Gestern verkündete US-Präsident Donald Trump, dass noch in der Nacht eine ganze Zivilisation vernichtet werden würde, sollte es nicht zu einer Einigung zwischen dem Iran und den USA kommen. Form und Inhalt dieser Drohung sorgen für eine nachhaltige Kontroverse. Nur wenige Stunden später verkündete Trump einen Waffenstillstand, was spürbaren Einfluss auf den Kryptomarkt ausübte.
Nahezu alle Kryptowährungen sprangen auf die Meldung an und der Gesamtmarkt atmete spürbar auf. In den Top-5 legte Bitcoin (BTC) um 5,56 % zu, Ethereum (ETH) um 7,44 %, XRP (XRP) um 5,73 % und Solana (SOL) um 6,63 %.
Damit hat eine Erholung eingesetzt, die den Bitcoin-Kurs im besten Fall zurück auf ein Niveau oberhalb von 80.000 US-Dollar führen könnte.
Wann bestätigt sich der Trend?
Die Erholung hat bereits mehr Fahrt aufgenommen als zunächst erwartet. Mit einem Kurs von rund 72.500 US-Dollar hat Bitcoin die erste technische Hürde bei 69.000 Dollar souverän hinter sich gelassen. Jetzt kämpfen die Bullen an einer deutlich bedeutsameren Front.
Im 4-Stunden-Chart notiert Bitcoin bereits deutlich oberhalb des 200er-SMAs – im übergeordneten Tageschart bleibt dieser Durchschnitt jedoch noch weit entfernt und damit eine der wichtigsten ausstehenden Hürden auf dem Weg zu 80.000 Dollar. Das ist charttechnisch keine Kleinigkeit, denn ein nachhaltiger Schlusskurs oberhalb dieser Linie würde das stärkste Kaufsignal seit Wochen darstellen und signalisieren, dass die übergeordnete Abwärtsstruktur gebrochen ist. Entscheidend ist jedoch das Wort „nachhaltig“ – ein einziger Tagesschluss reicht nicht. Der Markt muss diese Zone mehrfach bestätigen, ohne darunter zurückzufallen.
Von 72.500 Dollar aus ist der nächste und wichtigste Bremsbereich nur wenige Prozent entfernt. Der entscheidende Widerstand liegt zwischen 74.000 und 76.000 US-Dollar – erst ein Ausbruch über diese Zone würde die Marke von 88.000 Dollar in den Fokus rücken. Dieser Bereich ist durch mehrere Hochpunkte der vergangenen Wochen mehrfach technisch verankert. Gelingt der Durchbruch mit überdurchschnittlichem Volumen und einem täglichen Schlusskurs darüber, wäre der Weg in Richtung 80.000 Dollar charttechnisch frei.
Auf der Oberseite gilt der Bereich um 80.600 US-Dollar als nächste markante Widerstandszone. Diese Marke fällt nicht zufällig mit der psychologisch runden 80.000-Dollar-Grenze zusammen, sondern ist gleichzeitig ein technisches Cluster aus früheren Unterstützungs- und Widerstandsniveaus aus dem ersten Quartal 2025. Gleichzeitig weist der RSI Spielraum auf, was aber noch kein grünes Licht bedeutet. Solange der RSI nicht in überkaufte Bereiche über 70 abdriftet, bleibt Momentum für weitere Kursgewinne vorhanden.
Diese Risiken verbleiben
Das wohl größte Risiko für den Markt ist und bleibt der amtierende US-Präsident. Nicht nur der Kryptomarkt ist Spielball von Trumps Rhetorik. Paradebeispiel ist die US-Zollpolitik, welche Anleger dazu zwang, umzudenken. Im Ergebnis setzen viele Investoren auf das Gegenteil von dem, was Trump verkündet. Der „TACO-Trade“ funktionierte bei Zöllen sehr gut, könnte bei geopolitischen Krisen ein Fehler sein. Was, wenn die USA doch angreifen? Was, wenn der Iran die Lebensader für den Ölmarkt trotzdem abklemmt? Was, wenn Israel die Kämpfe einseitig fortführt?
Es ist nicht nur die unberechenbare Kommunikation Trumps, sondern Szenarien, welche sich selbst für die beteiligten Akteure nur sehr schwer kalkulieren lassen.
Aus technischer Sicht ist die Erholung so lange intakt, wie Bitcoin die zurückeroberten Niveaus verteidigt. Kippt der Kurs jedoch unter die zuletzt überwundenen Unterstützungsmarken zurück und bestätigt sich das auf Schlusskursbasis, wäre die aktuelle Bewegung als das einzustufen, was Skeptiker ohnehin vermuten: eine kurzlebige Gegenbewegung in einem intakten Abwärtstrend. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelner volatiler Handelstag als das Verhalten des Marktes über mehrere Tage hinweg. Hält Bitcoin die neu gewonnenen Niveaus nicht, dürfte der Rücksetzer deutlich ausfallen, denn darunter fehlen starke technische Auffangzonen.

