie sind Sie persönlich damit in Berührung gekommen?

Wir haben immer noch ein System, in dem viele Mittelsmänner in Geldgeschäfte involviert sind. Und viele dieser Mittelsmänner sind bei all den technologischen Fortschritten, die wir haben, nicht mehr notwendig. Wenn wir also in einer Welt mit wohlwollenden Menschen oder einer effizienten Art und Weise, Menschen zur Rechenschaft zu ziehen, leben würden, dann könnten wir uns von Systemen verabschieden, in denen es Zwischenhändler gibt, die sich vor allem Informationsasymmetrien zunutze machen.

Die Blockchain-Technologie – wie sie von Bitcoin vorgeschlagen wurde – negiert also diesen Effekt, weil man die Bilanzen aller Beteiligten in einem dezentralen Ledger zur Hand hat. Jeder hat Zugang zu allen Bilanzen, und das Vertrauen wird durch das Protokoll aufgebaut. Das ist fantastisch, denn wenn man kein Geld an irgendeinen Mittelsmann verliert, dann kann man mit diesen Einsparungen viel produktivere und bessere Dinge für die Gesellschaft erreichen.

Das ist es also, was mich dazu gebracht hat. All diese Ungerechtigkeiten zu sehen und zu wissen, dass wir seit der Krise 2008 nicht wirklich etwas gelernt oder gelöst haben. Tatsächlich greifen wir jetzt mit der Coronavirus-Pandemie und der daraus resultierenden Wirtschaftskrise zu der selben Problemlösung wie 2008, nur diesmal auf Steroiden.

Man bekommt den Eindruck, dass Sie sich mit Satoshis Plan und bestimmten Idealen identifizieren können. Ist das der Fall?

Ja, was die Theorie betrifft. Es gab eine wunderbare Schrift, die von Narayana Kocherlakota von der Federal Reserve of Minneapolis veröffentlicht wurde. Die Grundidee der Schrift ist, dass Geld nur eine Erinnerung ist. Wenn wir uns eine mentale Bilanz vorstellen könnten und man sich einfach alle Transaktionen merken würde, dann bräuchten wir überhaupt kein Geld.

Für mich gibt es also theoretische Aspekte, auf die Nakamoto zurückgegriffen hat, aber leider wurden viele der Dinge, die nach Nakamoto geschahen, von einer sehr kleinen Nischengemeinschaft von Leuten vorangetrieben, die mehr auf Kryptographie und Informatik ausgerichtet waren. Sie waren wirklich gut in dem, was sie tun, haben es aber nicht geschafft, Leute mit einem Hintergrund im Finanz- oder PR-Bereich anzusprechen, um all diese Ideen für die breite Öffentlichkeit attraktiver zu machen.

Wenn man sich heute an Mainstream-Makroökonomen oder Leute aus dem Finanzwesen wendet, ist das immer noch nicht ansprechend, weil Bitcoin überwiegend mit Spekulationen verbunden ist.

Gesellschaftliche und technologische Problemstellung

Sie sprachen davon, den Zwischenhändler auszuschalten, was in der Tat einer der Grundgedanken hinter Kryptowährungen ist. Dennoch führt dies zu einem Dilemma. Auf der einen Seite wird man weniger abhängig, aber auf der anderen Seite muss man sich der vollen Verantwortung stellen. Alle Transaktionen sind endgültig. Wenn man irgendwie sein Geld von seinem Konto verliert, kann man mit der Bank sprechen und es zurückbekommen. Aber wenn man seine Bitcoins verliert, dann sind sie weg.

Gibt es einen Weg, dieses Problem zu lösen und beide Vorteile zu vereinen?

Die Entwicklung hin zu Stablecoins und zu Währungen, die mit Vermögenswerten unterlegt sind, löst einen Großteil der anfänglichen Probleme in Bezug auf die Volatilität und es gewährleistet, dass diese Kryptowährungen einen gewissen Wert haben. Die Lösung des Problems besteht darin, dass es einen identifizierbaren Geldgeber geben muss. Eine Lösung könnte ein Stablecoin wie die Libra sein.

Das Problem und eines der Hauptergebnisse unserer Studie ist, dass die Unternehmen im Bereich der PR versagt haben und die Öffentlichkeit ihnen nicht vertraut. Facebook ist völlig daran gescheitert zu erklären, warum Libra besser ist als das, was die Menschen jetzt haben. Ihr Versagen zeigt, warum es so wichtig ist, die Öffentlichkeit über diese neue Art von Technologie aufzuklären. Warum ist sie besser? Warum ist sie besser als der US-Dollar?

Das ist wirklich interessant. Die meisten Nachrichten und Berichte im Bereich der Kryptowährungen werden durch PR und Marketing vorangetrieben. Brauchen wir wirklich mehr Marketing oder sollten wir uns mehr auf die Aufklärung über Geld und insbesondere über Kryptowährungen konzentrieren?

Es ist sehr wichtig, die breite Öffentlichkeit aufzuklären. Kryptowährungen sind in zwei Welten gespalten. Die eine wird von Enthusiasten angetrieben, die sehr engagiert sind und sehr viel spezifisches Wissen gesammelt haben. Und die andere ist die breite Öffentlichkeit, die fast kein Bewusstsein hat und nicht viel weiß.

Die meisten Leute werden abschalten, wenn man Blockchain erwähnt, weil sie denken, es sei ein rein technisches Thema. Selbst wenn wir uns also auf die Anwendung von Blockchain-Technologie als Geld- oder Zahlungssystem konzentrieren, ist es immer noch kompliziert. Aber das muss es nicht sein, wenn man Beispiele lehrt, die das Publikum auch erreichen.

Nehmen wir an, Sie leben in einem Land, das wegen einer Dürreperiode schwere Zeiten durchlebt hat, und jetzt muss die UNO Reis für die Bevölkerung kaufen. Um diese Transaktion zu ermöglichen, muss sie verschiedene Währungen verwenden, und jeder Tausch zwischen diesen Währungen bringt eine Kursdifferenz mit sich. Diese Spanne bringt jemandem Gewinn, aber sie hilft nicht Ihrem Volk, das in äußerster Not ist.

Ein Stablecoin wie Libra würde dieses Problem lösen. Und wir sprechen hier von wirklich riesigen Geldmengen, die niemandem helfen, sondern nur den Zwischenhändler reicher machen.

Brauchen wir Libra oder könnte es irgendeine anderer Stablecoin sein? Muss es Facebook sein?

Nein, Libra ist ein gut entwickelter Stablecoin, aber im Prinzip könnten wir jeden anderen Stablecoin mit ähnlichen oder besseren Eigenschaften verwenden. Es scheint, dass Facebook weltweit, vor allem aber in der westlichen Welt, auf viel Misstrauen stößt. So vertrauen die Menschen in Deutschland, Großbritannien und den USA eher den Zentralbanken oder der EZB als Facebook.

Dieses Misstrauen ist wohlverdient. Facebook hat mehr als einen Skandal hervorgerufen, seit es sein Social-Media-Geschäft begonnen hat. Man könnte argumentieren, dass es deren Geschäftsmodell ist, ihre Nutzer zu verkaufen. Warum sollten wir diesen Leuten unser Geld anvertrauen?

Die Unternehmen, die hinter Libra stehen, könnten digitale Währungen zur Reife bringen, und dies könnte in der Tat eine weltweite Finanzrevolution auslösen. Die Frage ist, ob wir eine Revolution wollen, die von Menschen vorangetrieben wird, die offensichtlich nur auf ihren eigenen Profit ausgerichtet sind.

Das ist in der Tat die Frage. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ihr erster Vorschlag für Libra einen Währungskorb enthielt und sie hätten entscheiden können, was in diesem Korb enthalten ist und was sie über ihre Entscheidungen in der Öffentlichkeit preisgeben. Letztendlich würden wir darauf vertrauen, dass sie alle Transaktionen vertrauenswürdig durchführen.

Aber ist Bitcoin nicht die Lösung für dieses Problem? Das Vertrauen liegt innerhalb des Protokolls. Viele Menschen vertrauen Facebook nicht, andere könnten Befürchtung bezüglich der Banken oder vielleicht sogar wegen ihrer eigenen Regierung haben. Tatsächlich sind viele Regierungen totalitär. Brauchen wir etwas wie Bitcoin, aber mit weniger Volatilität?

Ich denke, es wäre schwierig, einen Stablecoin mit einem dezentralisierten Netzwerk und voller Transparenz zu konstruieren. Das Volk wäre der Emittent und der Inhaber zugleich. Mit voller Rechenschaftspflicht und voller Transparenz. Diese Lösung hat viele Vorzüge, aber es gibt auch viele Herausforderungen. Wie viel Privatsphäre wollen wir? Dies ist ein Thema für viele Gesellschaften. Es gibt Kulturen, die nie etwas zulassen werden, wenn es ihnen auch nur einen Teil ihrer Privatsphäre nimmt. Selbst wenn alle gesetzestreue Bürger sind und niemand etwas zu befürchten hat.

Es muss außerdem auch wie Geld funktionieren. Die Währung muss einen stabilen Preis bewahren, und wenn man nicht jemanden hat, der die Geldmenge kontrolliert, dann könnte man auch keinen stabilen Preis garantieren. Wenn wir alle beteiligt sind, dann müssen wir diesen Aspekt gemeinsam verwalten. Aber man kann nicht jeden die Geldmenge verwalten lassen. Man braucht eine Art Vorstand.

Selbst in dezentralisierten Netzwerken müssen Entscheidungen von kleinen Gruppen von Personen getroffen werden. Und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob sie immer wohlwollend sind oder richtig handeln.

Aber die Bitcoin-Entwickler handhaben das sehr gut. Es werden nur 21 Millionen BTC entstehen. Wenn sie nicht versuchen Bitcoin zu ändern, dann sind diese und andere Grundlagen in Stein gemeißelt.

Mir geht es nicht um die Strategie des Managers, sondern darum, wer der Manager sein sollte. Welchen Grad an Transparenz haben sie? Wie sind sie gegenüber den Inhabern dieser Währung rechenschaftspflichtig? Abgesehen von diesem Punkt können wir auch einen Blick auf ihre Strategie werfen, die auf makroökonomischer Forschung und entsprechenden Grundlagen beruhen sollte.

Eine feste Geldmenge wird zu Preisinstabilität führen. Das ist kein effizientes System. Sie wollen diese Woche nicht 1 Dollar für Milch zahlen, und nächste Woche werden es 10 Dollar sein. Die Stabilität könnte jedoch durch eine Art Algorithmus verwaltet werden, der den Verbraucherpreisindex berücksichtigt. Es könnte also theoretisch durch das Protokoll gelöst werden.

Anforderungen an das neue Geld

Kryptowährungen sind also kein funktionelles Geld, weil sie nicht flexibel genug sind. Sie passen nicht zu den Anforderungen der realen Welt. Ist das der Fall?

Richtig, menschliches Verhalten ist nicht festgelegt. Diese Schwankungen müssen von der Angebotsseite der Geldmenge her berücksichtigt werden, um die Preisstabilität zu gewährleisten. Wenn man eine feste Geldmenge und eine schwankende Geldnachfrage hat, dann werden die Preisniveaus letztlich schwanken.

Das wollen wir nicht, und die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass dies kein optimales System ist. Man muss die Geldmenge steuern, um Preisstabilität zu erreichen.

Die Ergebnisse Ihrer Studie zeigten eine große Skepsis gegenüber Bitcoin und Kryptowährungen im Allgemeinen. Ihrem Bericht zufolge haben die Kryptowährungen ihre eigene Vision verfehlt. Die Menschen, die sich mit Kryptowährungen beschäftigen, sind ebenfalls sehr skeptisch.

Wer hat Ihre Arbeit finanziert? Stecken Banken dahinter?

Es ist ausgezeichnet, dass Ihre Leser und Interessenten sich damit beschäftigen, wer unsere Geldgeber sind. Aber ich muss Sie leider enttäuschen, man hat uns in dieser Sache absolute Freiheit eingeräumt. Der Geldgeber war die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) in Washington D. C., sie ist mit keiner privaten Institution verbunden.

Sie steht also zum Beispiel nicht in Verbindung mit Libra. Tatsächlich waren unsere Feststellungen zu Libra sehr negativ. Wir haben unsere allgemeine Fragestellung so objektiv wie möglich gehalten, ebenso wie die Umfrage, die wir in verschiedenen Ländern durchgeführt haben.

Wir erhielten viele Antworten, die wir nicht erwartet hatten. Unsere Forschungsarbeit ist eine Botschaft. Wir sind ihr Überbringer, nicht ihr Autor.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse der Studie war, dass die Menschen in den westlichen Gesellschaften weniger skeptisch gegenüber ihren Banken und mehr skeptisch gegenüber Kryptowährungen sind. Während die Menschen in Lateinamerika ihren Banken eher Misstrauen und Kryptowährungen Vertrauen schenken.  

Brauchen wir einen Crash, um zu erkennen, was vor sich geht? Sind Kryptowährungen eine Zuflucht für alle, die fallengelassen wurden?

Man lernt immer etwas aus einer Tragödie. Hätten wir 2008 nicht den Crash gehabt, wäre Bitcoin nicht so groß geworden, wie es heute ist. Ich glaube, die Menschen sind im Allgemeinen verärgert darüber, wie das Finanzsystem funktioniert und das man den Banken 2008 einen Bail Out gewährte.

Wir haben nichts aus der Krise von 2008 und der Reaktion darauf gelernt. Meiner Meinung nach geht es uns in Bezug auf die Funktionsweise des Finanzsystems mindestens genauso schlecht wie 2008. Ich denke, wir haben vorerst genug Krisen erlebt. Wir müssen plausible und verantwortungsvolle Schlussfolgerungen ziehen.

Wir sprachen über Libra, wir sprachen über Zentralbanken und das Vertrauen in das Protokoll von Bitcoin. Eines der Ergebnisse Ihres Teams war, ich zitiere: „Kryptowährungen haben das Potenzial, die Zahlungssysteme erheblich zu verbessern, wenn sie richtig konzipiert und umgesetzt werden“.

Das scheint ein sehr weit gefasster Satz zu sein. Wie sieht die richtige Umsetzung aus?

Ich denke, die beste Umsetzung kommt von der Partei, der wir am meisten Vertrauen schenken und die am ehesten das Wohl der Gesellschaft im Blick hat anstatt sich bereichern zu wollen. Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die meisten Menschen in der westlichen Welt Zentralbanken mehr vertrauen als privaten Institutionen.  Eine allgemeinere Befürchtung ist die Zugänglichkeit von Kryptowährungen und wie wir sie verwenden können.

Die beste Umsetzung muss also für Preisstabilität und eine hohe Zugänglichkeit sorgen, wo immer die Menschen sie gerne nutzen wollen, und sie muss Vertrauen schaffen. Ich weiß, dass dies eine sehr einfache Antwort ist und dass es viele Berichte gibt, die sich auf die technische Umsetzung und die Gestaltung der CBDC oder einer Kryptowährung konzentrieren.

Aber für mich sind die wichtigsten Aspekte: Können Menschen damit Transaktionen durchführen? Ist es ein Wertaufbewahrungsmittel? Sind sie in der Lage, daraus einen Vorteil gegenüber jeder anderen Form von Geld zu ziehen?

Zentralbanken genießen im Westen bereits einen Vertrauensvorschuss, und was noch wichtiger ist, sie wenden sich an die breite Öffentlichkeit und stehen mit ihr im Dialog.

Ein genauerer Blick auf die CBDCs offenbart aber auch eine gefährliche Seite davon. Es gibt totalitäre Regierungen, und sie könnten noch mehr Kontrolle über das Leben ihrer Bürger übernehmen. Wie können wir das verhindern?

Das Problem hat zwei Seiten. Ich weiß, dass manche Menschen ihre Privatsphäre sehr schätzen, selbst wenn sie sich an das Gesetz halten und nichts zu befürchten haben. Mit dem CBDC verlieren sie die Möglichkeit, quasi anonyme Transaktionen durchzuführen, wie sie mit Bitcoin möglich wären. Ist das in Diktaturen oder autoritären Regimen eine schlechte Sache? Ja, das ist ein Problem in diesen Ländern!

Auf der anderen Seite hat der Verlust dieser Fähigkeit einen großen Vorteil. Denken Sie an all die Korruption im Westen und möglicherweise auch in anderen Regionen der Welt. All der illegale Handel. Man könnte jene Dinge verhindern, die die Gesellschaften in großem Maße betreffen. Das Ausmaß von Korruption und Geldwäsche mit Bargeld ist enorm! Dazu gehören beispielsweise auch Politiker und hohe Beamten aus schlecht regierten und weniger privilegierten Ländern, die teure Immobilien in London oder Berlin kaufen.

Für mich ist es wichtiger, diese Aktivitäten zu verhindern als die Privatsphäre der Menschen in gut etablierten Demokratien zu schützen, die ihre Institutionen bis zu einem gewissen Grad zur Rechenschaft ziehen können.

Man könnte argumentieren, dass es ein solches System niemals geben wird. Tatsächlich haben die Panama Papers enthüllt, dass es in der Tat mächtige Leute gibt, die versuchen, verdeckt zu operieren. Vielleicht werden sie solche CBDCs verhindern oder zumindest eine Hintertür für sich selbst einbauen.

Das wäre ein Argument für einen vollständig dezentralisierten Ledger. Nichts ist privat, jeder hat Zugang und jeder kann möglichen Betrug untersuchen. Für mich wäre das kein Problem.

Je älter ich werde, desto mehr stelle ich fest, dass sowas wie Wohlwollen nicht existiert. Selbst wenn man ein angesehener und vom Volk legitimierter Politiker ist, Macht korrumpiert. Dieses Muster findet man überall auf der Welt. Wer profitiert von der Wahrung der Privatsphäre? Wer profitiert davon, seine Geheimnisse zu wahren?

Es ist nicht die Allgemeinheit! Die angesprochenen Leaks zeigen eindrucksvoll, dass es sehr kleine Zirkel von reichen und mächtigen Individuen sind, die dieses Interesse vertritt und davon profitiert. Und das auf Kosten der Gesellschaft.

Wir bedanken uns herzlich bei Professor Seiferling für das Interview.

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