Interview

Corona, Bitcoin-Crash und Marktsentiment – Ein Interview mit Ross Zaykov von CryptoMood

Ross Zaykov CryptoMood
Bildquelle: CryptoMood

Lesedauer für den Artikel: 6 Minuten

Die Märkte waren in den letzten Tagen mehr als hitzig. Corona, die FED, der Lockdown, eine negative Schlagzeile nach der anderen und keine Besserung in Sicht. Die Stimmung an den Märkten ist spürbar und ihre Rolle wird manches Mal unterschätzt. Daher haben wir die Gelegenheit genutzt mit einem Mann zu sprechen, der genau einen Job hat: Die Stimmung sichtbar zu machen.

Ross Zaykov arbeitet für CryptoMood, eine App, die es Tradern ermöglichen soll, den Markt blitzschnell zu analysieren. Wie schlägt sich das Sentiment im Vergleich zur technischen Analyse? Welche Auswirkung hatte Corona auf die Nachfrage nach Bitcoin? Und hat man damit den Crash kommen sehen?


Ross, stell unseren Lesern vielleicht zum Einstieg vor, worum es bei CryptoMood geht.

CryptoMood ist eine Analyse-Plattform. Wir tragen alle Informationen und Daten zusammen und unterziehen sie einer Echtzeitanalyse.

Klingt spannend, welche Daten sind das?

Es handelt sich dabei um Chats, Social Media, Meldungen und Artikel in den Medien und natürlich diverse Blockchains. Wenn beispielsweise eine oder mehrere signifikante Transaktionen geschehen, dann kann das schon große Auswirkungen haben.

Für die eigentliche Auswertung bedienen wir uns künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen. Auf diesem Weg können wir sehr schnell auswerten, ob beispielsweise ein Artikel eher positiv oder negativ konnotiert ist und wie stark die Tendenz in dem Artikel ist.

Das ermöglicht uns eine fundamentale Analyse der aktuellen Lage am Markt. Das Tempo der Software kommt Tradern zugute, weil sie eine Menge Zeit sparen und die Auswertung nicht selber vornehmen müssen.

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Wie werden diese Daten aufbereitet? Gibt es dann einen Indikator für das Sentiment?

Ja, genau. Wir haben einen Indikator für das „News Sentiment“ und einen für das „Social Sentiment“. Diese beiden Indikatoren geben einen sehr guten Aufschluss darüber, wie auf ein Ereignis oder eine Meldung reagiert wird.

Das ist ja etwas vollkommen anderes, als das, was die meisten Trader machen. Viele fokussieren sich auf Social Trading und teilen ihre technischen Analysen beispielsweise auf Trading View. Was denkst du über technische Analysen, benutzt ihr das auch?

Nein, wir verwenden sowas nicht. Bestimmte Indikatoren wie etwa das Moving Average oder der MACD haben durchaus ihre Berechtigung und eine gute mathematische Grundlage. Wir geben Scoring Werte für das Sentiment aus, welche einen bestimmten Zeitraum abbilden. 

Die Stimmung an den Märkten ist durchaus ein psychologischer Aspekt des Tradings. Aber was hältst du persönlich von technischer Analyse? Sind diese Indikatoren überhaupt zu gebrauchen?

Nun, du kannst Vorhersagen auf Basis aller möglichen Indikatoren oder Aussagen treffen. Das können auch Mondphasen sein. Technische Indikatoren sind einfach nur ein weiteres Werkzeug, das du benutzen kannst. Unglücklicherweise sind diese Indikatoren höchst subjektiv und häufig von Liquidität abhängig. Besitzt ein Markt nicht genügend Liquidität, dann können diese Indikatoren nicht richtig angewandt werden.

Bei Kryptowährungen ist genau das der Fall! Viele Assets haben nicht genug Liquidität, deshalb funktionieren die technischen Indikatoren nicht richtig.

Wenn das mit dem Sentiment so gut funktioniert, dann interessiert mich eine Sache brennend. Habt ihr den Crash kommen sehen?

Wir haben interne Trading-Strategien und da hat es durchaus eine Warnung gegeben. Also, ja, das war im Vorfeld sichtbar.

Das integrierte „Whale-Watch-Modul“ von CryptoMood ermöglichte es uns, die Bewegungen großer Marktteilnehmer zu erkennen, die schließlich die Kryptomärkte zum Einstürzen brachten. Man kann zwar das genaue Volumen nicht frühzeitig vorhersagen, aber es reichte aus, um uns zu zeigen, dass einige große Akteure ihre Anlagen auf die Börsen transferieren, um den Preis zu manipulieren. Die Nachrichten und die gesellschaftliche Stimmung haben bereits am 8. März einige Aktivitäten in diesem Sinne deutlich gemacht.

Und wie präzise war die Vorhersage?

Es gibt von uns kein direktes Trading-Signal, wie man es von manchen Bots oder Gruppen kennt. Es wird also kein Entry oder Exit definiert. Unsere Systeme liefern in erster Linie einen Indikator dafür, wohin sich der Markt angesichts des Sentiments bewegen könnte.

Es liegt also an den Tradern, wie sie diese Indikatoren interpretieren und ob sie es für ihr unmittelbares Handeln am Markt verwenden möchten. Es gibt hier ganz unterschiedliche Anwendungsfälle. Ein OTC-Trader kann beispielsweise mit unseren Tools abpassen, wann der Spread vergrößert wird. Das sind natürlich relativ enge Zeitfenster, aber es ist dennoch sehr nützlich.

Das klingt sehr speziell, wer benutzt denn eure Software überwiegend? Eher Profis oder auch einfache Daytrader?

Wir haben Kunden durch die ganze Branche hinweg, fast alle Kategorien. Dazu gehören auch Krypto-Fonds, die unsere Daten für ihre Arbeit nutzen. Im Augenblick befinden wir uns außerdem im Gespräch mit verschiedenen Börsen, die unsere Lösungen integrieren möchten, um sie ihren Kunden anzubieten. Daytrader bilden aber auch eine breite Nutzerbasis von CryptoMood.

Spannend, welche Börsen sind das?

Das darf ich noch nicht verraten. Durch das Coronavirus könnte die Zusammenarbeit auch nochmal verzögert werden. Aber ich denke, in zwei Monaten darf ich dazu mehr erzählen.

Du sprichst Corona an. Da sind wir auch schon wieder zurück beim Crash. Viele haben gedacht, Bitcoin sei der sichere Hafen und die Leute kaufen, wenn die Krise kommt. Das war jetzt nicht der Fall. War es mit eurem Tool auch möglich, das Sentiment bezüglich Corona und seiner Auswirkung auf den Markt zu messen?

Bitcoin sollte nicht nur als Investment verstanden werden. Es ist eben auch ein digitales Zahlungsmittel. Bestimmte Geschäfte profitieren bereits bei grenzüberschreitenden Transaktionen von diesem Aspekt. Daher wächst die Nachfrage nach Bitcoin.

Diese steigende Nachfrage war gut sichtbar, als die ersten Meldungen zu Corona kamen. Zuerst in China, danach überwiegend in Hongkong und auch in Singapur. Im Augenblick können wir das selber Muster in Russland und Europa erkennen.

Wir haben eben kurz über Daytrader gesprochen. Warst du selber einmal als Trader beschäftigt?

Ja, ich habe selber aktiv an den Märkten gehandelt und das ist auch ein ganzes Stück Motivation für CryptoMood gewesen. Es gibt eine Menge Dinge, die du berücksichtigen musst und ein Informationsvorsprung ist meistens entscheidend.

So entstand auch die Idee dieses Tool zu entwickeln. Ich wäre früher froh gewesen ein solche App gehabt zu haben. Du hast einfach keinen vernünftigen Rhythmus, man bleibt Tag und Nacht online. Es gibt Trader, denen bereitet so was sogar gesundheitliche Probleme. Ich habe immer davon geträumt, ein solches Tool zu besitzen, was mir diesen Teil der Arbeit abnimmt.

Und was würdest du unseren Lesern raten, die mit dem Daytrading beginnen wollen?

Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin Strategien zu verifizieren und entsprechend auch Backtests durchzuführen. Versucht immer einen Beweis für eure Thesen zu finden und schaut euch die Statistiken an. Verlasst euch niemals nur auf eure Vorannahmen!

Am besten lernt ihr so viel ihr könnt über „Data Science“.

Wir bedanken uns herzlich bei Ross Zaykov für das Interview.

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