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Cameron Winklevoss erhebt schwere Vorwürfe gegen die Digital Currency Group

Cameron Winklevoss
Cameron Winklevoss im Jahr 2015. Bildquelle: Noam Galai/Getty Images for TechCrunch | flickr.com (CC BY 2.0)

  • Cameron Winklevoss wirft Barry Silbert vor, 900 Millionen US-Dollar verzockt zu haben.
  • Seine Vorwürfe veröffentlichte er in einem offenen Brief auf Twitter.
  • Silberts Berater unterbreiteten Gemini am vergangenen Donnerstag einen Vorschlag.

Cameron Winklevoss hat den CEO der DCG, Barry Silbert, in einem offenen Brief auf Twitter an den Pranger gestellt. In diesem behauptete er, dass der Krypto-Broker Genesis Global Capital und seine Muttergesellschaft Digital Currency Group, Geminis Kunden mehr als 900 Millionen US-Dollar schulden. So heißt es in der Einleitung des Schreibens:

Barry – heute sind 47 Tage vergangen, seit Genesis die Abhebungen eingestellt hat. Ich schreibe im Namen von mehr als 340.000 Earn-Nutzern, die nach Antworten suchen. Diese Nutzer sind nicht nur Zahlen in einer Tabelle, sie sind echte Menschen. Eine alleinerziehende Mutter, die dir das Ausbildungsgeld ihres Sohnes geliehen hat. Ein Vater, der dir das Geld für die Bar Mitzvah seines Sohnes geliehen hat. Ein Ehepaar, das dir seine Lebensersparnisse geliehen hat. Ein Lehrer, der dir das Geld für das Studium seiner Kinder geliehen hat. Ein Polizist und so viele mehr. Alles in allem haben dir diese Menschen mehr als 900 Millionen Dollar ihres Vermögens anvertraut. Sie verdienen konkrete Antworten, und wir sind hier, um sie zu bekommen.

Was ist zwischen Gemini und Genesis vorgefallen?

Die Krypto-Börse Gemini, welche sich im gemeinsamen Besitz von Cameron Winklevoss und seinem Zwillingsbruder Tyler befindet, hatte die Rücknahmen eines zinsbringenden Produkts namens “Earn” Mitte November ausgesetzt. Etwa eine Woche, nachdem die Krypto-Börse FTX Insolvenz angemeldet hatte. Das Produkt ermöglichte Anlegern bis zu 8 % Zinsen auf ihre Kryptos zu erzielen, indem sie ihre digitalen Assets vermittels Gemini an Genesis ausliehen.

Genesis stoppte jedoch Abhebungen und setzte neue Kreditvergaben aus, als FTX Insolvenz anmeldete. Seitdem arbeiten die Gläubiger von Genesis mit Restrukturierungsanwälten zusammen, um eine Insolvenz und damit den Verlust der Gelder zu verhindern. Auch die niederländische Börse Bitvavo machte mit Genesis Geschäfte und wartet auf ihr Geld, versicherte aber, dass sie die ausstehende Summe selber stemmen kann.

Gründe für den offenen Brief

Doch die Gründe für den offenen Brief liegen vermutlich noch viel tiefer. Winklevoss sieht sich aktuell mit Klagen wegen des Earn-Produktes konfrontiert, da dieses in den USA möglicherweise als unreguliertes Wertpapier klassifiziert werden könnten. Zudem lenkt er damit den Blick der Öffentlichkeit auf die Machenschaften von Genesis und der DCG, die er beschuldigt, miteinander Kreditgeschäfte getätigt und das Geld in Aktien und Krypto verspekuliert zu haben. So heißt es in dem Brief weiter:

Die Vorstellung in deinem Kopf, dass du dich ruhig in deinem Elfenbeinturm verstecken kannst und dass dies alles wie von Zauberhand verschwinden wird oder dass dies das Problem von jemand anderem ist, ist reine Fantasie. Um es klar zu sagen: Du hast dieses Chaos selbst verursacht. Die Digital Currency Group (DCG) – deren Gründer und CEO du bist – schuldet Genesis (ihrer hundertprozentigen Tochtergesellschaft) – 1,675 Milliarden Dollar. Dies ist Geld, das Genesis den Earn-Nutzern und anderen Gläubigern schuldet. Du hast dieses Geld – das Geld von Lehrern – genommen, um gierige Aktienrückkäufe, illiquide Risikoinvestitionen und kamikazeartige Grayscale-NAV-Geschäfte zu finanzieren, die den gebührengenerierenden AUM deines Trusts in die Höhe trieben; alles auf Kosten der Gläubiger und zu deinem eigenen persönlichen Vorteil. Es ist nun an der Zeit, dass du die Verantwortung dafür übernimmst und das Richtige tust.

Silbert dementierte auf Twitter die Höhe der Kredite, die zwischen Genesis und der DCG geflossen sind. Er gab an, Gemini durch seine Berater einen Vorschlag über die Rückzahlung unterbreitet zu haben. Ob Anleger hier ihr Geld bald wieder sehen ist mehr als fraglich und die beiden Streithähne werden ihren Kampf wohl früher oder später vor Gericht ausfechten. Alles in allem also keine guten Nachrichten für Kunden von Gemini, die das Earn-Programm genutzt haben.

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